«Kanti-Standort unbestritten»

Die FDP tritt bei den Regierungsratswahlen am 28. Februar mit Martin Klöti (bisher) und Marc Mächler (neu) an. Ihre Wahltournée führte die beiden Kandidaten kürzlich auf die Redaktion des Toggenburger Tagblatts.

Serge Hediger
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Regierungsratskandidat Marc Mächler und Regierungsrat Martin Klöti (beide FDP) zu Besuch beim Toggenburger Tagblatt. (Bild: Serge Hediger)

Regierungsratskandidat Marc Mächler und Regierungsrat Martin Klöti (beide FDP) zu Besuch beim Toggenburger Tagblatt. (Bild: Serge Hediger)

WATTWIL. Die Begegnung war freundlich, der Umgang professionell, das Gespräch sachlich und anregend. Innenminister Martin Klöti und der Zuzwiler Kantonsrat Marc Mächler nahmen vergangenen Freitag im Sitzungszimmer des Toggenburger Tagblatts in Wattwil Stellung zu den wichtigsten Themenkreisen, die im Toggenburg die vergangenen Politjahre geprägt hatten.

Wie stehen die Chancen, dass das Klanghaus auch tatsächlich gebaut wird?

Martin Klöti: Die Chancen, dass die Stimmbevölkerung dem Klanghaus zustimmt, sind sehr gross. Die Solidarität mit der Region Toggenburg sowie unsere Vision «Vielfalt als Stärke und nicht als Hypothek» werden an der Urne zum Tragen kommen. Wenn ein Klanghaus gebaut wird, dann im Toggenburg, dann am Schwendisee. Ich bin durch und durch zuversichtlich.

Wo ist die Diskussion um die Kantonsschule Wattwil stehengeblieben? Eben erst wurden aus dem Linthgebiet erneut Stimmen laut, diesmal für eine Dependance in Rapperswil.

Klöti: «Zum Standort Wattwil sind keine Fragen offen. Die Regierung hat sich klar für Wattwil entschieden, wo mit dem geplanten Campus fabelhafte Synergien geschaffen werden können – auch wenn nun in Rapperswil progymnasiale Klassen im Gespräch sind. Zum Standort Wattwil mache ich mir keine Sorgen, zumal ein Verkauf des abgeschriebenen Gebäudes – nach einem Rückbau des denkmalpflegerisch verzichtbaren Anbaus – dem Kanton auch zu Einnahmen verhelfen wird.

Marc Mächler: Die Kantonsschule Wattwil ist eine für das Toggenburg wichtige Bildungsinstitution. Auch das Linthgebiet verfügt mit der Fachhochschule für Technik Rapperswil über eine solche wichtige Bildungsinstitution. Wir glauben an den Föderalismus im Kanton und das Bedürfnis seiner Regionen nach adäquaten Institutionen für Bildung, Gesundheit und Kultur. Denken wir auch an die Spitäler.

Stichwort Wirtschaftsförderung – wie sieht die Entwicklung der letzten Jahre im Toggenburg aus Ihrer Sicht aus? Wo sehen Sie in der Region Entwicklungspotenzial?

Mächler: Voraussetzung für den Erfolg wirtschaftsfördernder Massnahmen ist auch die Anbindung an den Verkehr.

Mit den Umfahrungen Bütschwil und dereinst Wattwil ist diese gewährleistet. Was mich indessen erstaunt, ist: Bislang ist im Toggenburg nie die Forderung nach einer direkten S-Bahn durch den Ricken nach Zürich Hauptbahnhof aufgekommen, nach einem RegioExpress-Zug «Toggenburger Sprinter» sozusagen.

Klöti: Darin liegen wohl Chancen, aber auch Gefahren. Wirtschaftsförderung muss Förderung aller Strukturen heissen – Wohnen UND Arbeiten. Ich bin überzeugt, dass die grosse Zeit des Toggenburgs noch kommt. Hier finden Familien, die aus der Stadt kommen, überschaubare Verhältnisse mit bezahlbarem Wohnraum, mit Bezug zur Natur, mit Lehrstellen für ihre jugendlichen Kinder in Toggenburger Traditionsfirmen, die seit jeher verlässlich sind. In einer globalen und erschütterungsgefährdeten Welt bietet das Toggenburg Perspektiven. Hier ist Entwicklung möglich.

Mächler: Der Zuzug aus dem Raum Zürich wird zunehmen. Bauland ist hier zum einen günstig, zum anderen überhaupt auch vorhanden. Diese Trümpfe werden stechen.

Klöti: Es gibt ja nicht nur das Toggenburg des stolzen Brauchtums oder des Volkstümlichen. Es existiert auch das Toggenburg der selbstbewussten Unternehmen. Ein Toggenburg, in dem gute Ideen wirtschaftliche Chancen haben: Ein Beispiel dafür ist die Sensorentechnologiefirma IST in Ebnat-Kappel. Das Toggenburg ist durch und durch eine Unternehmerregion.

Im vergangenen Jahr musste die St. Galler Regierung im Tarifstreit der Wildhauser Bergbahnen zwischen den Parteien vermitteln. Was ist für eine dauerhafte Lösung nötig?

Martin Klöti: Der Staat hat Unternehmen und ihre Bedürfnisse zu respektieren und soll nicht überall eingreifen. Im Falle von Wildhaus müssen beide Parteien einsehen, dass eine Einigung notwendig ist. Doch dürfen wir nicht ausser acht lassen, dass die neue Bergstation auf dem Chäserrugg in der Schweiz bereits heute schon zu einer neuen, anderen Wahrnehmung des Toggenburgs geführt hat.

Mächler: Die Positionen der beiden Bergbahnen sind unternehmerisch nachvollziehbar, doch leisten sich die beiden Unternehmen mit diesem Tarifstreit in der Öffentlichkeit einen Bärendienst.

Die Kantonsschule Wattwil ist eine für das Toggenburg wichtige Bildungsinstitution. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Kantonsschule Wattwil ist eine für das Toggenburg wichtige Bildungsinstitution. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die neue Bergstation auf dem Chäserrugg hat bereits zu einer anderen Wahrnehmung des Toggenburgs geführt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die neue Bergstation auf dem Chäserrugg hat bereits zu einer anderen Wahrnehmung des Toggenburgs geführt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Bau der Umfahrung Bütschwil gewährleistet die zügige Anbindung an den Verkehr. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Bau der Umfahrung Bütschwil gewährleistet die zügige Anbindung an den Verkehr. (Bild: Martin Knoepfel)

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