Kantonsrat
Ausserrhoder Lehrerinnen und Lehrer erhalten höhere Einstiegslöhne

Bis anhin mussten sich Lehrpersonen in Ausserrhoden mit einem geringeren Einstiegslohn als ihre Berufskollegen in den Nachbarkantonen begnügen. Dies soll sich nun ändern. Der Kantonsrat stimmte an der März-Session am Montag einer Lohnanpassung zu – aber nicht ohne Kritik zu üben.

Alessia Pagani
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Für viele Lehrerinnen und Lehrer ist die Höhe des Einstiegslohns massgeblich bei der Stellenwahl.

Für viele Lehrerinnen und Lehrer ist die Höhe des Einstiegslohns massgeblich bei der Stellenwahl.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Für den Grossteil der Ausserrhoder Kantonsrätinnen und Kantonsräte ist es unbestritten: Um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Nachbarkantonen zu verbessern, müssen die Einstiegslöhne der Lehrpersonen erhöht werden. Der Rat sprach sich am Montag mit 53 Ja- zu 4 Nein-Stimmen bei 3 Enthaltungen für die Teilrevision der Anstellungsverordnung Volksschule aus. Dennoch war das Geschäft nicht so klar, wie das Endergebnis vermuten lässt. Die SVP-Fraktion hatte einen Rückweisungsantrag gestellt, diesen aber kurzfristig wieder zurückgezogen und stattdessen für ein Nicht-Eintreten auf die Vorlage plädiert – allerdings scheiterte sie mit dem Antrag.

Anstoss für die Teilrevision sind unter anderem die seit 2017 kontinuierlich steigenden Schülerzahlen in Ausserrhoden. Bis 2024 wird eine jährliche Zunahme von rund 80 Kindern und Jugendlichen prognostiziert. Zusätzlich nähern sich einige Lehrerinnen und Lehrer dem Pensionsalter. Für die nächsten Jahre zeichnet sich ein Lehrpersonenmangel ab. Bereits heute beklagen einige Gemeinden Rekrutierungsprobleme.

Regierungsrat Alfred Stricker, Vorsteher des Departementes Bildung und Kultur.

Regierungsrat Alfred Stricker, Vorsteher des Departementes Bildung und Kultur.

Benjamin Manser

Mit der Erhöhung der Einstiegslöhne soll der Lehrerberuf in Ausserrhoden im Vergleich zu den Nachbarkantonen an Attraktivität gewinnen und die Rekrutierung von Fachpersonal dadurch vereinfacht werden. Im interkantonalen Vergleich hinkt Ausserrhoden hinterher. Auf Stufe Kindergarten/Primarschule liegt der Einstiegslohn heute mit 72'000 rund 10'000 Franken tiefer als im Kanton St.Gallen. Der Regierungsrat und Vorsteher des Departementes Bildung und Kultur, Alfred Stricker, sagte am Montag im Rat:

«Seit ein paar Jahren ist der Einstiegslohn im Zyklus eins und zwei in Appenzell Ausserrhoden schweizweit am tiefsten.»

Bei den weichen Faktoren – dazu zählen etwa die Klassengrösse, die Infrastruktur, zusätzliche schulische Fördermassnahmen oder auch die Möglichkeit zur Weiterbildung – sei Ausserrhoden hingegen gut aufgestellt.

Kantonsrat geht weniger weit als von Regierung gefordert

Kantonsrat Balz Ruprecht (Mitte-EVP-Fraktion/Herisau).

Kantonsrat Balz Ruprecht (Mitte-EVP-Fraktion/Herisau).

PD

Dies sah der Rat ähnlich. Er unterstrich die Notwendigkeit einer Anpassung. Für die Mitte-EVP-Fraktion ist es «richtig und wichtig», dass der Kanton auch bei den Löhnen ansetzt. «Insbesondere, weil die Löhne einfach vergleichbar sind», so Fraktionssprecher Balz Ruprecht (Herisau). Wie Hans Koller (FDP/Teufen) – selber Lehrer – im Namen seiner Fraktion ausführte, seien bei der Rekrutierung nebst den Rahmenbedingungen die guten Löhne ausschlaggebend. «Und gute Schulen setzen qualifiziertes Lehrpersonal voraus.»

Kantonsrat Hannes Friedli (SP/Heiden).

Kantonsrat Hannes Friedli (SP/Heiden).

PD

Die Fraktionssprecherin der Parteiunabhängigen, Susann Metzger (Heiden), machte darauf aufmerksam, dass Jung-Lehrpersonen meist örtlich unabhängiger und mobiler seien und dass der Einstiegslohn bei der Stellenwahl sehr massgebend sei. Die SP mit Sprecher Hannes Friedli (Heiden) sprach davon, dass die Regierung Weitblick beweise.

«Es ist vorbildlich, auf Veränderungen zu reagieren, wenn diese sich abzeichnen.»

Der Regierungsrat sah unter anderem vor, den Einstiegslohn für Lehrkräfte im Bereich Kindergarten und Primarstufe auf 81'500 Franken anzuheben. Der Rat ging allerdings nicht so weit. Er folgte stattdessen einem Einzelantrag von Patrick Kessler (FDP/Teufen), welcher für einen geringeren Anstieg bei den Einstiegslöhnen und eine Fokussierung auf die unteren Besoldungsstufen plädierte. Neu erhalten die Lehrpersonen auf Stufe Kindergarten/Primar 78'800 Franken.

Kantonsrat Patrick Kessler (FDP/Teufen) war mit seinem Einzelantrag erfolgreich.

Kantonsrat Patrick Kessler (FDP/Teufen) war mit seinem Einzelantrag erfolgreich.

PD

Der von Kessler eingereichte und schliesslich auch erfolgreiche Antrag führte aber zu intensiven Diskussionen. Kessler warnte davor, Strukturen festzulegen, die die Handlungsfreiheit einschränkten und später nochmals zu Diskussionen führen könnten und sprach damit einigen Kantonsrätinnen und Kantonsräten aus der Seele. Denn: Auch wenn die Notwendigkeit einer Anpassung grossmehrheitlich unbestritten war, sorgte der Zeitpunkt der Vorlage für Kritik. Vielmehr hätte sich der Rat eine Einbettung in die Totalrevision des Volksschulgesetzes gewünscht. Hans Koller sagte:

«Die Anstellungsverordnungen hätten ins Volksschulgesetz gehört.»

Regierungsrat Stricker und die Fraktionen mit Ausnahme der SVP waren sich – mit Verweis auf das Volksschulgesetz – einig: Es handelt sich bei der jetzigen Anpassung der Einstiegslöhne um ein dringliches Anliegen, das schnell und relativ einfach gelöst werden könne. Die Löhne der Lehrpersonen werden im Rahmen der Totalrevision des Volksschulgesetzes nochmals thematisiert. «Eine ganzheitliche Lösung wäre schön, aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich», sagte der Präsident der Kommission Bildung und Kultur, Lukas Scherer (Herisau).