Kalte Hotelbetten im Toggenburg

Weniger Touristen übernachteten im Jahr 2011 in den Destinationen des Kantons St. Gallen. Grund dafür ist die Aufwertung des Schweizer Frankens. Das Toggenburg ist besonders stark betroffen: Trotz Anstieg der Bettenzahl sinkt die Zahl der Logiernächte.

Katharina Rutz
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TOGGENBURG. Vor allem deutsche, amerikanische und britische Reisende reagieren jeweils auf eine Auf- oder Abwertung des Frankens und buchen vermehrt oder eben weniger in den St. Galler Feriendestinationen Heidiland, St. Gallen-Bodensee, Toggenburg und Zürichsee. Gemäss der Untersuchung der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen dauerte es sechs oder mehr Monate, bis die Gäste auf die Wechselkursänderungen reagierten. Auch Schweizer Gäste passten ihr Verhalten dem Wechselkurs an. In Phasen mit einem starken Franken übernachteten die Schweizer Gäste weniger im Inland, während bei einer Abschwächung des Frankens die Logiernächtezahlen zunahmen.

Neue Zielgruppen

Kein Zusammenhang mit dem Wechselkurs konnte bei österreichischen, italienischen und französischen Gästen festgestellt werden. Sogar steigende Logiernächtezahlen bei gleichzeitiger Euro- und Rubelabwertung verzeichneten die niederländischen und russischen Gäste. Offensichtlich gelang es einigen Betrieben, neue Zielgruppen in diesen Ländern zu erschliessen. Insgesamt lag die Zahl der Gästeankünfte und der Logiernächte 2011 im Kanton St. Gallen um zwei beziehungsweise drei Prozent unter den Vorjahreswerten. Dies entspricht ungefähr dem gesamtschweizerischen Trend. Damit konnte die St. Galler Hotellerie im Jahr 2011 die Aufwärtsentwicklung des Vorjahres nicht fortsetzen.

Neun Prozent weniger

Die Region Heidiland hatte einen Rückgang von drei Prozent (Ankünfte) beziehungsweise sechs Prozent (Logiernächte) zu verzeichnen während die Destination St. Gallen-Bodensee etwa auf Vorjahresniveau stagnierte. Einzig die Region Zürichsee weist ein Plus von jeweils fünf Prozent auf. Besonders vom Rückgang der Ankünfte und der Logiernächte betroffen hingegen ist das Toggenburg. Die Destination verzeichnete letztes Jahr vier Prozent weniger Ankünfte und neun Prozent weniger Logiernächte verglichen mit dem Jahr 2011.

Toggenburg stark betroffen

Dieser Abwärtstrend dauert schon seit Jahren an und konnte seit 1992 einzig in den Jahren 2007 und 2008 gebrochen werden. Im Jahr 2011 machte die Anzahl an Übernachtungen nur noch rund 60 Prozent des Wertes aus dem Jahr 1992 aus. Auch bei der Bettenauslastung muss das Toggenburg Abstriche hinnehmen. Gemäss Statistik sank die Bettenauslastung um mehr als drei Prozentpunkte auf tiefe 21 Prozent. Auch hier konnte der Abwärtstrend letztmals im Jahr 2008 gebrochen werden. In den letzten drei Jahren hat sich der Abstand zum kantonalen Durchschnittswert jedoch wieder stark vergrössert. Mit 67 verzeichnet die Destination auf der anderen Seite einen Zuwachs von zwei Betrieben im Vergleich zu 2010. Im kantonalen Durchschnitt sind die Betriebe allerdings die kleinsten. Seit 2003 stagniert die durchschnittliche Betriebsgrösse im Toggenburg bei einem Wert von um die 30 Betten.

Deutlich weniger Deutsche

71 Prozent der Übernachtungen entfielen im Toggenburg auf Schweizer Gäste. 18 Prozent der Gäste stammten aus Deutschland. In absoluten Zahlen verlor die Toggenburger Hotellerie im 2011 rund 2600 Übernachtungen von Schweizer Gästen und 10 000 Logiernächte von Deutschen Touristen verglichen mit dem Vorjahr. Auch in der Aufenthaltsdauer musste das Toggenburg einen leichten Rückgang in Kauf nehmen, während die übrigen St. Galler Destinationen davon verschont blieben. Im 2011 lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 2,3 Tagen. Der Wert hat sich damit erstmals dem kantonalen Durchschnitt angenähert. Bisher lag das Toggenburg hier immer über dem kantonalen Wert. Auch Susanne Walt, Gastgeberin des Hotels Hirschen in Wildhaus bemerkte den Rückgang an Logiernächten im letzten Jahr. «Während das Hotel in den Vorjahren jeweils eine Auslastung von 60 bis 65 Prozent verzeichnen konnte, ist dieser Wert im 2011 auf unter 60 Prozent zurückgefallen», sagt sie. Bei der Aufenthaltsdauer bemerkte sie entgegen dem gesamttoggenburger Wert keinen Rückgang.

Potenzial in Tschechien

Bei der Herkunft ihrer Gäste stellt Susanne Walt fest, dass im Seminarbereich auch im Hirschen die meisten Gäste von Schweizer Nationalität sind. «Bei den Individualtouristen eröffnen sich uns neue Märkte in Osteuropa», sagt sie und erwähnt dabei Tschechien und die Slowakei. «Diese Gäste kennen unsere Gegend noch nicht, es gibt aber bereits einen guten Mittelstand in diesen Ländern». Doch auch die Deutschen Gäste mag Susanne Walt noch nicht abschreiben. «Die Deutschen sind gute Gäste», sagt sie. «Wenn sich die wirtschaftliche Lage dort wieder erholt, werden diese Touristen auch wieder zu uns kommen». Und bis dahin gilt für das Hotel Hirschen ohnehin, innovativ zu bleiben. «Unsere Herausforderung ist es, den Gästen neben den Grundleistungen auch noch das Tüpfelchen auf dem i zu bieten».

www.statistik.sg.ch

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