«Kalönis», die Hasler Fuhrhalter

«Steebrechers-Badischtlis-Kalönis-Sebedönis-Bische-Buebe-Gabriel» wäre eigentlich der vollständige Spitzname von Gabriel Gmünder – viele nennen den selbständigen Autospengler aber einfach den «Kalönis-Gabriel».

Rosalie Manser-Brülisauer
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haslen. Gmünder ist ein typischer Hasler Nachname. Es verwundert deshalb auch nicht weiter, dass schon die Vorfahren von Gabriel Gmünder und seinen Geschwistern in Haslen ihre Wurzeln hatten. «Meinem vollständigen Spitznamen <Steebrechers-Badischtlis-Kalönis-Sebedönis-Bische-Buebe-Gabriel> nach zu urteilen, war unser Stammvater Steinbrecher. Weshalb davon aber nur <Kalöni> übrig blieb, weiss keiner von uns so genau», erzählt Gabriel Gmünder. Der Namensgeber, der «Kalöni» Karl Anton Gmünder, kam 1815 zur Welt.

Typisch für die «Kalönis» war die Fuhrhalterei, dies in verschiedenen Bereichen, sei es im Holz-, Mehl- oder im Warentransport. Gabriel Gmünders «Kalöni»-Stamm spezialisierte sich auf den Warentransport. Sein Grossvater Johann Baptist (Bisch) betrieb auf der Liegenschaft Neuhaus eine Fuhrhalterei, wie auch dessen Bruder August auf der Nachbarliegenschaft, der Vordergassweid in Haslen, dem heutigen Wohnhaus von Gabriel und Dorothe Gmünder. Beide Liegenschaften wurden Ende 19.

und Anfang 20. Jahrhundert auf dem Areal des ehemaligen Steinbruchs erstellt.

Über Mettlenbrücke verboten

Ursprünglich machten die «Kalöni» ihre diversen Transporte zu Fuss. Mit einer «Chrenze» auf dem Rücken transportierten sie Eier, Butter und anderes nach St. Gallen. Mit der Zeit modernisierte sich der Betrieb. Ein Bernhardiner Sennenhund wurde vor einen Leiterwagen gespannt, was die Transporte deutlich erleichterte. Später übernahm ein Pferd die Zugaufgabe.

Mitte der 1920er-Jahre schaffte sich August dann den ersten Lastwagen an. Ein altes Dokument zeigt, dass ihm 1925 von der Innerrhoder Regierung die Bewilligung nicht gewährt wurde, mit seinem 1-Tonnen-Fahrzeug in Appenzell die Mettlenbrücke zu passieren. Aus dieser Zeit kennt man noch einen weiteren Spitznamen dieses «Kalöni»-Stamms: «Bot Gmönder» (der Bote Gmünder), wie auch das Schild auf dem ersten Lastwagen (s. Foto) zeigt. Dieser Spitzname ist aber nicht mehr geläufig.

Erstaunlich ist: Egal, wie weit man in der Familiengeschichte der «Kalöni» zurückblättert: Landwirte gab und gibt es keine, obwohl im ländlichen Haslen ihre Wurzeln liegen.

Vom Pferdestall zur Spenglerei

Als der kinderlose August 1946 im Alter von 63 Jahren starb, übernahm Gabriels Vater Bisch die Fuhrhalterei von seinem Vetter. Da der Lastwagen im Anbau der Vordergassweid zu wenig Platz hatte, wurde kontinuierlich ausgebaut. 1983 übernahm Gabriels älterer Bruder Markus das Transportunternehmen.

Die Liegenschaft konnte aber den immer grösser werdenden Lastwagen nicht mehr gerecht werden, worauf Markus unmittelbar neben der Stammliegenschaft ein Zweifamilienhaus mit zeitgemässer Lastwagengarage baute.

Gabriel Gmünder übernahm das Elternhaus. Der Anbau wurde abgerissen, und die heutige Autospenglerei und -lackiererei entstand. «Für mich war es sehr schön, dass ich die Möglichkeit hatte, mich in unserem Elternhaus selbständig zu machen», so der 50-Jährige.

Heute beschäftigen er und seine Frau Dorothe, freischaffende Physiotherapeutin und für die Büroarbeiten der Spenglerei verantwortlich, zwei Vollzeitangestellte, zwei Lehrlinge und eine Teilzeitmitarbeiterin.

«Kalönis» Familiensinn

Alle paar Jahre veranstalten die «Kalönis» ein Cousinen- und Cousintreffen. «Damit haben wir Anfang der 80er-Jahre begonnen. Diese Treffen fanden bisher in Haslen oder St. Gallen statt, wo ein grosser Teil unserer Verwandtschaft lebt.

Beim letzten Treffen waren wir rund 170 Personen und feierten in der Mehrzweckhalle in Haslen.»

Gabriel Gmünders Mutter, Geschwister, Kinder und Enkel mit Partner treffen sich auch jedes Jahr zu einer Weihnachtsfeier. Dabei lässt es sich die 85jährige Mutter Marie Gmünder bis heute nicht nehmen, allen – mittlerweile sind es insgesamt 44 Personen – ein Päckchen zu machen.

«Wir Kinder bekommen von ihr jedes Jahr den Appenzeller Kalender und die Enkel, Urgrosskinder und Partner Minörli und einen Batzen geschenkt», so Gabriel Gmünder.

Die «Kalönis» feiern aber nicht nur unter sich, sie engagieren sich auch im Hasler Vereinsleben. «Bereits unser Vater, der vor zwölf Jahren verstarb, war Mitglied in der Musikgesellschaft Haslen, und wir drei Buben taten es ihm gleich. Mittlerweile gehören bereits Kinder von uns zur Musikgesellschaft.

» Viele «Kalöni» fühlen sich mit dem Dorf verbunden. Drei von Gabriels Geschwister haben ebenfalls in Haslen eine Familie gegründet, eine weitere Schwester lebt in Weissbad. «Nur Maria, die Älteste, hat es in den Thurgau verschlagen, aber auch sie ist oft in Innerrhoden anzutreffen», erzählt der «Steebrechers-Badischtlis-Kalönis-Sebedönis-Bische-Buebe-Gabriel».