Kämpfen mit Händen und Füssen

Die Wattwiler Kampfkunstschule Xing Wu Guan von Schulleiter Peer Steinkellner ist an der Schweizer Meisterschaft als erfolgreichste Schule ausgezeichnet worden. Nadia Zwyssig gewinnt den Titel im Taekwondo.

Urs Huwyler
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wattwil. Seit den Weltspielen 2000 in Sydney gehört die aus Südkorea stammende Kampfsportart Taekwondo zu den olympischen Disziplinen. Damit steht die Kombination aus Fuss- (Tae) und Handtechnik (Kwon) als Kunst (Do) vermehrt im Interesse der Öffentlichkeit. Dass Nadia Zwyssig (Oberhelfenschwil) bei den Juniorinnen bis 63 Kilogramm erstmals in der Geschichte für die Kampfkunstschule Wattwil einen Schweizer Meistertitel gewinnen konnte, kommt für Schulleiter Peer Steinkellner einem weiteren Meilenstein in der Geschichte der Xing Wu Guan-Schule an der Bleikenstrasse gleich.

Dann geht die Post ab

Vor dem Wettkampftraining deutet wenig darauf hin, worauf sich die Gegnerinnen der Oberhelfenschwiler Gemeindeangestellten (2. Lehrjahr) einlassen. Sie sitzt mit der mehrfachen Wushu-Medaillengewinnerin Stefanie Müller entspannt in der Sofaecke. Kaum betritt sie allerdings die Matte, geht die Post ab und aus der netten Jugendlichen von nebenan wird ein (noch immer netter) Vulkan.

Die Füsse wirbeln auch über Kopf durch die Luft und die Hände lassen erahnen, wie schwierig es ist, den Kombinationen zu folgen. Für den mit schwitzenden Beobachter wirkt bei den Beintechniken alles sehr intensiv, doch Peer Steinkellner fordert eine wesentlich höhere Intensität. Tatsächlich kann Nadia Zwyssig noch einen Gang zulegen.

Den Überblick bei den asiatischen Kampfsportarten zu behalten, scheint derzeit kaum mehr möglich. Irgendwie sieht für den Laien alles ziemlich gleich aus. Karate, Kung Fu oder Judo sind in den Köpfen bekannt. «Taekwondo basiert auf Schnelligkeit und Dynamik. Die Kraft spielt keine entscheidende Rolle wie in anderen Stilarten. Diese Form entspricht mir», erklärt die neue Meisterin. Dass es sich wie bei Judo um eine olympische Sportart handelt, nimmt Nadia Zwyssig zur Kenntnis. «Eine Olympia-Teilnahme liegt für uns kaum drin.

Sonst müsste der Aufwand um ein Mehrfaches gesteigert werden. Für mich steht neben der Ausbildung die Freude am Sport im Vordergrund. Ich würde in der Freizeit trotzdem Taekwondo betreiben, auch wenn es sich nicht um eine olympische Disziplin handeln würde.»

Erfolgreichstes Jahr

Sowohl Gemeindepräsident Toni Hässig als auch Schulleiter Peer Steinkellner schildern die Kampfsportkünstlerin bei Arbeit und Sport als pflichtbewusst, bodenständig, aufmerksam, konzentriert oder im gesunden Mass ehrgeizig.

Während des Trainings muss der Chef kurz ans Telefon, also übernimmt Gold-Nadia das Kommando. Sie illustriert wie ihre Kolleginnen und Kollegen, dass von Grund auf technisch geschulte Kampfsportler die Betonung auf Sport, Selbstdisziplin und Körperbeherrschung legen. «Die einen spielen Fussball oder fahren Ski, andere zelebrieren Kampf als Kunst», lautet das Motto. «Dass wir uns besser verteidigen können, erhöht die persönliche Sicherheit», weiss Peer Steinkellner.

Der Aspekt «Selbstverteidigung» gilt für alle Stilrichtungen. Wie aber soll ein Jugendlicher heraus finden, welche Kunstform ihm entspricht? «Wir bieten gratis Schnuppertrainings und die gesamte Palette an und haben ein zweites Trainingslokal gemietet. Kinder sollen sich einen Überblick verschaffen können, in welche Richtung es gehen könnte. Der Einstieg erfolgt über die traditionellen Disziplinen wie Kung Fu oder Taekwondo», erläutert Peer Steinkellner, während ein Nachwuchskämpfer stolz den Pokal für die erfolgreichste Schule präsentiert.

Stefanie Müller, Lars Anderegg, Carmen Steiner, Lisa Schmutz, Sheila Hess, Nationalkader-Athlet Dario Keller, Tanja Lusti, Natascha Sebek, Dario Rodriguez, Peer Steinkellner, Dante Suwanda und Nadia Zwyssig haben dafür gesorgt, dass 2010 für die Wattwiler zum bisher erfolgreichsten Jahr geworden ist.

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