Junge Bäume für mehr Lebensraum

Um die Artenvielfalt zu fördern, lässt der Naturschutzverein Ebnat-Kappel/Nesslau-Krummenau einen Mischwald entstehen, wo vorher nur Fichten standen. Beim Einsetzen der Jungpflanzen hilft das Johanneum.

Olivia Hug
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Andreas Hnatek, Präsident des Naturschutzvereins (rechts) erläutert, welche Bäume an welcher Lage gepflanzt werden.

Andreas Hnatek, Präsident des Naturschutzvereins (rechts) erläutert, welche Bäume an welcher Lage gepflanzt werden.

Ennetbühl. Üblicherweise ist das Waldstück in der Weid bei Ennetbühl um diese Zeit noch gefroren. Doch dank der warmen Temperaturen hat die Vegetationszeit auch Schattenhalb auf rund 950 Höhenmetern bereits begonnen. Der Waldboden ist zudem fruchtbar. Die Chancen für die 500 Jungbäume und Sträucher, die der Naturschutzverein Ebnat-Kappel/Nesslau-Krummenau auf einer Fläche von zehn Aren gerodeten Waldstücks anpflanzen will, stehen gut.

Misch- statt Nadelwald

Weshalb erst roden und danach wieder pflanzen? «Hier stand vorher eine Monokultur», erklärt Christian Singer vom Naturschutzverein und weist auf die abgeholzten Baumstämme. «Ausser Fichten wuchs hier nichts anderes mehr. Wirtschaftlich mag das sinnvoll sein, ökologisch allerdings wenig.» Keine anderen Pflanzen bedeutet nämlich kein Lebensraum für bestimmte Vogelarten. Diese brauchen eine Hecke, also einen Mischwald aus Sträuchern und Bäumen, wo sie ihre Nahrung finden und Brutplätze anlegen können. Um das Vorkommen dieser Vogelarten, insbesondere des Neuntöters, zu fördern, wurden die Fichten abgeholzt und ein Mittelwald neu gepflanzt. Die rund zehn Kubikmeter geerntetes Holz wurden in der Heizzentrale Nesslau zu Schnitzeln verarbeitet oder zur Herstellung von Holzwolle in Wattwil verwendet.

Jungen Wald schützen

Das Projekt wird vom Kanton sowie Stiftungen getragen. Für die Umsetzung ist der Naturschutzverein zuständig. Für das Räumen der gerodeten Fläche und das Einsetzen der Sträucher wird er von Schulklassen des Johanneums, wo auch Christian Singer arbeitet, und der 4. bis 6. Klasse Ennetbühl unterstützt. «Bis das neue Waldstück herangereift ist, dürfte es vier bis fünf Jahre dauern – optimistisch gesehen», erläutert Andreas Hnatek, Präsident des Naturschutzvereins. Zuerst gelte es, die jungen Pflanzen vor dem Wild zu schützen. Dann könnten sie Gefahr laufen auszutrocknen, sollte es in diesem Sommer nicht genügend regnen. «Und nicht zuletzt stellt der Winter eine Gefahr dar, wenn die Bäume unter dem Schnee ersticken können.»

Futter- und Lagerplätze

Andreas Hnatek und Christian Singer sind auch dafür zuständig, die Bäume und Sträucher optimal anzupflanzen. «Da gibt es Pflanzen, die feuchte, schattige Gebiete bevorzugen», so der gelernte Forstwart Christian Singer, «und solche, die besonders viel Sonne benötigen.» Den fachunkundigen, aber interessierten und arbeitsfreudigen Schülerinnen und Schülern erklärt er, womit sie es zu tun haben: Bergahorn, Faulbaum, Vogelbeere, Geissblatt, roter und schwarzer Holunder, sowie Schwarz- und Weissdorn. «An den spitzen Ästen des letzteren spiesst der Neuntöter seine Beute auf, die er später verzehrt.»

Bild: Olivia Hug

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