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Junge Kunst in der alten Turnhalle

EBNAT-KAPPEL. Kunst von Jungen für Junge – das will «Arthur Junior». Was vor vier Jahren mit einer Maturaarbeit begann, findet nun zum vierten Mal statt. Junge Kunstschaffende lassen sich vom 14. bis 21. Juni in der alten Schafbüchel-Turnhalle inspirieren.
Hansruedi Kugler
Viola Pfeiffer (links) und Maura Kressig, zwei der Organisatorinnen von «TSV Arthur Junior». (Bild: Hansruedi Kugler)

Viola Pfeiffer (links) und Maura Kressig, zwei der Organisatorinnen von «TSV Arthur Junior». (Bild: Hansruedi Kugler)

Filmreif sieht sie aus, die alte Schafbüchel-Turnhalle: Hier könnte man ohne Umbauten einen Spielfilm über die 1940er- oder 1950er-Jahre drehen. Das Holz unter den Füssen knarrt bei jedem Schritt, und der erste Blick in die Halle wird gleich auf die drei schmalen Fenster an der Stirnwand gelenkt. Man wähnt sich schon fast in einer Kirche – wäre da nicht der hellblaue Boden, die Eisenträger an der Decke, der Nebenraum mit Turnmatten, Schwedenkasten und Unihockey-Toren: «Diese Halle ist für uns und die jungen Künstler ein Glücksfall. Ein Blick, und man ist sofort inspiriert. Es ist ein Ort voller Geschichte und mit viel Emotionalität», schwärmt Maura Kressig. Sie ist eine der Organisatorinnen der Ausstellung, die vom 14. bis 21. Juni junge Kunstschaffende in die Ebnat-Kappler Turnhalle lockt. «TSV Arthur Junior» lautet das Motto und ist bereits die vierte Ausstellung der jungen Kunstorganisatorinnen.

Letztes Jahr 12 Schulführungen

Begonnen hat «Arthur Junior» als Maturaarbeit: Maura Kressig und Sirkka Ammann beschlossen, eine jugendliche Ergänzung zu den «Arthur»-Ausstellungen der Kunsthallen Toggenburg auf die Beine zu stellen: Kunst von Jungen für Junge, so lautete das Konzept. Realisiert haben sie diese Idee zum ersten Mal im alten «Magasä» in Wattwil, einem leerstehenden Haus mit elf Zimmern an der Wilerstrasse. Es folgten Ausstellungen in der Kalberhalle Lichtensteig und auf der Floozwiese unterhalb der Lichtensteiger Altstadt. Besonders wichtig ist ihnen dabei die Kunstvermittlung.

Didaktisch durchdachte und altersgerechte Kunstvermittlung ist das Spezialgebiet von Maura Kressig, die in Luzern Soziokulturelle Animation studiert und im Jugendhaus Kriens arbeitet. Letztes Jahr hatten zwölf Schulklassen (Primar und Oberstufe) eine Führung gebucht. Offenbar mit einiger Anerkennung. Denn die diesjährige «TSV Arthur Junior»-Ausstellung wird gleich von den beiden Schulgemeinden Ebnat-Kappel und Wattwil-Krinau unterstützt.

Sport und Vereinskultur

Schulturnen findet in der alten Schafbüchel-Turnhalle seit Jahren nicht mehr statt. Aber einige Vereine nutzen die Halle für Trainings, der Fussballclub nutzt Duschen und Garderoben, und der Fondueplausch findet ebenfalls hier statt. «Vorgaben machen wir Organisatorinnen kaum. Bei unseren Ausstellungen sollen die Kunstschaffenden aber immer auf den Ort eingehen», erklärt Mitorganisatorin Viola Pfeiffer. Sie kommt aus Uznach und studiert in Zürich Germanistik und Geschichte. «Uns geht es dabei nicht nur um den Sport als Inspiration, sondern auch um die Vereinskultur», ergänzt Maura Kressig. Diese Kultur sei bedroht: «Man hört oft, die Jugend interessiere sich nicht für Kunst und engagiere sich nicht mehr in Vereinen. Wir treten den Gegenbeweis an.»

Turnen: Drill oder Spass

Die Turnhalle als Ort junger Kunst sei ideal, findet Viola Pfeiffer: «Alle hatten ja mal Schulsport, und bei den Jungen ist die Erinnerung daran meist noch frisch.» Mit ganz unterschiedlichen Erlebnissen und Empfindungen: Als Drill oder als Spass, aufgehoben in einem Team oder als Aussenseiter. «Wer gut im Sport ist, der gilt üblicherweise als cool und ist beliebt, wer ungeschickt ist, wird schnell ausgegrenzt», erinnert sich Maura Kressig: «Im Turnen konnte man sich brutal blamieren.» Das Schulturnen als unberechenbarer sozialer Hexenkessel? «Nein, nein, so schlimm war das nicht. Ich fand zwar das Schulturnen cool, wurde aber bei den Teamspielen meist zuletzt gewählt, weil ich als Streberin galt», erzählt Viola Pfeiffer.

Bewerbungen bis Ende März

Auf die Schafbüchel-Turnhalle aufmerksam wurden sie durch Mitorganisatorin Sirkka Ammann, die neben der Halle aufgewachsen ist. Eine moderne Turnhalle wäre kaum geeignet gewesen, meint Maura Kressig. «Denn erstens sind die so funktional und ohne Geschichte, und zweitens sind diese Hallen ohnehin von morgens bis spätabends von den Schulen und den Vereinen belegt.» Bis Ende März sucht «TSV Arthur Junior» nun Kunstschaffende, die sich von der Halle, den weiss gekachelten Gruppenduschen oder den improvisierten Garderoben inspirieren lassen wollen. Ohne Honorar, das gehört zum Konzept von «Arthur Junior», denn die jungen Kunstschaffenden bekommen hier eine Gelegenheit, auszustellen. Die Vorstandsmitglieder von «Arthur Junior», die an Kunsthochschulen in Basel, Zürich und Luzern studieren, nutzen ihr dortiges Netzwerk. Deshalb kommen die ausstellenden Kunstschaffenden aus der ganzen Deutschschweiz.

www.arthurjunior.ch

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