Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Junger Mann mit roter Jacke

Brosmete
Esther Ferrari

Es war im Casino Herisau. Er trug einen roten Blazer, ich abgelatschte Schuhe mit krummen Absätzen. Lang ist’s her, lang. Mit meinem Bruder war ich gekommen, hinten auf seinem Töff. Den Hund hatte ich in die Obhut unserer Mutter gegeben. Sie mochte mir den Tanzanlass wohl gönnen. Wie es für viele junge Mädchen damals üblich war, arbeitete ich ab 15 Jahren als Dienstmädchen. Mit knapp 17 kam ich in ein vornehmes Haus zu einem kinderlosen Ehepaar. Die Leute waren sehr gut zu mir, verlangten jedoch klösterliche Disziplin. Ausgang gab es keinen. Das Telefon durfte ich nur im Notfall, unter Kontrolle, benutzen. Einmal im Monat, ab Samstagnachmittag bis Sonntagabend, hatte ich frei, konnte meine Eltern, die während dieser Zeit in Gossau wohnten, besuchen. Der grosse alte Schäferhund begleitete mich. Musste er auf mich aufpassen oder ich auf ihn? Die paar Stationen Bahnfahrt genoss ich wie ein Stück Freiheit, und ich wunderte mich jedes Mal, dass so viele junge Männer sich für den Hund interessierten. Es gab solche, die sich anerboten, ihn mit mir auszuführen. Ich winkte ab, denn ich wusste, dass meine Meisterin solches nicht dulden würde. Nun sass ich im Casino, scheu und naiv, ein Mauerblümchen. Mein Bruder tanzte gut, ich nicht. Mein Blick fiel auf den Jungen mit dem roten Blazer. Wie der gut aussah! Er musste mich bemerkt haben, denn er holte mich zum Tanz. Doch bald wurde mein Name ausgerufen. An der Réception wartete verzweifelt meine Mutter mit dem Schäferhund. Er habe wie ein Wilder getan in der kleinen Wohnung und ständig gebellt. Sie sei zu Fuss gekommen, fahre nun mit der Bahn wieder heim. So lag der Hund neben mir und knurrte böse, sobald sich jemand näherte. Fertig war es mit der Tanzerei. Ich musste den Saal verlassen. Der Junge mit dem roten Blazer anerbot sich, mich zu Fuss nach Gossau zu begleiten. Mich aber drückten die Schuhe und drückte das Gewissen. Ich hatte mich nur von der roten Jacke begeistern lassen. Den jungen Mann fand ich völlig uninteressant. Der Hund ging drohend zwischen uns.

Esther Ferrari

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.