Kantonaler Religionsunterricht?

URNÄSCH. Die Präsidien der Evangelischen Kirchgemeinden beider Appenzell möchten die Anstellung der Fachlehrpersonen Religionsunterricht durch die Landeskirche geprüft haben. Kleine Kirchgemeinden haben Mühe, Religionslehrer zu finden.

Marcel Steiner
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In den meisten Appenzeller Kirchgemeinden wird der Religionsunterricht ökumenisch durchgeführt. (Bild: apz)

In den meisten Appenzeller Kirchgemeinden wird der Religionsunterricht ökumenisch durchgeführt. (Bild: apz)

An der Sommersitzung der Präsidien der Evangelischen Kirchgemeinden beider Appenzell wurde die Frage diskutiert, ob es sinnvoll wäre, wenn die Fachlehrpersonen Religionsunterricht durch die Landeskirche angestellt würden.

Heute wird der Religionsunterricht in den meisten Appenzeller Kirchgemeinden ökumenisch durchgeführt und reformierterseits werden die Religionslehrerinnen und Religionslehrer von den einzelnen Kirchgemeinden in einem Teilzeitpensum angestellt. Aufgeworfen wurde die Frage von Urs Hugener, Präsident der Kirchgemeinde Stein. Er stellte fest, dass es gerade für eine kleine Kirchgemeinde zunehmend schwieriger werde, eine Fachlehrperson Religionsunterricht zu finden. Und wenn es einer Kirchgemeinde geglückt sei, eine Religionslehrerin anzustellen, dann sei die Koordination der Arbeitseinsätze für das für den Religionsunterricht zuständige Kivo-Mitglied sehr aufwendig, da die Lehrperson meistens in weiteren kleinen Teilpensen noch in anderen Kirchgemeinden tätig sei. Deshalb stellte Hugener den Antrag, die Präsidienkonferenz solle den Kirchenrat bitten, zu prüfen, ob die Landeskirche die Lehrpersonen anstellen und deren Einsätze koordinieren könne. Der Antrag wurde von einer Mehrheit der Präsidien unterstützt.

Konfirmandenprojekt

Marco Knechtle, Kirchenpräsident von Bühler, stellte das Konfirmandenprojekt Bühler-Gais-Appenzell vor. Seit drei Jahren gibt es in diesen drei Kirchgemeinden für die Konfirmanden ein gemeindeübergreifendes Angebot. Den Jugendlichen werden zwölf Projekte angeboten, von denen sie drei auswählen müssen. Die Themenvielfalt ist gross und reicht von «Zauber Weihnachten» über «Vandalismus» bis zu «Liebe, Sex und Partnerschaft». Auf diese Projektphase folgt der eigentliche Konfirmandenunterricht, der individuell in den drei Gemeinden durchgeführt wird. Wie Knechtle ausführte, sei es das Ziel des Konfirmandenprojekts, einzelne der Jugendlichen für eine Art Leiterkurs zu gewinnen und so über die Konfirmation hinaus ins kirchliche Leben miteinzubeziehen. Er räumte allerdings ein, dass dieses Ziel noch nicht erreicht sei. Doch die Verantwortlichen seien guten Mutes und die Rückmeldungen der Konfirmandinnen und Konfirmanden seien durchaus positiv. Uschi Hofmänner, Kirchenpräsidentin von Herisau, berichtete von den Erfahrungen der Kirchgemeinde Herisau mit neuen Kirchgemeindestrukturen. Vor einem Jahr ging die grösste Kirchgemeinde im Kanton mit neuen Strukturen an den Start. Dabei wurden die administrativen Aufgaben wie Personalführung, Finanzen oder Liegenschaften von den herkömmlichen Ressorts getrennt und in eine Art Geschäftsleitung eingebracht. Die herkömmlichen Ressorts wurden reorganisiert und umbenannt. Sie heissen nun «Generationenübergreifende Angebote», «Kind und Familie», «Jugendliche», «Erwachsene» und als wichtigste Neuerung gibt es ein Ressort «Neue Ideen/Projekte». Nach einem Jahr zog Uschi Hofmänner eine positive Bilanz. In den Ressorts werde nun mehr Verantwortung wahrgenommen. Das neue Ressort «Neue Ideen/Projekte» stosse auf grosses Interesse. Dabei zeige sich, dass es einfacher sei, Kirchenmitglieder für einen temporären Einsatz für ein inhaltlich und zeitlich klar definiertes Projekt zu gewinnen, als beispielsweise für die längerfristige Mitarbeit in der Kirchenvorsteherschaft.

Neu-altes Vorstandsmitglied

Regula Schibli, Reute, hatte aus persönlichen Gründen nach nur einem Jahr ihren Rücktritt aus dem Vorstand der Präsidienkonferenz erklärt. Zu Nachfolgerin wurde ihre Vorgängerin Yvonne Angehrn, Teufen, gewählt, die von Präsident Christian Vetterli, Schönengrund, für ein erneutes Engagement im Vorstand gewonnen werden konnte. Die Präsidienkonferenz besteht seit vier Jahren und ist das Netzwerk der evangelischen Kirchgemeinde-Präsidien. Die Konferenz ist kein kirchliches Beschlussgremium, sondern dient in erster Linie dem Informations- und Erfahrungsaustausch.