Junge Wanderwölfe on Tour durch die Ostschweiz – aber kein Grund zur Panik

Zurzeit sorgen mehrere Einzelwölfe – wahrscheinlich junge Wanderwölfe – für Aufsehen im Appenzellerland und Rheintal. Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) gibt Entwarnung und erklärt die Hintergründe dieses Verhaltens und weshalb von diesen Wölfen keine Gefahr ausgeht.

Margrith Widmer
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In der Ostschweiz waren in den vergangenen Wochen wohl mehrere Wölfe unterwegs.

In der Ostschweiz waren in den vergangenen Wochen wohl mehrere Wölfe unterwegs.

Bild: AP

Die wandernden Jungwölfe werden gegenwärtig oft beobachtet und reissen meist ungeschützte Nutztiere. «Diese Wölfe verhalten sich weder auffällig, noch stellen sie eine Gefahr für Menschen dar, sondern sie zeigen das natürliche Verhalten von abgewanderten Jungwölfen», schreibt die Gruppe Wolf Schweiz in einer Medienmitteilung vom Mittwoch.

Sollten einzelne Wölfe, trotz Herdenschutz, regelmässig Nutztiere reissen, biete das geltende Jagdgesetz die Möglichkeit für Abschüsse.

Bei den Wölfen, die zurzeit in der Ostschweiz für Aufsehen und Aufregung sorgen, dürfte es sich laut der Gruppe Wolf in erster Linie um Jungwölfe handeln, die im vergangenen Jahr geboren wurden. Jungwölfe wandern oft im Alter von zirka 18 Monaten ab, da sie in diesem Alter kurz vor der Geschlechtsreife stehen – also in der «Pubertät» – und von den Elterntieren im Rudel oft nicht mehr geduldet werden.

Kennen noch keine Scheu

Jungwölfe sind, wie Jungtiere anderer Tierarten auch, mit den verschiedenen Risiken und gefahren der Umwelt noch wenig vertraut und müssen die Scheu erst lernen. Das sei auch bei jagbaren Arten hinreichend bekannt, schreibt GWS.

«So weiss man etwa, dass auch beim überall intensiv bejagten Reh dessen Jungtiere trotz der Bejagung weniger Scheu zeigen und auch öfter überfahren werden als Alttiere, weil sie Strassen noch nicht als Gefahr kennen gelernt haben.»

Damit junge Wölfe scheu werden, sollten sie aus Siedlungen aktiv vertrieben werden – damit sie schlechte Erfahrungen mit Menschen machen. Wölfe im Siedlungsgebiet und in der Nähe von Nutztieren zu vertreiben, sei keine Straftat, sofern die Wölfe nicht verletzt werden – und ist nicht gefährlich.

Ungeschützte Schafe

Dass die Jungwölfe einige Schafe gerissen haben, liegt in ihrer Natur und sei nicht überraschend – angesichts der des Angebots an ungeschützten Schafen, so die GWS. Das heutige Jagdgesetz, das Ende September vom Volk bestätigt wurde, erlaube den Abschuss von Wölfen, wenn diese eine bestimmte Zahl von Nutztieren reissen, die unter Herdenschutz standen. In Gebieten, in denen aus den Vorjahren schon Wölfe bekannt waren, liegt diese Schadensgrenze bei 15 getöteten Nutztieren pro Kalenderjahr.

In all jenen Gebieten, in denen Jungwölfe zurzeit für Aufsehen sorgen, gab es früher schon Wolfspräsenz – im Appenzellerland-Rheintal seit 2014, im Gantrischgebiet seit 2006, im Entlebuch-Pilatus seit 2009. Damit biete die Gesetzgebung durchaus Handlungsmöglichkeiten, um mit «Problemwölfen» umzugehen. Da die Risse der letzten Wochen fast alle in ungeschützten Herden geschahen, könne aber nicht von «Problemwölfen» gesprochen werden.

Aufgrund von Hinweisen, dass auch bei angeblich «geschützten» Herden die Schutzmassnahmen (Zäune) nicht sachgerecht angewendet worden seien, «wird die GWS die Überwachung der Gebiete weiter intensivieren», schreibt die Gruppe Wolf Schweiz.

Weniger auffällige Wölfe durch Jagddruck?

Dass sich Wölfe in und um Siedlungen aufhalten, rührt entgegen gewisser Aussagen von Behörden nicht von der fehlenden Regulierung des Bestands her. Die Regulierung durch Abschüsse wirkt sich nicht nachweislich darauf aus, ob Wölfe auch Siedlungen in ihrem Streifgebiet haben, wie aus dem KORA-Bericht Nr. 76 hervorgeht.

Dass aggressives Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen auf vorherige Beobachtungen von wiederholter Annäherung an Menschen oder Gebäude zurückgeführt werden kann, lässt sich laut GWS ebenfalls nicht feststellen. «Damit geht auch von den aktuell häufig gesichteten Wölfen in verschiedenen Gebieten am Alpennordrand keine Gefahr aus», so die Gruppe Wolf Schweiz.