JUBILÄUM: Ergotherapie befähigt Menschen

Der Verein Ergo Toggenburg ist 50 Jahre alt. Das Angebot hat sich seit 1967 stetig verändert, der Name ebenfalls, und das Team muss heute vielfältigen Bedürfnissen gerecht werden.

Cecilia Hess-Lombriser
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Das Team von Ergo Toggenburg: Isabell Taraba, Fachliche Leitung (rechts aussen), informierte über die vielfältige und herausfordernde Tätigkeit des Vereins. (Bild: PD)

Das Team von Ergo Toggenburg: Isabell Taraba, Fachliche Leitung (rechts aussen), informierte über die vielfältige und herausfordernde Tätigkeit des Vereins. (Bild: PD)

Cecilia Hess-Lombriser

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Am Mittwoch, 10. Mai, hat der Verein Ergo Toggenburg seine Mitgliederversammlung. Im Anschluss wird das neue Projekt «EduKation Demenz», Entlastung durch Förderung der Kommunikation bei Demenz, vorgestellt. Es geht dabei um eine überprüfte Schulung von Angehörigen von Menschen mit Demenz.

Vor 50 Jahren begann, was heute ein völlig neues Gesicht hat. Der Verein ist zwar erst 1991 gegründet worden, doch der Start war bereits 1967. Damals wurde die Beratungsstelle für cerebrale Bewegungsstörung in Wattwil gegründet, die 1992, nach der Gründung des Vereins, in Beratungs- und Therapiestelle für Kinder mit Bewegungsstörungen umbenannt wurde. Seit fünf Jahren heisst der Verein Ergo Toggenburg. Er bietet seine Dienstleistungen für das ganze Toggenburg und bis nach Wil an. Mehrheitlich für Erwachsene.

In den Anfängen war eine Physiotherapeutin in einem Raum des Spitals Wattwil tätig. Die erste Ergotherapeutin nahm ihre Arbeit im Jahr 1973 auf.

Heute arbeiten 13 Ergotherapeutinnen und -therapeuten an der Wigetstrasse in Wattwil, am Spital Wattwil, in der Zweigstelle Degersheim und für Thurvita in Wil. Isabell Taraba hat die fachliche Leitung inne, Esther Städler die administrative Leitung. Präsidiert wird der Verein von Patrick Zollinger, Ebnat-Kappel. Isabell Taraba arbeitet seit drei Jahren in Wattwil und berichtet von der anspruchsvollen Arbeit der Ergotherapeutinnen und -therapeuten mit Erwachsenen und Kindern. Das eigene Leben zu meistern, ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Ein Unfall, ein Hirnschlag, eine Krankheit oder Demenz kann alles oder einiges verändern. Sich selber waschen oder anziehen, die täglichen Hausarbeiten erledigen oder Haustiere füttern wird schwierig oder gar unmöglich. Hier setzt die Ergotherapie an, die meistens ein Arzt verordnet und auch von den Krankenkassen bezahlt wird. «Wir machen eine Befundaufnahme, schauen, was der Klient, die Klientin selber kann, was nicht, welche Hilfsmittel nützlich sein, welche Abläufe optimiert werden könnten, was trainierbar ist und wer gewisse Aufgaben übernehmen könnte», erklärt Isabell Taraba.

Der Bedarf an Ergotherapie steigt stetig

«Die Physiotherapie kümmert sich um die Muskeln und die Bewegungen und wir um die Bewegungsabläufe im Alltag, um die Erhaltung und Förderung der Selbstständigkeit», fasst Taraba die Ziele der Ergotherapie zusammen.

In der täglichen Arbeit mit Patienten sind die Aufgaben äusserst vielfältig, und es geht immer um den ganzheitlichen Menschen in seinem Umfeld. Die Ergotherapeutin beobachtet genau, nimmt achtsam wahr, überlegt in jeder einzelnen Situation neu, was unterstützend sein könnte, improvisiert, übt mit den Menschen, schafft Strukturen, stellt Hilfsmittel zur Verfügung. «Für die Abklärung nehmen wir uns zwei Stunden Zeit», betont die Fachfrau und zeigt damit, wie sorgfältig mit dem Auftrag umgegangen wird. Die Erfahrungen der Ergotherapie haben gezeigt, dass es sich lohnt, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen und zu fördern. Den Menschen geht es besser, wenn sie tätig sein und selbstständig handeln können. Und die Tatsache, dass heute gegen 90 Prozent der Klienten Erwachsene sind, zeigt, dass sich in den 50 Jahren der Geschichte der Ergo Toggenburg so ziemlich alles verändert hat. «Heute macht man etwas», ist die Erklärung von Isabell Taraba. Der Bedarf an Ergotherapie steige laufend, und entsprechend seien auch die Stellenprozente gestiegen. Im Moment sind es 1000, die sich 13 Ergotherapeutinnen teilen. «Ich beschäftige mich viel mit der Personalsuche», verrät die Verantwortliche. Die Ergo Toggenburg ist in den Bereichen Pädiatrie, Neurologie, Geriatrie und Handtherapie tätig. Kinder mit ADHS, ADS, verzögerter Entwicklung oder mit motorischen Störungen kommen in die Ergotherapie. Bei den Erwachsenen nimmt der Anteil von alten Menschen zu. Die Demenz ist ein grosses Thema, und hier hilft die Ergotherapeutin auch beim Übergang ins Pflegeheim und bei der Integration in der neuen Umgebung. Sie geht zu den Menschen nach Hause und in die Heime. «Die Ergotherapeutinnen sind frei in der Gestaltung der therapeutischen Massnahmen. Zeitlich wendet sie für jeden Besuch 50 Minuten bis eine Stunde auf», informiert Isabell Taraba. Dabei geht es einerseits um Alltagsverrichtungen, um Mobilisation, Anleitung zur Selbsthilfe, aber auch ums Zuhören, Ermutigen, um Lob und Motivation. «Vieles ist im Hirn ungenutzt. Wir wollen mit unserer Arbeit diese Areale aktivieren und neue Vernetzungen anregen.» Hier helfen die laufend neuen Erkenntnisse aus der Wissenschaft.

Neuste Erkenntnisse werden eingebracht

Ergotherapeutinnen studieren drei Jahre an der ZHAW in Winterthur. Einfühlungsvermögen, Empathie, Flexibilität, eine schnelle Auffassungsgabe, Spontanität, Kreativität und die Fähigkeit, auf unvorhersehbare Situationen zu reagieren, sind einige der Fähigkeiten, die Menschen für diesen Beruf mitbringen sollten. «Unser Team leistet gute Arbeit und bringt die neuesten Erkenntnisse, die es an Weiterbildungen vermittelt bekommt, in seiner Arbeit ein, um die Menschen weiterzubringen», lobt Taraba. Sie selber weiss um die Fähigkeiten des Personals und kann es entsprechend zuweisen.