Kantonsrat tagt in Walzenhausen: Die Vorderländer Gemeinde hat schon viele Polit-Grössen hervor gebracht

Vor genau 700 Jahren, im Jahre 1320, wurde der Weiler Walzenhausen erstmals urkundlich erwähnt. Diesen Montag tagte dort der Kantonsrat. Ein Blick auf die Polit-Vergangenheit der Vorderländer Gemeinde.

Isabelle Kürsteiner
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Walzenhausen wurde genau vor 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnt.

Walzenhausen wurde genau vor 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnt.

Bild: Benjamin Manser

Vor genau 700 Jahren, im Jahre 1320, wurde der Weiler Walzenhausen erstmals urkundlich erwähnt. Damals gehörte der Ort am Unteren Hirschberg noch zum Hof Höchst-St.-Margrethen. Somit tagte der Kantonsrat zu einem Jubiläum hoch über dem Bodensee.

Diesen Montag fand die Session unter strengen Covid-19-Auflagen in der Mehrzweckanlage Walzenhausen statt. Nur die jeweils Sprechenden durften für die Sprechzeit an einem der zwei Pulte die Maske entfernen. Kantonsrat Michael Litscher begrüsste in seiner Funktion als Gemeindepräsident von Walzenhausen die anwesenden Kantonsrätinnen und Kantonsräte, den Regierungsrat in corpore sowie Presse und Gäste. Eröffnet und geleitet wurde die Sitzung hoch über dem Bodensee durch Kantonsratspräsidentin Margrit Müller aus Hundwil. Anwesend war auch der zweite Kantonsrat Walzenhausens, Peter Gut. Er war im Amtsjahr 2016/17 nach Ehrenbürger Ulrich Jüstrich (Präsidium im Amtsjahr 1958–60) erst der zweite Kantonsratspräsident aus der Vorderländer Gastgebergemeinde.

Zwei Regierungsräte in gleicher Amtszeit

26 Jahre sind vergangen, seit ein Walzenhauser zuletzt Mitglied der Ausserrhoder Regierung war. Hansueli Hohl schaffte im Jahre 1980 den Sprung in die Exekutive des Kantons. Er amtete bis 1994 als Finanz- und Steuerdirektor und in dieser Funktion von 1987 bis 1990 sowie von 1993 bis 1994 als Ausserrhoder Landammann. In den Jahren 1932 bis 1943 stellte Walzenhausen gar zwei Regierungsräte gleichzeitig: Konrad Keller vom Güetli (1919–1943) und Peter Flisch vom Wachthügel (1932–1952).

Sozialdemokrat aus Graubünden

Ausserdem gehörte Flisch von 1932 bis 1955 dem Nationalrat an. Vor seiner Wahl in den Regierungs- und Nationalrat arbeitete der aus Graubünden stammende Peter Flisch ab 1908 als Lehrer in der Gemeinde.

Als führender Politiker der Arbeiterbewegung Ausserrhodens gründete er 1917 ausserdem die SP-Ortssektion und 1919 das kantonale Gewerkschaftskartell. Nach dem Beitritt der kantonalen SP zur Schweizerischen Partei der Arbeit im Jahr 1944 baute Flisch eine neue Sozialpolitische Partei Appenzell Ausserrhoden auf.

Konrad Keller-Künzler war ein Sohn des Einheimischen Jakob Keller, Rideauxfabrikant und Gemeindehauptmann, und der Karolina Krüsi. Im Jahr 1899 heiratete er Amalia Annette Künzler, Tochter des Fabrikanten Johann Jakob Künzler. Keller arbeitete selbst auch als Rideauxfabrikant und Landwirt. Er verpachtete 1919 sein Gut im Güetli und verkaufte in den 1920er-Jahren das Rideauxgeschäft. Von 1910 bis 1919 amtierte er als Gemeindehauptmann und von 1911 bis 1919 als Kantonsrat. Dann erfolgte die Wahl in den Regierungsrat, dem er bis 1943 angehörte. In dieser Funktion stand er zuerst der Gemeindedirektion, dann der Volkswirtschaftsdirektion vor. Ab 1911 bis 1952 war er Kassier der Gemeinde-Ersparniskasse Walzenhausen.

Reduktion der Anzahl Gemeinderäte

Genau vor 75 Jahren und damit in der Amtszeit von Regierungsrat Peter Flisch verlangte die Jungliberale Bewegung eine Reduktion der Zahl der Gemeinderäte in Walzenhausen von 11 auf 9. Die Initiative wurde im September trotz ablehnender Empfehlung des Rats vom Volk mit 303 Ja- gegen 245 Nein-Stimmen angenommen. Am 23. Mai 1946 fand dann die erste Ratssitzung mit nur noch 9 Mitgliedern statt.