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Jules Kaeser, 1940–2013

ZUM GEDENKEN Mit einer wundersam gestalteten Feier hat am letzten Montag im Pfarreizentrum Bendlehn in Speicher eine grosse Trauergemeinde Abschied genommen von Jules Kaeser, der am 19. Oktober seinen irdischen Weg im 74. Lebensjahr vollendete.
Jules Kaeser bewegte sich mit leidenschaftlicher Hingabe auf dem Feld der Kunst. (Bild: apz)

Jules Kaeser bewegte sich mit leidenschaftlicher Hingabe auf dem Feld der Kunst. (Bild: apz)

ZUM GEDENKEN

Mit einer wundersam gestalteten Feier hat am letzten Montag im Pfarreizentrum Bendlehn in Speicher eine grosse Trauergemeinde Abschied genommen von Jules Kaeser, der am 19. Oktober seinen irdischen Weg im 74. Lebensjahr vollendete.

Aus einer Handvoll im Altarraum der Kirche plazierten, von Jules Kaeser geschaffenen Bildern schöpfte Damian Kaeser, einer der drei Söhne des Verstorbenen, Reminiszenzen aus dem Leben seines Vaters. Die Bilder dienten gleichzeitig als Hilfen zur Skizzierung einer Persönlichkeit, von deren Prägnanz wohl niemand, der Jules Kaeser je begegnete, unberührt bleiben konnte.

Anhand einiger Eckdaten sei sein Leben kurz nachgezeichnet. 1940 in St. Gallen geboren, wuchs Jules Kaeser als zweitältestes von fünf Geschwistern auf. Seine gesunde kindliche Neugier galt der Natur, vor der er zeitlebens grossen Respekt bewahrte. Seine gesellige Art liess ihn Kameradschaft finden bei den Pfadfindern, in der Jungmannschaft, im Turnverein. Früh schon offenbarte sich auch sein künstlerisches Flair. Er absolvierte eine Lehre als Grafiker und besuchte die Kunstgewerbeschule in St. Gallen.

Bereits als 24-Jähriger eröffnete Jules Kaeser ein eigenes Grafikatelier in St. Gallen, mit dem er sich dank seiner kreativen Ader bald schon einen vorzüglichen Namen im Bereich der Gebrauchsgrafik zu schaffen wusste. Erinnert sei lediglich an das heute noch aktuelle Logo der Buchhandlung Rösslitor oder an das Olma-Plakat 1980. Als Lehrer an der Schule für Gestaltung liess Jules Kaeser während dreissig Jahren zahllose Schülerinnen und Schüler der Grafikerfachklasse an seinem kreativen Potenzial teilhaben. Für ihn war der Schuldienst eine Aufgabe, der er sich mit Enthusiasmus hingab.

Dass er sich zusammen mit seinem Bruder Peter kabarettistisch betätigte und die Cabarets «Schnoder Goofe» sowie «Sälewie» massgeblich prägte und auch zu den Mitbegründern der Kellerbühne St. Gallen gehörte, wirft ein weiteres helles Licht auf sein facettenreiches Wirken.

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1965 vermählte sich Jules Kaeser mit der aus Kärnten stammenden Gertraud Zavodnik. Dem Ehepaar wurden die Söhne Michael, Damian und Tobias geschenkt. 1975 verlegte die Familie ihren Lebenskreis nach Speicher, wo der Vater ab Mitte der 1980er-Jahre fortan sein Grafikatelier führte. Er trat auch mit Arbeiten im öffentlichen Raum in Erscheinung, etwa mit dem Stangenwald vor dem Zentralschulhaus, mit dem er in seinem neuen Wohnort ein deutliches Zeichen setzte. In den letzten drei Jahren schliesslich fand er im Haus Vorderdorf in Trogen ein ideales Umfeld für sein Schaffen.

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Mit leidenschaftlicher Hingabe bewegte sich Jules Kaeser auch auf dem Feld der Kunst. In seinen von starken grafischen Kriterien gekennzeichneten Bildern offenbarte sich ein überzeugender Umgang mit Formen und Farben. Er war ein Meister im Aquarellieren. Bei aller Strenge im Formalen schwang in seinen Werken häufig auch etwas Neckisches mit. Grosse Verdienste zugunsten von Künstlerinnen und Künstlern aus der Ostschweiz erwarb sich Jules Kaeser, der längere Zeit auch im Vorstand der GSMBA tätig war, zusammen mit seiner Gattin mit der 1978 eröffneten Galerie Speicher. Dafür wurde das Ehepaar 2012 mit dem Förderpreis der Ersparniskasse Speicher geehrt.

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Ein bewundernswerter Mut zur Eigenständigkeit zeichnete Jules Kaeser in hohem Masse aus. Er war ein Mensch mit Ecken und Kanten, einer, der sich in kein Schema pressen liess, selbstbestimmt bis hin zu einer auch sich selbst gegenüber schonungslosen Konsequenz. Auf Anhieb mochte es gar scheinen, als habe man es bei ihm mit einem bärbeissigen Individualisten zu tun. «Er ist seinen Weg gegangen und hat fast immer gemacht, was er wollte», umschrieb sein Sohn an der Abschiedsfeier das Wesen seines Vaters. Wem es indes vergönnt war, näher an Jules Kaeser heranzukommen und seiner Sympathie teilhaftig zu werden, erkannte bei all seiner Eigenwilligkeit aber doch eine gewinnende Herzlichkeit. Er konnte sich öffnen, wusste Geselligkeit zu schätzen und liess oft auch einen kernigen Humor erkennen.

Jules Kaeser gehört zu den Menschen, denen wir über die Brücke der guten Erinnerungen verbunden bleiben.

Martin Hüsle

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