Kampfwahl um Gemeindepräsidium in Lutzenberg: Warum sich Maria Heine Zellweger eine Kandidatur genau überlegen musste

Maria Heine Zellweger will Gemeindepräsidentin von Lutzenberg werden. Der Entscheid musste aber erst reifen.

David Scarano
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Maria Heine Zellweger ist seit 2015 Gemeinderätin.

Maria Heine Zellweger ist seit 2015 Gemeinderätin.

Bild: David Scarano

Er ist einer von Maria Heine Zellwegers Lieblingsplätzen – und das verwundert nicht. Die Bezeichnung Seesicht ist für einmal fast untertrieben. Vom Sitzplatz ihres Hauses hoch oben in Wienacht reicht der Rundblick an klaren Tagen weit über den Bodensee bis an den Rand der Schwäbischen Alb.

Privilegierte Wienächtler: Der herrliche Blick über den Bodensee

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Bidl: Michel Canonica

Als sie sich im vergangenen Herbst mit der Frage auseinandersetzte, ob sie für die Nachfolge von Werner Meier als Lutzenberger Gemeindepräsidentin kandidieren wolle, fehlte eine solche Sicht für das grosse Ganze aber zunächst. In einem ersten Moment winkte die 58-jährigen Politikerin denn auch ab. Zu sehr haftete ihr Blick an den für sie negativen Aspekten.

Sie will Ressort Soziales behalten

Das Ressort Finanzen liegt in Lutzenberg in den Händen des Gemeindepräsidenten. Heine Zellweger, die seit 2015 Gemeinderätin ist, befürchtete, dass sie deswegen ihr aktuelles Ressort Soziales aufgeben müsste. Das wollte sie aber nicht. Denn wichtige Entscheide und Projekte stehen an. Die Zukunft des Seniorenwohnheims Brenden muss geklärt werden. Die Betriebsbewilligung läuft 2025 aus. «Ein für die Gemeinde interessantes Projekt ist aufgegleist und befindet sich aktuell in der Phase der Machbarkeitsprüfung», sagt sie.

Erst nach gründlicher Überlegung entschied sich Heine Zellweger schliesslich für eine Kandidatur. Auch hatten Abklärungen ergeben, dass sie als Gemeindepräsidentin nicht ihr Ressort abgeben müsste. Über ihre Motivation sagt sie:

«In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder Führungsaufgaben übernommen. Ich wurde auch von verschiedener Seite regelmässig darauf angesprochen, ob ich mich nicht zur Verfügung stellen wolle.»

Maria Heine Zellweger ist nicht die einzige Person, die sich um das Gemeindepräsidentenamt in Lutzenberg bewirbt. Mit Martin Meier und Andreas Tonner bekommt sie es beim Urnengang am 15. März mit zwei Konkurrenten zu tun.

Diese für Ausserrhoder Verhältnisse üppige Auswahl kam auch für sie überraschend, sie begrüsst sie aber. «Einerseits haben die Lutzenberger eine echte Wahl. Andererseits ist die Legitimation für diese anspruchsvolle Aufgabe höher», sagt Heine Zellweger.

Auch bei einer Niederlage bleibt sie im Gemeinderat

Trotz dieser Konkurrenz rechnet sie sich Chancen für das Amt aus. Sie sei gut aufgestellt, sagt sie. Sie spricht damit ihre Erfahrung als Gemeinderätin an. Sie meint damit aber auch, dass sie beide Gemeindeteile verbinden könne. Man kenne sie in Wienacht und in Lutzenberg, wo ihre Familie lebt.

Aber was passiert, wenn sie die Wahl nicht gewinnt? Könnte sie als Unterlegene unter dem neuen Gemeindepräsidenten dienen? Auf diese Fragen antwortet sie mit einem klaren Ja. «Es gehört zu meinen Stärken, dass ich sachbezogen diskutiere und politisiere.»

«Lutzenberg darf keine Schlafgemeinde werden»

Als Gemeindepräsidentin würde sie Lutzenberg als Wohngemeinde stärken wollen. Allerdings dürfe man nicht eine Schlafgemeinde werden, betont die 58-Jährige. Deshalb will sie dem Gewerbe und Handwerk Sorge tragen. So sollen der aktuelle Steuerfuss und die komfortable finanzielle Situation trotz anstehender Investitionen erhalten bleiben.

Als grosse Herausforderung nennt sie die Anbindung der verschiedenen Gemeindegebiete an den öffentlichen Verkehr. Die Aufgabe wird nicht leichter. Die an Weilern ohnehin nicht arme Gemeinde erhält mit der grossen Überbauung im Tann bald einen weiteren Ortsteil.

Und dann gibt es natürlich das heiss diskutierte Thema Landegg. Das Asylzentrum soll trotz Veto der Gemeinde Lutzenberg weitergeführt werden. Heine Zellweger spricht von Wortbruch:

«So macht sich die Politik unglaubwürdig. Die Bürger fühlen sich zu Recht betrogen.»

Sie kritisiert zudem, dass die Unterbringung der unbegleiteten, minderjährigen Asylsuchenden in der Landegg vom Standort her nicht überzeuge. Das sei nicht die bestmögliche Lösung für die Jugendlichen, sagt sie. Die angestrebte Integration lasse sich an einem derart abgelegenen Standort kaum erreichen oder werde unnötig erschwert.

Seit 22 Jahren in Wienacht

An ihrem Dialekt erkennt man, dass Heine Zellweger ennet dem Bodensee aufgewachsen ist, in Amtzell im Landkreis Ravensburg. Sie lebt mittlerweile seit über 42 Jahren in der Schweiz, wo sie sich nach der Ausbildung zur Pflegefachfrau Psychiatrie niederliess.

Der berufliche Werdegang führte sie später unter anderem nach Herisau ans Psychiatrische Zentrum PZA. Es folgten Stationen in der Alterspflege in St.Gallen, Thal und Widnau. Seit der Ausbildung zur Supervisorin und Coach arbeitet sie selbstständig. Gleichzeitig unterstützt sie das KMU ihres Mannes in Wienacht.

Im lieblichen Dörfchen lebt sie seit 22 Jahren. Heine Zellweger fotografiert leidenschaftlich gerne. Erholung findet sie in der Natur oder bei der Lektüre eines guten Buches. Und natürlich vor und in ihrem Haus mit dem herrlichen Blick über den Bodensee.