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JUBILÄUM: Oberturner drohte mit Rücktritt

Die Männerriege des Turnvereins Wattwil feiert 2018 ihr 100-Jahr-Jubiläum. Die Zeit ab dem Zweiten Weltkrieg bis zum 50-Jahr-Jubiläum 1968 war mit vielen Schwierigkeiten verbunden.
Teilnahmen an Turnfesten gehörten bei der Wattwiler Männerriege zum festen Jahres- programm.

Teilnahmen an Turnfesten gehörten bei der Wattwiler Männerriege zum festen Jahres- programm.

Der Turnstundenbesuch ging 1939 zurück, weil einige Männerriegler Luftschutzdienst leisten mussten. Infolge des Beginns der Umbauarbeiten an der Turnhalle fanden die Turnstunden bis auf Weiteres im Volkshaus statt. In der Turnstunde vom 17. April 1939 ermahnte der Präsident die Mitglieder absolute politische Neutralität innerhalb des Vereins zu wahren. Im Protokoll vom 11. September 1939 notierte der Aktuar: Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Schweizer Armee mobilisiert. Auch viele Männerriegler mussten einrücken.

Turnhalle und Säle waren durch das Militär belegt

Die Mobilisation hatte zur Folge, dass die Turnhalle und sämtliche Säle in Wattwil durch das Militär belegt waren. Deshalb konnte der Turnbetrieb nur noch in sehr bescheidenem Rahmen aufrecht erhalten werden, zeitweise musste er sogar ganz ausfallen. Durch freie Zusammenkünfte alle 14 Tage versuchte die Männerriege, den Zusammenhang zu erhalten. An der Sitzung vom 23. Februar 1940 beschloss man, die Kameraden im Wehrkleid mit «Soldatenpäckli» zu überraschen. Die Turnstunden konnten teilweise ins Vereinszimmer des Volkshauses verlegt werden. Die Turnhalle war in dieser Zeit nicht geheizt. Auf das Geräteturnen musste deshalb verzichtet werden. Es wurden vermehrt Frei- und Laufübungen angeboten. An der HV 1941 wurde der Turnbetrieb ziemlich kritisch hinterfragt. Stein des Anstosses bildete die lange Dauer der Freiübungen, denn eine Stunde war an der Tagesordnung. Viele Turner erschienen deshalb später, um das volle Programm zu umgehen, was den gut vorbereiteten Oberturner ärgerte. Er drohte sogar mit Rücktritt.

In den Kriegsjahren waren die Wahlgeschäfte öfters nicht einfach. 1942 wählte man den neuen Präsidenten und den Kassier, trotz kategorischer Ablehnung einer Wahl, einstimmig durch «Erheben von den Sitzen» in ihre Ämter. Die Faustballer der Männerriege waren 1942 und 1943 sehr erfolgreich. Sie holten sich zweimal den Titel eines Toggenburger Meisters.

Für den Jubiläumsabend 1943 im Restaurant Sonne (heute Restaurant Peanuts) wurde eine Zweimann-Tanzmusik engagiert. Mit einer Polonaise, Unterhaltungsspielen und Tanz startete das Programm. Es folgten der Jubiläumsbericht sowie ein vom ehemaligen Präsidenten Robert Knöpfel verfasster Bericht über lustige Reminiszenzen der vergangenen 25 Jahre.

Wurst- und Zopfjassen als fester Bestandteil

Weitere Sketches und Produktionen sorgten für gemütliche und humorvolle Unterhaltung. Der Aktiv-Turnverein überreichte der Männerriege als Geschenk einen Faustball im Wert von 30 Franken. Am 3. Januar 1946 fand das erste Zopfjassen der Riege im Café Graf statt. Als Jasschef amtete Präsident Walter Bohren, paradoxerweise selbst Nichtjasser. Alle waren sich einig, dass eine gelungene Veranstaltung aus der Taufe gehoben wurde. Der Berichterstatter Karl Imholz schrieb dazu: «Also konnt’ das Spiel beginnen, bei dem man konnt’ den Zopf gewinnen. Dem das Glück war hold und der vom Pech verfolgt. Klopfen durfte jedermann, wenn er den Zopf auch nicht gewann. Oft war die Spannung gross, denn ein Pünktlein bloss, konnte die Entscheidung bringen, ob verlieren oder gewinnen. Ja, man jasste unverdrossen, bis der Abend war verflossen.» Das Wurst- und Zopfjassen war während vieler Jahre fester Bestandteil im Jahresprogramm und wurde später durch die Männerriege-Jassmeisterschaft abgelöst, welche auch heute noch durchgeführt wird. Zum Jahresprogramm der Riege gehört seit eh und je die Teilnahme oder Mithilfe am Turnerabend (früher Schauturnen) des Aktiv-Turnvereins. Die Besucher erwarteten jeweils mit Spannung die lustigen Darbietungen der Männerturner. Nachfolgend sind einige Beispiele dieser Auftritte erwähnt: «Bajazzo-Reigen», «Globi im Landdienst», «mer pflanzet a», «Dick- und Dünn-Reigen», «die fidelen Nigger», «4 Burä = zwei Hundert» und andere mehr. An der Hauptversammlung vom 16. März 1953 ersetzte man die Statuten von 1930 durch ein neues Reglement. 1961 wurde die erste, vierköpfige Turnfahrtskommission der Männerriege gewählt. Sie bestand ihre Feuertaufe mit der Organisation der Turnfahrt ins Brandnertal und wurde zum Lünersee ausgezeichnet. Am 26. Mai 1961 turnte die Riege erstmals in der neuen Grüenauturnhalle. Vor dem Umzug verschönerte die Männerriege die grauen Wände der Militärunterkunft in Fronarbeit. Die Einführung einer Jasskasse wurde an der HV 1962 beschlossen. Damit hatten die Mitglieder die Möglichkeit, das nötige Sackgeld für die Turnfahrten zu sparen.

Mit mehreren Spezialsitzungen bereitete man den Jubiläumsabend «50 Jahre Männerriege Wattwil» im grossen Volkshaussaal vor. Zur Feier am Samstag, 8. Juni 1968 waren alle aktuellen und ehemaligen Mitglieder mit Anhang, alle Mitglieder der übrigen Riegen des Turnvereins, Delegationen der Nachbarvereine und Ehrengäste eingeladen. Der von Präsident Leo Krapf verfasste Jubiläumsbericht wurde in drei Teilen vorgetragen und mit inter-essanten Dias aus den entsprechenden Epochen untermalt. Nebst den Ehrungen der ehemaligen Präsidenten, Oberturner und ältesten Mitglieder aus dieser Zeit, wurde das Programm durch turnerische und humoristische Nummern der einzelnen Riegen aufgelockert.

Mangels Interesse und Spieler wurde die Faustball-Spielgruppe 1968 aufgelöst. Als Ersatz schlug Spielleiter Hermann Bösch vor, Volleyball in der Männerriege einzuführen. Aus diesem Grund besuchten 1968 zwei Mitglieder einen Volleyballkurs um Technik und Regeln dieses neuen Spiels besser kennen zu lernen. (pd)

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