Jugendliche suchen das Risiko im Spiel

An der dritten Casino-Night der Jugendarbeit Wattwil und der Jugendarbeit Ebnat-Kappel konnten Jugendliche sich mit dem Glücksspiel auseinandersetzen. Der Unterrichtsraum im evangelischen Pfarrhaus Ebnat-Kappel war mit Hilfe Jugendlicher in ein Casino verwandelt worden.

Mirjam Bächtold
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Rot oder Schwarz? Es bleibt spannend, bis die Kugel endlich stillsteht. (Bild: Mirjam Bächtold)

Rot oder Schwarz? Es bleibt spannend, bis die Kugel endlich stillsteht. (Bild: Mirjam Bächtold)

EBNAT-KAPPEL. Poker, Black-Jack und Roulette: Am Freitag konnten Jugendliche bei der dritten Casino-Night in Ebnat-Kappel ihr Glück herausfordern. Organisiert haben den Anlass die Jugendarbeiten Wattwil und Ebnat-Kappel, um so Jugendlichen das Glücksspiel in einem geschützten Rahmen näherzubringen.

Sie heisst Lafortune – auf Deutsch Glück und Reichtum. Mit diesem Namen ist sie im Casino am richtigen Ort. Wer so heisst, muss einfach gewinnen. Die 14jährige Lafortune Biderbost ist eine von etwa 15 Jugendlichen, die am Freitagabend zur Casino-Night nach Ebnat-Kappel gekommen ist. «Ich habe schon Lotto gespielt und zweimal fünf Franken gewonnen. Sonst habe ich noch nie ein Glücksspiel ausprobiert», sagt sie. An diesem Abend will sie ihr Glück mit Poker versuchen.

Risiko im geschützten Rahmen

Es ist die dritte Casino-Night, die der Verein TEO-Netzwerk Jugendarbeit zusammen mit den Jugendarbeiten Ebnat-Kappel und Wattwil organisiert hat. Glücksspiel für Jugendliche? Da könnte man moralisierend den Zeigefinger heben und sagen, man soll sie nicht auf falsche Ideen bringen. «Hier steht nicht das Glücksspiel im Vordergrund, sondern das Zusammensein. In diesem Alter suchen die Jugendlichen Grenzen, die Herausforderung, das Risiko. Hier können sie die Spiele in einem geschützten Rahmen ausprobieren», sagt Anja Solèr vom Verein TEO-Netzwerk Jugendarbeit. Gespielt wird nicht um Geld. Jeder der Jugendlichen erhält zu Beginn 15 Jetons, wer edel gekleidet erscheint, sogar 20.

Schulden ohne Folgen

Wer alle Jetons verliert, darf Schulden machen, was an diesem Abend keine Konsequenzen hat. Die drei Spieler, die am Ende des Abends die meisten Jetons gewonnen haben, bekommen einen Einkaufsgutschein.

Die erste Casino-Night ist auf Initiative Jugendlicher entstanden. Sie wollten die Spiele gerne ausprobieren. «Im Jugendlager sind die Glücksspiele auch sehr beliebt. Dort hat es jedoch Konsequenzen, wenn jemand Schulden macht: Die muss er mit Abwaschen oder anderen Ämtchen wiedergutmachen», sagt Anja Solèr. Die Jugendlichen wurden in die Vorbereitung für die Casino-Night einbezogen. Gemeinsam mit Anja Solèr haben einige von ihnen den Unterrichtsraum im evangelischen Pfarrhaus Ebnat in ein Casino verwandelt, die Wände geschmückt, farbige Scheinwerfer aufgestellt und die Spieltische vorbereitet.

Fingerspitzengefühl gefragt

Jetzt füllt sich das Casino, immer mehr Jugendliche tauchen auf. Lafortune sitzt neben dem Wattwiler Jugendarbeiter Sam Roth, der ihr die Regeln des Texas Hold'em Poker erklärt. Sie ist vorsichtig und setzt nur wenige Chips in der ersten Runde. Eine gute Entscheidung: Ein anderer Spieler sahnt alles ab. Auch in den nächsten Runden hat Lafortune kein Glück. «Wieso habe ich diesen Namen? Er nützt nichts», ruft sie entrüstet aus.

Auch Ibrahim Saylan hat dieses Jahr kein Glück beim Pokern. «Letztesmal habe ich gewonnen. Alle dachten, ich bluffe, aber ich habe alle abgezockt», sagt der 20-Jährige stolz. Jetzt geht er lieber zum Black-Jack-Tisch und hofft, dass er dort mehr Glück haben wird.

Bei Roulette zählt nur das Glück

An einem Tisch in der Ecke ist nicht nur Glück, sondern auch Fingerspitzengefühl gefragt, um zu siegen. Drei Knaben ziehen Holzklötzchen aus dem Jenga-Turm und hoffen, dass er stehen bleibt. Wer gewinnt, erhält die gesetzten Jetons.

An den Tischen sitzen Leiter des Jugendtreffs und leiten die Spiele. Besonders beliebt ist der Roulette-Tisch. «Ich setze auf Rot und auf Schwarz. Dann gewinne ich bestimmt», sagt eine Jugendliche. Doch nach der ersten Runde merkt sie, dass diese Taktik nichts bringt. Der Grund: Bei Roulette nützt die beste Taktik nichts: Ob man nun immer auf dieselbe Farbe setzt oder jedesmal auf eine andere Zahlengruppe, man braucht einfach Glück, um zu gewinnen.

Leon räumt ab

Der 12jährige Leon Oergel scheint es gepachtet zu haben. Er setzt jedesmal auf eine andere Zahlengruppe. Seine Jeton-Stapel wachsen und bald hat er 400 Chips gewonnen. Er setzt neue Chips, formt seine Hände zu Fäusten, hält sie sich vor den Mund und wagt kaum zu atmen. Gebannt beobachtet er die Kugel. «Es dauert einfach zu lange, bis sie endlich stillsteht», sagt er. Und dann die Erleichterung und die Freude, als er sieht, dass er schon wieder gewonnen hat. Am Ende des Abends besitzt er 2550 Jetons und bekommt einen Einkaufsgutschein.