Kammermusikalische Delikatessen

Das Amar Quartett und der Fagottist Sergio Azzolini sorgten in Herisau für einen begeisternden Start der Casino-Konzerte 2015/16. Zu hören bekam das Publikum vor allem kammermusikalische Werke von Beethoven, Mozart und Haydn.

Ferdinand Ortner
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HERISAU. Es war ein besonderes Fest für Kammermusikfreunde, als am Mittwoch im vollbesetzten Casino-Saal der Auftakt der traditionellen Konzertreihe erfolgte – exzellent gestaltet vom renommierten Schweizer Amar Quartett und dem aus Südtirol stammenden Solo-Fagottisten Sergio Azzolini. Aufgeführt wurden delikate Werke der klassischen Kammermusik. Das Künstlerensemble interpretierte sie so überzeugend, dass der berühmte Funke spontan auf das Publikum übersprang.

Hervorragende Interpreten

Beeindruckend, mit welch hoher Spielkultur und Klangsinnlichkeit, spieltechnischer Perfektion und musikalischer Ausstrahlung das Streichquartett und der Fagottist die anspruchsvollen Kompositionen präsentierten. Bemerkenswert das subtile Ausleuchten der facettenreichen Werke sowie der feine Vortragsstil.

Spielerische Leichtigkeit

Die Künstler vermittelten bei der musikalischen Artikulation, der Ausformung von Motiven und rhythmischen Elementen Gestaltungskraft, aber auch spielerische Leichtigkeit und Transparenz. Brillante solistische Akzente setzten besonders der Fagottist – der in das Klangbild auch neue Farben einbrachte – und die Violinisten Anna Brunner und Igor Keller – abwechselnd am 1. oder 2. Pult spielend.

Der Bratschist Hannes Bärtschi und der Cellist Christopher Jepson belebten und bereicherten vor allem das homogene Ensemblespiel.

Werke von Anton Reicha

Der Abend begann mit dem Beethoven-Streichquartett in F-Dur, op. 18 Nr. 1 – gefälliger höfischer Kammermusik, die über Haydn und Mozart hinausführt und durch ihre Ausdrucksvielfalt aufhorchen liess. Im ungemein konstruktiven Kopfsatz «Allegretto con brio» kam das dominierende Prinzip der motivischen Arbeit zu faszinierender Wirkung, während im expressiven «Adagio» die Ausdruckswelt von Schmerz und Leidenschaft die schmerzvolle Deklamatorik der Musik prägten. Nach dem behenden «Scherzo» versprühte das finale, kompositorisch exquisite Sonaten-Rondo mit Elementen des Spielerischen und Unterhaltsamen echte Spiellaune. Publikumshit war das Quintett für Fagott und Streichquartett in B-Dur des tschechischen Hofmusikers Anton Reicha (1770–1836) – eigens für das Konzert in Herisau einstudiert. Die frühromantische höfische Musik zeichnete sich durch eine ideenreich inspirierte Themen-fülle und die ebenso souveräne wie gefühlvolle Behandlung des Soloinstruments aus.

Der spielfreudige Solist zündete in den vier farbenreichen Sätzen mit perfekter Technik, wunderschöner Tongebung und hoher Musikalität ein virtuoses Feuerwerk, das spontanen Beifall auslöste. Glanzpunkte waren die atemberaubenden Läufe, die weit gespannten Kantilenen und froh bewegten Dialoge mit dem Begleitquartett. Auf den rasanten Kopfsatz folgten als Ohrenschmaus betörende Melodiebögen des ariosen «Lento», ein lieblich-neckisches «Menuett» und ein rauschendes Finale.

Abrupte Stimmungswechsel

Das Streichquartett in c-Moll, op. 51 Nr. 1 von Joh. Brahms (1833–1897), bildete den musikalisch hochkarätigen Konzertschluss. Sehr lebendig musiziert war das dramatisch zerklüftete «Allegro» – geprägt von abrupten Stimmungswechseln und kontrapunktischen Techniken. Die melancholische Romanze berührte durch Harmonie und Besinnlichkeit. Das nachdenkliche «Allegretto» – feinfühlig vorgetragen – vermittelte folkloristisch inspirierte Serenadenstimmung, während im kraftvollen Finale die Thematik des Kopfsatzes noch einmal intensiv erblühte und in stürmischen Beifall mündete.