Kantonsmittelpunkt: Mitten in einem Moorbiotop

Der zentralste Punkt im Toggenburg ist nicht klar bezeichnet. Dieser muss im Bereich Heiterswil (Gemeinde Wattwil) – Reitenberg (Gemeinde Neckertal) liegen, vielleicht ist es das Restaurant Churfirsten im Scherrer. Klar definiert ist hingegen der Mittelpunkt des Kantons St. Gallen.

Sabine Schmid
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Die grün-weisse Stange im Hochmoor bezeichnet die geographische Mitte des Kantons St. Gallen. (Bild: Sabine Schmid)

Die grün-weisse Stange im Hochmoor bezeichnet die geographische Mitte des Kantons St. Gallen. (Bild: Sabine Schmid)

Der zentralste Punkt im Toggenburg ist nicht klar bezeichnet. Dieser muss im Bereich Heiterswil (Gemeinde Wattwil) – Reitenberg (Gemeinde Neckertal) liegen, vielleicht ist es das Restaurant Churfirsten im Scherrer. Klar definiert ist hingegen der Mittelpunkt des Kantons St. Gallen. Dieser liegt im Toggenburg, genauer auf der Lütisalp. Fixiert und markiert wurde dieser Punkt vor 13 Jahren, aus Anlass des 200-Jahr-Jubiläums des Kantons St. Gallen.

Schlichte Stange

Wer sich nun ein pompöses Denkmal vorstellt, das diesen Punkt markiert, wird enttäuscht. Sehr schlicht ist die grün-weiss gestreifte Stange, die auf dem Mittelpunkt steht und sich gut in die Landschaft einbettet. Sie befindet sich im Moorbiotop Hinterschluchten, das von nationaler Bedeutung ist. Darum kann man nicht direkt auf den Kantonsmittelpunkt stehen. Auf der Infotafel, die etwas daneben auf festem Grund angebracht ist, wird ausführlich erklärt, wie der Mittelpunkt des Kantons St. Gallen berechnet wurde. Dabei hat man die Methode des Flächenschwerpunktes gewählt. Angenommen, man würde die Fläche des Kantons – beispielsweise verkleinert auf einer Sperrholzplatte – entlang seiner Grenzen aussägen. Und natürlich würde man dabei die Fläche der beiden Appenzell ebenfalls wegnehmen. So entstünde ein Modell in Form des Kantons St. Gallen. Wenn man nun diesen auf einen Stab legt und ausbalanciert, dann trifft der Stab genau auf den Punkt unterhalb des Lütispitzes, der nun als Kantonsmittelpunkt bekannt wurde.

Wendet man ebendiese Methode auf das Toggenburg an, kommt man auf den eingangs erwähnten Punkt. Allerdings sind da die Berge und Hügel nicht mit einbezogen.

Biologische Vielfalt

Den Mittelpunkt des Kantons St. Gallen kann man nur zu Fuss erreichen. Von der Lutertannen, die über die Schwägalpstrasse gut erreichbar ist, führt ein gut beschilderter Wanderweg in Richtung Risipass. Von diesem zweigt dann ein Weg ab, der zum Kantonsmittelpunkt führt. Rund drei Viertel Stunden sind für diese Wanderung zu rechnen. Diese lohnt sich alleweil, denn das Moorbiotop inmitten des Kantons St. Gallen bietet auch einiges fürs Auge. Der grösste Teil davon, ist der Informationstafel zu entnehmen, ist als Flachmoor ausgebildet. Darin eingeschlossen würden sich auch Stellen mit Hochmoorcharakter finden. Den jeweiligen Bodentypen entsprechend finden sich verschiedene Pflanzen beim Kantonsmittelpunkt. Im grössten Teil wächst der Moorenzian, der Schwalbenwurzenzian, die Davallsegge, das Studentenröschen oder der Teufelsabbiss. In den Teilen mit Hochmoorcharakter kann man Torfmoos, die Besenheide, die Rosmarinheide und Scheidiges Wollgras sehen. Das Flachmoorgebiet wird landwirtschaftlich genutzt als Streuwiese oder als feuchtes Weideland. Gerade jetzt zur Alpzeit ist darum auch Vieh beim Kantonsmittelpunkt anzutreffen.

Übrigens, es lohnt sich auch, auf den Bänkli neben der Infotafel zu sitzen und den Blick in die Landschaft schweifen zu lassen. Der Hinterfallenkopf, der Pfingstboden und der Kronberg präsentieren sich dem Wanderer. Und der Säntis zeigt sich in einer eher ungewohnten Perspektive.

Bild: Sabine Schmid

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