Jugendsünden verhelfen zur Kunst

Am Samstag fand in der Appenzeller Schaukäserei in Stein die Vernissage von Pirmin Breu statt. Am Anfang standen 14 Strafanzeigen und eine Nacht in Untersuchungshaft wegen Sprayereien. Heute erhält er dafür Aufträge.

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Immer wieder präsent und erkennbar: Appenzellische Elemente im Werk von Pirmin Breu. (Bild: pd)

Immer wieder präsent und erkennbar: Appenzellische Elemente im Werk von Pirmin Breu. (Bild: pd)

STEIN. «Ich bin ein Welt-Appenzeller», sagte Pirmin Breu gleich bei der Begrüssung anlässlich der Vernissage am letzten Samstag. Zahlreiche Gäste waren gekommen, mit dabei waren auch die Gastgeber Adrian Agner, Leiter der Restauration, und Evelyne Hennet, die Geschäftsführerin der Appenzeller Schaukäserei. Mit diesem «Ich bin ein Welt-Appenzeller» hatte Pirmin Breu seine Gäste «im Sack», denn seine künstlerischen Werke sind so vielseitig wie er selbst.

Street-Art-Kunst

Ob mit Bleistift, Spraydose, Pinsel oder Airbrush – Pirmin Breu beherrscht sein Handwerk. Er verarbeitet die Eindrücke und Erlebnisse von seiner Welt zu Hause und von seinen vielen Reisen in seiner Street-Art-Kunst. Nicht übersehbar sind die einzelnen Merkmale und Sujets aus dem Appenzellerland; sie reichen vom Alpaufzug bis hin zu den Appenzeller Bahnen. Pirmin Breu bezeichnet sich als Dogma-Maler. Seine Bilder und Werke entstehen im Moment – ohne Täuschung und ohne unnötige Spezialeffekte. Der innere Druck, das, was den Künstler und die Welt um ihn herum bewegt, entlädt sich im Akt des Sprayens.

Aus seinen Spraydosen entweicht nicht einfach Farbe, sondern eigentliches Leben in Form dieser quicklebendigen Wesen, die Pirmin Breu liebevoll «meine Menschen» nennt. Seit nun über zwanzig Jahren widmet sich der 43jährige Künstler seiner Kunst, und das immer mit dem Ziel, davon seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Heute mit Erlaubnis

Was heute möglich ist, war nicht immer so. Der Anfang sah gar nicht vielversprechend aus, denn indirekt zur Karriere verholfen haben ihm die eigenen Jugendsünden. 14 Strafanzeigen und eine Nacht in Untersuchungshaft kassierte Pirmin Breu, weil er an seinem Wohnort im aargauischen Muri nachts Unterführungen, Garagenwände und anderes mehr besprayte. Die Geschädigten fanden zwar Gefallen an den farbenfrohen Graffitis, aber dass er stets vergass, vorher um Erlaubnis zu fragen, kam weniger gut an. Heute arbeitet Pirmin Breu für verschiedene Kunstprojekte und Firmen, die ihm die Erlaubnis geben, kreativ zu sein.

Die Ausstellung in der Appenzeller Schaukäserei in Stein dauert noch bis zum 6. September. Sie kann täglich während der Öffnungszeiten von 9 Uhr bis 17 Uhr (ab Mai bis 18.30 Uhr) besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. www.pirminbreu.ch www.schaukaeserei.ch