Kälbermarkt wird weitergeführt

Ab 1. Juli fallen Beiträge des Bundes für die Kälbermärkte weg. Die Verantwortlichen in Wattwil wollen ihren Markt auch ohne Zustupf erhalten. Bis Ende 2014 wird er wie gewohnt stattfinden, für nächstes Jahr werden Lösungen gesucht.

Adi Lippuner
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Samuel Graber, Präsident des Schweizer Kälbermästerverbands (links) und Beni Wunderli, Lichtensteig, Experte beim Wattwiler Kälbermarkt. (Bild: Adi Lippuner)

Samuel Graber, Präsident des Schweizer Kälbermästerverbands (links) und Beni Wunderli, Lichtensteig, Experte beim Wattwiler Kälbermarkt. (Bild: Adi Lippuner)

WATTWIL. Bereits Mitte letzten Jahres wurde gemeldet, dass die Zukunft der Kälbermärkte in Wattwil und Herisau ungewiss ist. «Ab 1. Juli 2014 soll der Leistungsauftrag des Bundes für die Durchführung der Kälbermärkte gestrichen werden», war in der Fachzeitschrift St. Galler Bauer zu lesen. Damit verbunden sei auch der Wegfall der Importkontingente der Händler, welche diese für die am Markt ersteigerten Kälber erhielten.

Dreieinhalb Monate vor dem Stichtag geben sich die Verantwortlichen des Wattwiler Kälbermarktes kämpferisch. Präsident Ernst Bohl, Stein SG: «Wir setzen alles daran, um diese für uns wichtige Vermarktungsmöglichkeit zu erhalten.» Fest stehe, dass der Anlass ab Anfang Juli in gewohnter Weise, allerdings ohne den Beitrag aus Bern, weitergeführt werde. Zudem gebe es Diskussionen, wie und in welcher Form der Markt langfristig gesichert werden könne.

«Fussvolk» bezahlt die Zeche

«Gestrichen wurden die Bundesgelder», wie Wendelin Jud, Präsident des St. Galler Kälbermästerverbands ausführt, «weil Lohnmäster und Händler, die ihre Mastkälber auf die öffentlichen Märkte brachten, zuerst beim Schlachthof vorbeifuhren, um ein Import-Kontingent auszulösen.» Für bäuerliche Mäster habe dieses Vorgehen schwerwiegende Konsequenzen. «Weil sich einige nicht an die Spielregeln halten und ein perfekt funktionierendes System für sich ausnützen, werden nun alle bestraft.»

Oder wie Beni Wunderli, Lichtensteig, seit 30 Jahren als Experte bei den Kälbermärkten im Einsatz, das Problem auf den Punkt brachte: «Einige wenige haben profitiert und das <Fussvolk> bezahlt nun die Zeche.» Auch er ist der Ansicht, dass die Veranstaltung in Wattwil bleiben muss. «Wir setzten alles daran, den Wattwiler Kälbermarkt auch ohne <Bundeszückerli> zu erhalten.» Als positiv sieht Beni Wunderli die Tatsache, dass in Wattwil wenige «Schlaumeier», welche das System ausnutzten, am Werk waren.

Aufruf zur Solidarität

Auch Toni Huber, Präsident der Genossenschaft Markthalle Toggenburg ruft die Bauern zur Solidarität auf. «Wir sind darauf angewiesen, dass der Kälbermarkt nach dem Wegfall der Importkontingente durch die bäuerlichen Mäster bestückt wird. Der Anlass ist wichtig für die Preisbindung, auch wenn allenfalls eine Durststrecke überwunden werden muss.»

Für Wendelin Jud ist klar, dass die Proviande (Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft), welche noch bis Ende Juni einen Leistungsauftrag des Bundes hat, aber auch der Schweizer Kälbermästerverband und das zuständige Bundesamt gefordert sind, um Lösungen zu finden. Ab 1. Juli werden jene zehn Prozent der Importkontingente, welche sich die Händler über die Märkte sichern können, wegfallen. Wendelin Jud sprach in diesem Zusammenhang von «Millionenverdiensten», während Ernst Bohl eher den Wegfall der Unterstützung durch den Bund in den Mittelpunkt stellte. Wie auch immer, gemäss Beni Wunderli werden inskünftig pro am Markt verkauftem Kalb 50 bis 60 Franken wegfallen. Bei einer wöchentlichen Auffuhr von 150 bis 200 Kälbern allein in Wattwil, kommt so in einem Jahr ein schöner Betrag zusammen.

Gesellschaftliche Bedeutung

Obwohl für die Kälbermäster ein möglichst guter Verkauf im Mittelpunkt steht, hat die Veranstaltung am Montag auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Zahlreiche Pensionisten treffen sich jeweils am Vormittag im Restaurant zu einer gemütlichen Jassrunde und geniessen das gemeinsame Mittagessen. «Auch dieses Angebot gilt es zu erhalten», ist Ernst Bohl überzeugt.

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