Kandidat auf letzten Drücker

Der Trogner Anwalt Tim Walker will einen der freiwerdenden Sitze im Ausserrhoder Obergericht. Seine Kandidatur reichte er in letzter Sekunde ein – nachdem sich keine Kandidatin fand.

Johannes Wey
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Der Anwalt Tim Walker ist der Ansicht, dass im Obergericht in erster Linie Juristen vertreten sein sollen. (Bild: jw)

Der Anwalt Tim Walker ist der Ansicht, dass im Obergericht in erster Linie Juristen vertreten sein sollen. (Bild: jw)

TROGEN. Tim Walker hat sich auf den letzten Drücker entschieden, ins Rennen um das Amt als Oberrichter einzusteigen. Zuvor hatte der 48-Jährige versucht, andere von einer Kandidatur zu überzeugen. «Ich war der Meinung, dass für die zurücktretenden Regula Eugster-Luder und Corinne Spiller wieder zwei Frauen nachrücken müssen.» Zusammen mit einem Bekannten fragte er deshalb auf eigene Faust fünf mögliche Kandidatinnen an, die aber allesamt abwinkten.

Bei den Grünen angesprochen

An einer Versammlung des Grünen Appenzellerlands fragte dann jemand an, ob der Trogner Anwalt Walker kandidieren wolle. Kurz darauf, am ersten Wochenende des neuen Jahres, fasste Walker den Entschluss; gerade noch rechtzeitig, um seinen Namen auf den offiziellen Wahlzettel der Kantonskanzlei drucken zu lassen.

Interesse an dem Amt hatte Tim Walker schon seit Jahren, die Gelegenheiten ergaben sich aber nie zum richtigen Zeitpunkt. «Ich kandidiere, weil mich Fragen der Gerechtigkeit interessieren. Das war schon als Kind so und der Grund, weshalb ich Anwalt geworden bin.» Dies und ein frühes politisches Interesse, wie Walker weiter ausführt, «denn Politik und Recht sind eng miteinander verbunden». So war Walker Gründungsmitglied beim Grünen Appenzellerland und während Jahren Mitglied bei der SP Ausserrhoden, mit der er auch heute noch sympathisiert. Deshalb hat ihm die SP an ihrer Delegiertenversammlung vom letzten Wochenende auch ihre Unterstützung ausgesprochen.

Den in Mohren bei Reute aufgewachsenen Walker zog es nach der Matura in die weite Welt hinaus. Während zweier Jahre reiste er durch Asien. «Ich habe dort alle Kulturen und Religionen kennengelernt und viel gesehen – auch viel Schlimmes.» Dies bestärkte ihn weiter in seiner Absicht, Anwalt zu werden. Deshalb zog er weg aus dem Appenzellerland, um an der Universität Zürich Jus zu studieren. Dort wurde er auch erstmals Vater, später kam ein zweites Kind dazu. Von seiner Frau ist er seit gut einem Jahr geschieden.

«Juristen ins Obergericht»

In seinem Beruf sieht er eine wichtige Qualifikation für das Amt des Oberrichters. «Ich bin der Meinung, dass dieses Gremium mit Juristen besetzt werden sollte. Schliesslich ist eine seiner wichtigsten Aufgaben die juristische Überprüfung von Kantonsgerichtsurteilen und Verwaltungsentscheiden.» Welcher der fünf Abteilungen Tim Walker bei einer Wahl ins Obergericht zugeteilt würde, spielt ihm keine grosse Rolle. «Am liebsten wäre mir allerdings eine der Abteilungen, die sich mit Verwaltungsrecht auseinandersetzen.» Dies würde am ehesten seinem Fachgebiet entsprechen; 64mal verhandelte Walker einen Fall vor Bundesgericht, 48 davon drehten sich um das Verwaltungsrecht.