Kantonsgericht AR
Säugling wurde geschüttelt: Vater wegen lebensgefährlicher Verletzungen seines Sohnes vor Ausserrhoder Kantonsgericht

Einem 34-jährigen Mann aus Waldstatt wird vorgeworfen, seinen acht Wochen alten Sohn so stark geschüttelt zu haben, dass dieser lebensgefährlich verletzt wurde. Mitangeklagt sind auch die Mutter sowie die Ex-Frau. Die Staatsanwaltschaft stellt ihre Anträge zu den Sanktionen erst an der Hauptverhandlung.

Astrid Zysset
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Gemäss Anklageschrift wird davon ausgegangen, dass einige Folgen des Schüttelns sich erst zu einem späteren Zeitpunkt beim Kind offenbaren würden.

Gemäss Anklageschrift wird davon ausgegangen, dass einige Folgen des Schüttelns sich erst zu einem späteren Zeitpunkt beim Kind offenbaren würden.

Bild: Arne Dedert/dpa

Die Liste der zur Last gelegten Handlungen ist lang: Versuchte, vorsätzliche Tötung, schwere und einfache Körperverletzung, Gefährdung des Lebens, Drohung, Pornografie wie auch Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz stehen unter anderem darauf. Am Freitag und Dienstag muss sich ein 34-jähriger Mann aus Waldstatt vor dem Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden verantworten. Ein Vorwurf geht dabei besonders unter die Haut: Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, seinen acht Wochen alten Sohn so stark geschüttelt zu haben, dass dieser lebensgefährliche Verletzungen erlitt.

Ereignet hat sich dieser Vorfall gemäss Anklageschrift am 4. Juni 2018. Der Beschuldigte war damals alleine mit seinem Sohn. Durch das «massive Schütteln», wie die Anklage festhält, wurde der Kopf des Kleinkindes unkontrolliert vor- und zurückgeschlagen. Der Säugling erlitt Subduralblutungen, eine stirnseitige Quetschblutung sowie Zerreissungen der Hirnnervenfasern. Mediziner attestierten gemäss Anklage neurologische Frühfolgen bei dem Kind, die sich in epileptischen Krämpfen manifestierten, wie auch neurologische und psychische Spätfolgen, die sich erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen würden.

Frau und Ex-Frau sind mitangeklagt

Die Verhandlung erstreckt sich über zwei Tage. Der umfangreiche Prozess ist nebst den vielen Tatvorwürfen auch dem Umstand geschuldet, dass sich nebst dem Beschuldigten auch die Ehefrau sowie die Ex-Frau vor Gericht verantworten müssen. Der Ehefrau respektive der Mutter des Säuglings wird zur Last gelegt, dass sie das gemeinsame Kind der Obhut des Vaters überliess, obwohl sie gewusst habe, dass er zu Gewaltausbrüchen neigt. Die Ex-Frau ist wegen einfacher Körperverletzung wie auch Tätlichkeiten angeklagt. Gemäss Anklage hat sie ihren damaligen Mann im Rahmen von Auseinandersetzungen, bei welcher er sie geschlagen hat, gekratzt. Dafür verlangt der Beschuldigte nun eine Bestrafung.

Nachbarn ins Gesicht geschlagen

Der Vorwurf der Gewalt steht auch im Raum bezüglich des Kleinkindes: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 34-Jährige seinen Sohn mehrfach geschlagen und gestossen habe. Auch wegen Schlägen und Drohungen gegenüber seiner Ex-Frau muss sich der Beschuldigte verantworten. Weiter hat er gemäss Anklage im Zuge einer Auseinandersetzung mit seinem Nachbarn diesen mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen, Kokain, Haschisch sowie verbotenes, pornografisches Material konsumiert.

Die Staatsanwaltschaft stellt ihre Anträge zu den Sanktionen erst anlässlich der Hauptverhandlung. Was aber bereits klar ist: Der Beschuldigte befand sich zu den Tatzeiten auf Bewährung. Das Gericht muss deshalb noch über den Widerruf einer Geldstrafe von Ende 2018 entscheiden.

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