Käseumsatz schmilzt wegen Euro

Als Reaktion auf den erstarkten Franken wird im Februar die Produktion des Appenzeller Käses um 20 Prozent reduziert. Zudem erhalten die Käser pro Kilo Käse 60 Rappen weniger. Ende Monat wird die Situation neu beurteilt.

Stefan Etter
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Der Appenzeller Käse muss sich gegen den schwachen Euro wehren. (Bild: pd)

Der Appenzeller Käse muss sich gegen den schwachen Euro wehren. (Bild: pd)

APPENZELL. Der Entscheid der Schweizer Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzuheben, hat in der Schweizer Wirtschaft hohe Wellen geschlagen. Praktisch über Nacht wurden Papier, Textilien, Chemikalien, Stahl und Maschinen, die vorwiegend in den EU-Raum exportiert werden, stark verteuert.

60 Prozent in den Euroraum

Unter den Leidtragenden ist auch der Schweizer Käse – unter anderem der Appenzeller, der zu 60 Prozent in den Euroraum exportiert wird. «Aufgrund des Währungssturzes von rund 20 Prozent mussten auch wir über die Bücher gehen», sagt Carlo Schmid, Vorsitzender der Sortenorganisation Appenzeller Käse GmbH. «Wir haben kürzlich an einer Verwaltungsratssitzung entschieden, die Produktionsmenge für den Februar um 20 Prozent zu reduzieren», sagt Schmid. Bei einer jährlichen Produktionsmenge von 9000 Tonnen ergibt dies eine Reduktion von 750 auf 600 Tonnen im Februar. «Die Produktion im Januar war noch nicht betroffen.»

Differenz gemeinsam tragen

Als weitere Massnahme wird die Sortenorganisation im Februar den Käsern für jedes Kilo Käse 60 Rappen weniger ausbezahlen. Wie diese Differenz untereinander ausgehandelt werde, sei die Angelegenheit der Milchproduzenten und der Milchverarbeiter. «In diese Preisgespräche mischen wir uns nicht ein», sagt Schmid. «Alle Beteiligten sind aber der Ansicht, dass ein Problem vorliegt, das alle betrifft und das gemeinsam gelöst werden muss.»

Rasch reagieren können

Laut Schmid hat der Verwaltungsrat entschieden, den Währungsverlust auf die ganze Wertschöpfungskette zu verteilen. Dennoch werden die getroffenen Massnahmen nicht den ganzen Verlust abdecken. «Es war unmöglich, den Währungseinbruch vorauszusagen», sagt Schmid. «Fast genauso schwierig ist es zu prognostizieren, wie hoch der Verlust am Ende tatsächlich sein wird.»

Sicher ist laut Schmid, dass der Verwaltungsrat Ende Monat die Lage neu beurteile und die Produktionsmenge sowie den Kilopreis unter die Lupe nehme. «So können wir rasch reagieren.»

Carlo Schmid Vorsitzender der Sortenorganisation Appenzeller Käse GmbH. (Bild: apz)

Carlo Schmid Vorsitzender der Sortenorganisation Appenzeller Käse GmbH. (Bild: apz)

Der Appenzeller Käse muss sich gegen den schwachen Euro wehren. (Bild: pd)

Der Appenzeller Käse muss sich gegen den schwachen Euro wehren. (Bild: pd)

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