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Verrückte Situation am Kapitalmarkt: Ausserrhoden macht 70 Millionen Franken Schulden mit null Prozent Zins

Erstmals hat Appenzell Ausserrhoden eine Nullzinsanleihe herausgegeben und profitiert von den Wirren am Finanzmarkt. Das Ganze hat allerdings eine Kehrseite.
Jesko Calderara
Appenzell Ausserrhoden kann sich nicht nur günstig finanzieren, sondern muss auch Negativzinsen bezahlen.Bild: Christian Beutler/Keystone

Appenzell Ausserrhoden kann sich nicht nur günstig finanzieren, sondern muss auch Negativzinsen bezahlen.Bild: Christian Beutler/Keystone

Es klingt wie im Schlaraffenland: Schuldenmachen ohne dafür Zinsen zu bezahlen. Für den Kanton Appenzell Ausserrhoden ist dies zur Realität geworden. Er konnte im Juli eine Anleihe in Höhe von 70 Millionen Franken mit einer Laufzeit von zehn Jahren platzieren, und bezahlt dafür keinen Zins. Solche Konditionen sind in der Geschichte der Kantonsfinanzen ein Novum. «Meines Wissens hat Ausserrhoden diese Finanzierungsart früher nie genutzt», sagt Bruno Mayer, Leiter Amt für Finanzen. Gänzlich gratis ist die Anleihe aber dennoch nicht. Während die Investoren sogar leicht drauflegen, erhält zumindest die Emissionsbank etwas. Ihre Kommission (inklusive Gebühren und Spesen) beläuft sich auf 0,02 Prozent.

Mit dem Kapital werden künftige Investitionen finanziert und eine auslaufende, fünfjährige Anleihe abgelöst. Diese hatte noch ein Coupon von 0,25 Prozent. Bei den aktuellen Negativzinsen wäre ein solches kurzfristiges Wertpapier heute gar im Minusbereich, sagt Mayer. Sprich: Der Kanton würde sich verschulden und erst noch Geld kassieren. Um die aktuell vorteilhaften Marktzinsen langfristig zu sichern, hat man sich gemäss Mayer jedoch für eine lange Laufzeit entschieden.

Negativzinsen stellen Investoren vor ein Dilemma

Die Nullzinsanleihe wurde vollständig gezeichnet. Der Ausgabepreis lag leicht über 100 Prozent, sodass die Käufer letztlich eine leicht negative Rendite haben werden. Zu ihnen gehören vor allem institutionelle Investoren aus der Schweiz. Ein Grund, warum diese trotz fehlendem Zins in solche Wertpapiere investieren, ist der Anlagedruck der Anlagefonds und Pensionskassen. Die Gelder der Versicherten müssen angelegt werden, selbst wenn alternative Anlagemöglichkeiten rar oder wie bei Immobilien bis zur gesetzlich erlaubten Limite bereits ausgeschöpft sind. Ein weiteres Problem stellen die Negativzinsen dar. Vor diesem Hintergrund sind null Prozent Zinsen vergleichsweise attraktiv. Es gebe aber auch Investoren, die aus Angst vor einer Finanz- und Wirtschaftskrise Sicherheit suchten, sagt Mayer. Diese kann die öffentliche Hand als Schuldnerin mit einer erstklassigen Bonität bieten.

Das aktuelle Tiefzinsumfeld hat für Ausserrhoden allerdings nicht nur Vorteile. So musste der Kanton im vergangenen Jahr rund 130000 Franken Negativzinsen bezahlen. Diese fallen bei der Anlage von überschüssiger Liquidität an, wenn etwa viele Bürger ihre Steuern früh bezahlen. Die Negativzinsen betragen 0,75 Prozent.

Keine Änderungen an der Investitionspolitik

Auf den ersten Blick sind tiefe Zinsen ein Anreiz, um mehr zu investieren. Auch in der Politik kommen solche Forderungen immer wieder auf. Dies zeigt etwa die Gemeindefinanzstatistik 2017. Demnach weisen mehr als die Hälfte aller Ausserrhoder Gemeinde eine schwache Investitionstätigkeit auf. Der Kanton will seine Investitionspolitik trotz des billigen Geldes aber nicht ändern. «Das wäre ein kurzfristiges Denken», sagt Mayer. Ein wichtiges Ziel der kantonalen Finanzpolitik ist, die Verschuldung tief zu halten. Auch das Finanzhaushaltsgesetz macht Vorgaben dazu. Mayer erwähnt noch einen anderen Aspekt. Schulden anzuhäufen, nur weil die Zinsen auf einem Rekordtief liegen, wären seiner Ansicht nach gefährlich. Die Folgekosten seien bedeutender als die reinen Kapitalkosten, betont er. So müssen Investitionen abgeschrieben werden, was die laufende Rechnung belastet.

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