Kampf um ein Naherholungsgebiet

Aus Angst vor dem drohenden Kulturlandverlust ist das Referendum gegen die Umzonung einer Grünfläche in die Industriezone im Underdorf ergriffen worden. Das letzte Wort zum Neubau des Unternehmens Alder + Eisenhut haben damit am 30. März die Ebnat-Kappler Stimmbürger.

Jesko Calderara
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EBNAT-KAPPEL. Rund 11 500 Quadratmeter Kulturland im Underdorf sind zurzeit Gegenstand einer politischen Auseinandersetzung in Ebnat-Kappel. Das Grundstück liegt heute in der Grün- und Landwirtschaftszone, soll aber nach dem Willen des Gemeinderats eine Industriezone werden. Um räumliche Engpässe zu beseitigen, möchte der Sportgerätehersteller Alder + Eisenhut auf der Parzelle ein Lager- und Produktionsgebäude realisieren. Dagegen hat der an der Speerstrasse wohnhafte Peter Scherrer das Referendum ergriffen. Insgesamt sind über 282 Ebnat-Kappler Unterschriften zusammengekommen. So liegt das letzte Wort zur Vorlage am 30. März bei den Stimmbürgern. «Ich bin in erster Linie gegen die geplante Schaffung eines Industriegebiets und nicht gegen das Projekt von Alder + Eisenhut», sagt Peter Scherrer. Es handle sich um ein ruhiges, ans Grün angrenzende Wohnquartier. Falls es im Underdorf jedoch wie geplant zu vermehrter Bautätigkeit kommt, würde dies die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Kulturland erhalten

Solche Argumente haben auch Einwohner, die zwar nicht unmittelbar betroffen sind, dazu bewogen, Unterschriften zu sammeln. Für den pensionierten Hausarzt Ueli Frey ist die betroffene Grünfläche das letzte, flache Naherholungsgebiet in Ebnat-Kappel. «Familien mit Kindern, Spaziergänger oder Rollstuhlfahrer schätzen den Platz gleichermassen.» Anstatt diesen aber für die Nachwelt zu erhalten, soll das Land wirtschaftlichen Interessen geopfert werden, bedauert Ueli Frey. «Aus meiner Sicht ist dies eine kurzfristige Optik.» Zumal die an der Thur gelegene Wiese auch aus Sicht des Ortsbildschutzes von grosser Bedeutung sei. «Der Fluss prägt die umliegende Landschaft stark, darauf muss Rücksicht genommen werden», sagt er. Es fehle zudem ein Gesamtkonzept für das sensible Gebiet. «Wird ein Teil der Fläche eingezont, sinkt die Hemmschwelle für nachfolgende Schritte.« Über ein solch wichtiges Geschäft sollte auf jeden Fall abgestimmt werden, sagt Ueli Frey.

Höher als angegeben?

Als Direktbetroffener ärgert sich Peter Scherrer noch über einen anderen Punkt. «Die Gemeinde hat vor noch nicht allzu langer Zeit in einem Schreiben an alle Hausbesitzer umfassende Einschränkungen erlassen.» Mit dem Verweis auf die Grundwasserschutzzone seien etwa die Sanierung und der Einbau von Ölheizungen untersagt worden. «Weil die Grundwasserschutzzone nun aber wieder aufgehoben wird, kann die Firma Alder + Eisenhut eine Industriehalle ohne Auflagen bauen.» Den Hauseigentümern drohe deshalb eine Wertverminderung ihrer Liegenschaften, sagt Peter Scherrer. Gemäss dem Richtplankonzept erfolgt die zukünftige Erschliessung des geplanten Industriegebiets über eine neue Sammelstrasse, welche entlang der Bahnstrasse führt und die Industrie- mit der Kapplerstrasse verbindet. Davon sei in der Öffentlichkeit bis jetzt aber kaum die Rede, bemängelt Peter Scherrer. «Die Strasse führt unweigerlich zu Mehrverkehr im Quartier.» Er kritisiert in diesem Zusammenhang die Informationspolitik des Bauherrn. «Zuerst war nur von einem Lagergebäude die Rede, nun soll auf einmal darin auch produziert werden.» Genauso hat er Zweifel an der angegebenen Dimension des Neubaus. «So, wie die Visiere ausgesteckt sind, beträgt die Höhe 8 Meter, 50 Zentimeter», sagt Peter Scherrer. In der Industriezone dürften Bauten bis 20 Meter hoch sein. Die Betroffenen seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Alternativen zum Projekt

Bereits bei früherer Gelegenheit hat sich Anton Gähwiler, welcher an der Speerstrasse ein Haus sein Eigen nennt, gegen die notwendige Umzonung ausgesprochen. Bei einem negativen Entscheid an der Urne erwartet er keine negativen Auswirkungen oder gar den Verlust von Arbeitsplätzen. «Niemand strebt den Wegzug des Unternehmens an. Wir glauben allerdings, dass dies nur eine leere Drohung ist.» Für Ebnat-Kappel wäre dieser Schritt kein Weltuntergang, da nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter in der Gemeinde wohnhaft sei, meint Anton Gähwiler. Seiner Ansicht nach müsste Robin T. Alder als Unternehmer mögliche Alternativen zur angestrebten Expansion prüfen. «So wäre auf dem bestehenden Areal ein Erweiterungsbau durchaus möglich.» Zudem hätte das Unternehmen längst ein zonenkonformes Grundstück kaufen können, sagt Anton Gähwiler. Die Initianten des Referendums könnten für dieses Versäumnis nicht verantwortlich gemacht werden.

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