Jugendarbeit
Kanton ändert Einstufung: Einige Ausserrhoder Jugendtreffs sind wieder offen

Nachdem die meisten Jugendtreffs in Ausserrhoden zuletzt geschlossen blieben, sind einige wieder geöffnet. Aber noch nicht alle. In manchen Gemeinden wartet man auf weitere Lockerungen.

Yann Lengacher
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Jugendräume gelten in Ausserrhoden als soziale Einrichtungen, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen.

Jugendräume gelten in Ausserrhoden als soziale Einrichtungen, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen.

Bild: SGT

Seit Mittwoch ist der Jugendtreff Heiden wieder geöffnet. Er folgt damit unter anderen auf die Treffs in Herisau und Teufen. Sie sind dem Kanton neu als soziale Einrichtung gemeldet. Damit gelten für diese Jugendtreffs folglich die bestehenden Regeln für soziale Einrichtungen: Für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre besteht die Fünf-Personen-Regel nicht. Auch dürfen Jugendliche ab 16 Jahren in einer sozialen Einrichtung mehr als zu fünft sein, sofern eine bestimmte Anzahl Quadratmeter pro Person zur Verfügung steht.

Das Ausserrhoder Arbeitsinspektorat hat die Jugendtreffs zunächst als Veranstaltungen im Freizeitbereich eingestuft – und damit der Fünf-Personen-Regel unterstellt. Die meisten Ausserrhoder Jugendtreffs blieben unter dieser Regel geschlossen.

In Ausserrhoden können sich Jugendtreffs seit dem 11. Februar als soziale Einrichtungen beim Kanton melden. Damit Jugendtreffs als soziale Einrichtungen gelten, müssen sie aber bestimmte Bedingungen erfüllen, die der Kanton vorgibt. Dafür braucht es einen sozialpädagogischen Auftrag einer Gemeinde oder der Landeskirche. Die Jugendtreffs müssen durch eine Fachperson betreut sein. Ausserdem müssen im Jugendtreff bestimmte Aktivitäten wie Suchtprävention oder Beratung stattfinden. Es gilt ein Schutzkonzept. Ob ein Jugendtreff geöffnet wird, entscheidet letztlich die jeweilige Gemeinde. Die offene Kinder- und Jugendarbeit liegt in Ausserrhoden in der Kompetenz der Gemeinden.

In Speicher bleibt der Jugendtreff geschlossen

Paul König, Gemeindepräsident von Speicher

Paul König, Gemeindepräsident von Speicher

Bild: PD

Anders als in Herisau oder Teufen bleiben die Jugendtreffs in Bühler und Speicher vorerst geschlossen. Der Jugendtreff «Le Coin» in Speicher bis mindestens 28. Februar. Der Speicherer Gemeindepräsident Paul König begründet dies wie folgt: «Mit dem Entscheid des Lockdowns im Dezember haben wir die Schliessung bis Ende Februar entschieden. Darauf kommen wir nicht zurück. Für uns steht momentan die Vermeidung von Ansteckungen im Vordergrund.» Stattfinden könne Jugendarbeit in Speicher trotz des geschlossenen Jugendtreffs, sagt König. Die Jugendarbeiter blieben mit den Jugendlichen im Kontakt. Die Jugendarbeit fände auch jetzt im etwas kleineren Rahmen statt, beispielsweise im Freien.

Im März könnten weitere Jugendtreffs öffnen

Gemäss Paul König werde der Speicherer Gemeinderat die Situation neu beurteilen, sollten weitere Lockerungen feststehen. Auch in Bühler wartet man auf eine neue Ausgangslage. Lockerungsschritte hat der Bundesrat jüngst am Mittwoch in einer Pressekonferenz angekündigt. Der Bundesrat möchte Angebote der Kinder- und Jugendarbeit wieder zugänglich machen. Ausserdem will er die Altersgrenze für kulturelle und sportliche Aktivitäten von 16 auf 18 Jahre anheben. Diese ersten Lockerungen könnten ab erstem März Realität sein. Definitiv entscheidet der Bundesrat am 24. Februar über die nächsten Schritte. Zuvor findet eine Konsultation mit den Kantonen statt.

Zuletzt Kritik am Ausserrhoder Weg

Dass Ausserrhoden die Jugendtreffs zuerst der Fünf-Personen-Regel unterstellte, sorgte für Verwirrung und führte zu medialer Kritik von verschiedenen Jugendarbeitern. Der Kanton begründet die erste Einstufung der Jugendtreffs als Freizeitlokale damit, dass für eine Einstufung der Jugendtreffs als soziale Einrichtungen eine Prüfung nötig war. Dies sei nötig gewesen, weil die Jugendarbeit in der Verantwortung der Gemeinden liege. Fehler in der Kommunikation mit den Ausserrhoder Jugendarbeitern will der Kanton keine begangen haben. In der Pandemie dauere es ein paar Tage, bis vom Bundesrat zum Jugendtreff alles klar sei. Die Haltung des Kantons sei stets die gleiche gewesen und richte sich nach den Verordnungen des Bundes.