Kalbfleisch aus Mutterkuhhaltung

Fabian und Sonja Gemperli aus Nassen laden am 1. August zum Brunch ein. Es ist das erste Mal, dass sie bei diesem Projekt mitmachen. Ansonsten steht bei ihnen auf dem Hof die Produktion von Kalbfleisch mit dem Markenprogramm «Natura-Veal» im Zentrum.

Cecilia Hess-Lombriser
Drucken
Teilen
Sonja und Fabian Gemperli mit ihren Kindern Mirco, Larina und Ivan sowie mit Hund und Katze. (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Sonja und Fabian Gemperli mit ihren Kindern Mirco, Larina und Ivan sowie mit Hund und Katze. (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

NASSEN. Die ganze Familie Gemperli-Brühwiler fährt auf den Hof Tubbach ein, der hinter dem kleinen Weiler Gonzenwil steht, der zu Nassen gehört. Tubbach ist der Hauptbetrieb der Familie Gemperli, wo der Laufstall für die 18 Mutterkühe und die durchschnittlich 18 Kälber steht. Fabian Gemperli hat den elterlichen Hof vor acht Jahren übernommen. Mit seiner Familie wohnt er jedoch etwas weiter hinten im Drüegg. Dort sind die zehn Aufzuchtrinder untergebracht.

Neues Leben auf Hof

Zur jungen Familie Gemperli gehören Mirco – «nicht mehr lange fünf Jahre alt» – Larina, 4 und Ivan, 2. Dort, wo die Familie wohnt, hört die Fahrstrasse auf. Einzig der Wanderweg zwischen Nassen und Moosbad führt daran vorbei. «Ich musste mich zuerst daran gewöhnen, keine direkten Nachbarn zu haben», verrät Sonja Gemperli, die in Oberbüren aufgewachsen ist, und nicht gewusst hatte, wo Nassen liegt, als sie Fabian Gemperli kennenlernte. Als Hebamme hatte sie täglich intensive Kontakte. «Jetzt habe ich mich eingelebt, und wir haben durchaus auch Kontakt zu anderen Personen.» Weil sie drei Pensionspferde haben, deren Besitzer zum Reiten kommen, weil die Eltern noch auf dem Hof wohnen und weil die Geschwister der beiden häufig zu Besuch kommen.

Fabian Gemperli holt zur Znüni-Zeit die Mutterkühe mit ihren Kälbern von der Weide. An heissen Tagen halten sie sich hauptsächlich im Laufstall auf. Der Bauer war mit seinem Betrieb ab 2007 einer der Projektbetriebe des noch jungen Markenprogramms «Natura-Veal». Die Erfahrungen haben ihn ermutigt, dabei zu bleiben. «Wir möchten die Produktion sogar ausbauen und dafür die Anzahl der Aufzuchtrinder reduzieren», bestätigt Fabian Gemperli den Erfolg des feinfaserigen Kalbfleisches aus Mutterkuhhaltung von den Fleischrassen wie die Originalbraunen. Bei dieser Tierhaltung wächst das Kalb bei der Mutter auf und bewegt sich sowohl im Laufstall mit viel Frischluftzufuhr als auch auf der Weide. Das Kalb trinkt Muttermilch und ernährt sich sonst von Gras und Heu wie die restliche Herde. Ausbauen möchte Fabian Gemperli auch die Direktvermarktung. «Bis jetzt schlachten wir drei bis fünf Kälber im Jahr für uns und unsere Verwandten und Bekannten, doch wir möchten vermehrt Kunden direkt mit Mischpaketen beliefern. Das «Natura-Veal» ist erst in vereinzelten Coop-Supermärkten zu finden.

Tiergesundheit im Zentrum

Wie sich herausstellt, verlangt die Mutterkuhhaltung mit Ammenkühen viel Geduld und Ausdauer. «Man muss dafür geboren sein», bestätigt Fabian Gemperli. Wenn seine Kühe genug Milch für zwei Kälber haben oder eine abgesetzte Mutter noch genügend Milch hat, kauft er Kälber dazu und muss diese an die Amme gewöhnen. Dafür stellt er seine Finger zur Verfügung. Das Kalb saugt daran und er führt sie so an den Strich der Ersatzmutter. «Beim ersten Versuch kann es dauern, bis die Kälber realisieren, wie sie am Euter trinken müssen, da sich alle zugekauften Kälber gewohnt sind, am Saugnuggi zu trinken. Ich muss morgens und abends eine halbe Stunde einrechnen, um mich um die kleinsten Kälber zu kümmern, damit alle genügend Milch erhalten», macht er bewusst. Eine bis zwei Wochen kann diese Angewöhnung dauern. In dieser Zeit könne er die Tiere beobachten und sehen, ob alle Kälber genug zu trinken bekommen. Für die Gesundheit sei dies wichtig. Er ist überzeugt von seiner naturnahen Fleischproduktion; nicht zuletzt, weil sehr wenige Antibiotika nötig seien. Bei der Arbeit darf der Jungbauer hauptsächlich auf die Mithilfe seiner Frau und seiner Eltern zählen. Sollte er als Feuerwehroffizier mit dem Löschzug Mogelsberg ausrücken müssen, kann er beruhigt gehen. Ausserdem arbeitet der gelernte Käser an ein paar halben Tagen in der Käserei Tschumper in Degersheim.

Erster 1.-August-Brunch

Die Ansprüche, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen, seien gestiegen. Es gebe mehr Vorschriften und die Büroarbeiten hätten zugenommen. Trotzdem ist es das Ziel von Fabian Gemperli, den Hof für die nächste Generation zu erhalten. Seinen Stundenlohn rechne er lieber nicht aus. Man müsse einfach kreativ sein und anpacken. Genau das machen Sonja und Fabian Gemperli in den Tagen vor dem 1. August und am Nationalfeiertag selber erst recht. Sie laden zum ersten Mal zum 1.-August-Brunch ein. Sie räumen dafür zwei gegenüberliegende Remisen aus und spannen Blachen zwischen den beiden Dächern.

«Wir wollen etwas ausprobieren, Erfahrungen sammeln und gleichzeitig unseren Hof und unsere Fleischproduktion vorstellen», sind für sie Gründe, die enorme zusätzliche Arbeit auf sich zu nehmen. Sie werden dabei von den Eltern und Geschwistern mit Partnern unterstützt, so dass rund 20 Personen im Einsatz sein werden. Es gibt unter anderem selbstgemachte Konfitüre, Schlorzifladen, Zopf und Birchermüesli. Einzig die Idee, Mostbröckli aus eigenem Fleisch anzubieten, klappt nicht. Die Trocknungszeit dafür hätte nicht gereicht. Kreativ ist Sonja Gemperli auch sonst. Sie bestickt Kindertextilien mit Sujets und Namen. Unter www.stickdir was.ch stellt sie ihre Kollektion vor.

Alles deutet auf die Kalbfleischproduktion «Natura-Veal» hin.

Alles deutet auf die Kalbfleischproduktion «Natura-Veal» hin.

Die Kühe und ihre Kälber kommen von der Weide und ziehen sich in den Laufstall zurück.

Die Kühe und ihre Kälber kommen von der Weide und ziehen sich in den Laufstall zurück.

Bild: CECILIA HESS-LOMBRISER

Bild: CECILIA HESS-LOMBRISER