KANTONSRAT: Ertrag ist zu klein, Pachtzins zu hoch

Die Pachtzinsen für Fischer seien zu hoch, finden drei Kantonsräte und fordern vom Kanton, diese nach unten zu korrigieren. Die Regierung hat dafür kein Gehör.

Sabine Schmid
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Die Fischerei liegt den CVP-Kantonsräten Karl Brändle, Bütschwil-Ganterschwil, Bruno Cozzio, Uzwil, und Felix Bischofberger, Thal, am Herzen. Zusammen mit 32 Mitunterzeichnenden, darunter Mirco Gerig, SVP, Unterwasser, Mathias Müller, CVP, Lichtensteig, und Linus Thalmann, SVP, Kirchberg, halten sie in einer Interpellation fest, dass die Fischereivereine im Kanton St. Gallen pro Jahr rund eine halbe Million Franken an Pachtzinsen bezahlen. Es sei aber festzustellen, dass das Verhält- nis zwischen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis mehr steht.

Anhand des Beispiels Fischereiverein Thur rechnen die Interpellanten vor, dass der Verein einen jährlichen Pachtzins in der Höhe von 100560 Franken an den Kanton St. Gallen zahlt. Der Mitgliederbestand liegt bei 351, die jeweils einen Mitgliederbeitrag von 450 Franken entrichten. In den vergangenen 15 Jahren sei der Ertrag gemäss den dokumentierten Fangzahlen um 75 Prozent eingebrochen. Zudem, halten die Kantonsräte fest, betreibt der Fischereiverein Thur auf freiwilliger Basis eine Hälteranlage in der Mühlau in Bazenheid, in welcher Bachforellen- und Äschennachwuchs für die Thur, den Necker, die Sitter und die Glatt produziert wird. Dafür habe der Verein nicht nur über 100000 Franken in die Zukunft der Fischerei und der Artenerhaltung von Äschen und Bachforellen im Kanton St. Gallen investiert, sondern dazu über 1500 Arbeitsstunden – für einen umgerechneten Stundenlohn von rund 10 Franken – geleistet. Überdies sorgen die Vereinsmitglieder mit der Thurputzete für die Erhaltung des wichtigen Naherholungsraumes für Nichtfischer.

Fischer sind wichtige Partner des Kantons

Die Regierung bestätigt in ihrer Antwort, dass Fischereivereine grosse Aufwände im Bereich des Lebensraumschutzes, der Öffentlichkeitsarbeit, der Nachwuchsförderung und der Gewässeraufsicht leisten. Sie seien darum für den Kanton wichtige Partner. Bezüglich der Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung der Fischereivereine weist die Regierung darauf hin, dass der Kanton keine Fanggarantien abgeben könne, der Pachtzins vielmehr eine Entschädigung für die Nutzung des Fischereirechts sei. Bezüglich der Arbeiten in der Hälteranlage Mühlau bestehe eine Leistungsvereinbarung mit einer pauschalen Entschädigung. Zudem stelle das Amt für Natur, Jagd und Fischerei das Verbrauchsmaterial kostenlos zur Verfügung. Die Regierung sieht keinen Spielraum für eine Entlastung der Fischereivereine. Sie weist zudem darauf hin, dass die Verpachtung der Pachtgewässer per 1. Januar 2017 für die folgenden acht Jahre erfolgte.

Diese Antwort stellte die Interpellanten nicht zufrieden. Deren Sprecher Karl Brändle vermutete, dass die Sorgfalt bei der Abklärung und die Qualität gelitten haben, weil die Regierung für die Beantwortung der Fragen gerade einmal zwei Monate Zeit gebraucht habe. Die angegebenen Zahlen würden nicht stimmen, sagte Karl Brändle, zudem habe die Regierung die Pachtzinsen und die Leistungsvereinbarung bezüglich der Hälteranlage vermischt, was miteinander aber nichts zu tun habe. In einem Blick zurück legte der CVP-Kantonsrat dar, dass die Höhe des Pachtzinses bereits mehrfach aufgrund des Fangertrags angepasst worden sei. Er ist der Ansicht, dass die Fischer, die viel von ihrer Freizeit und viele Mittel für den Erhalt des Lebensraums der Fische aufwenden, mehr Sorgfalt und Wertschätzung verdient hätten. Er rief die Regierung auf, sich das Ganze nochmals zu überlegen und dann auf die Fischer zuzugehen.

Dies wird geschehen: Im Januar findet in dieser Sache eine Besprechung mit dem Volkswirtschaftsdepartement den Fischern und den Interpellanten statt.

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch