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Kalanfanger bis Kalender

Brosmete
Emanuel Steiner

Wie in jedem Appenzeller Holzhaus hängt natürlich auch bei mir ein Appenzeller Kalender in der Stube. Dieser Kalender hat seit fast 300 Jahren eine Weitsicht, welche sich jeder Anlageberater wünschen würde. Nebst den Mondphasen wird auch in einer Art Befehlsform darauf hingewiesen, wann man seine Nägel schneiden und das Unkraut jäten soll. Das Wetter für die nächsten 365 Tage, Witze, Schwedenrätsel, Japanisches Sudoku und die Viehmärkte der ganzen Schweiz sind nebst vielem anderen übersichtlich auf gut 150 Seiten dargestellt. Eine Allzweckwaffe für alles, was man nicht selber in der Hand hat. Eine Unterstützung für das Leben, wie Krücken bei einem Beinbruch, das Playback bei Francine Jordi oder der elektrische Rasierapparat.

Beaujolais und ich haben den ganzen Silvester im Gemsli verbracht. Während der Zäuerli der Silvesterchläuse, konnte ich meinen Blick nicht von dem an der Wand hängenden Appenzeller Kalender wenden. In der Weissweinpause habe ich meinen Freund dann gefragt, wieso man eigentlich immer nur das Titelblatt sieht im Kalenderrahmen. Ich habe noch nirgends im ganzen Appenzellerland einen aufgeschlagenen Kalender gesehen. Für Beaujolais war die Sache so klar wie unser Mineral auf dem Tisch. Erstens geht der Kalender gefaltet nicht in den Rahmen rein und zweitens wird er nur gekauft, um ihn dann ungelesen im Estrich zu lagern. Lückenlos und unvergilbbar. Je älter das Haus, desto grösser die Sammlung. Es sind die heimlichen Bitcoins der Urappenzeller. Es kommt die Zeit, da wird das Konvolut einen unschätzbaren Wert haben, krähte mir Beaujolais ins Ohr, als der Schuppel wieder begann zu schellen und rollen. Ich selber bin ja gespannt, wann sich die Nachfrage einstellt und wer es über das Herz bringt, ein Angebot zu machen. Bis dann werde ich mir demnächst beim Weissküfer einen dickeren Rahmen kaufen und den Kalender neben dem Spiegelschrank im Badezimmer aufhängen. Dann weiss ich endlich, was mich den ganzen Tag erwartet.

Witz aus dem Appenzeller Kalender von 1977: En Maa het schuulig gern glese. Norem Füürobed ischt er all im Kanapee ghocket ond het e Buech omm s ander glese. Emol meent siini Frau: «I wet i wäär e Buech, denn wär i wenigstens all i diiner Nööchi.» Do het de Maa gmeent: «Denn wet i aber, as d en Kalender wärischt, Denn chönt i all Johr wechsle.»

Emanuel Steiner

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