JUBILÄUM DER GROB KIES AG: Kies als Wattwiler Konstante

Vor 150 Jahren begann in Wattwil mit dem Bau des Hotels Jakobshof die Firmengeschichte der heutigen Grob Kies AG. Diese ist geprägt von Veränderungen, doch eines blieb immer gleich: Schon immer wurde in ihrem Namen Kies transportiert.

Ruben Schönenberger
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Mit ihm hat alles begonnen: Jakob Grob-Menzi kam 1841 auf die Welt.

Mit ihm hat alles begonnen: Jakob Grob-Menzi kam 1841 auf die Welt.

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger

@toggenburgmedien.ch

Als Jakob Grob-Menzi im Juni 1867 in Wattwil eine gewerbliche Tätigkeit aufnahm, dachte er vermutlich nicht daran, dass sich ein Journalist 150 Jahre später noch dafür interessieren würde. Und schon gar nicht, dass rund 2500 Personen zur Jubiläumsveranstaltung ins Kies- und Betonwerk Sägenbach in Bütschwil strömen (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete). Die Geschichte des Unternehmens ist aber durchaus eine Erzählung wert. Auch, weil sie von der Motorisierung des Transportwesens erzählt, genauso wie von den Klippen, die ein Familienunternehmen im Laufe der Jahre umschiffen muss.

Den Grundstein der Firma legte Jakob Grob-Menzi gleich mehrfach. Er baute in Wattwil das Hotel Jakobshof, dort, wo heute das Geschäft Vögele Shoes steht. Er war jedoch gleichzeitig auch Bauer, Zimmermann und Wirt. Vor allem aber trat er bereits als Fuhrhalter sowie Heu-, Holz- und Kieslieferant auf. Der Transport geschah damals natürlich noch mit Pferd und Wagen. Im Jahr 1900 übergab Jakob Grob-Menzi das Geschäft seinem Sohn Walter. «In der Zeit wurde die gewerbliche Tätigkeit nicht stark ausgedehnt», sagt Jacques Grob heute. Er führte die Firma in vierter Generation. Heute amtet er zwar noch als Verwaltungsratspräsident, die operative Leitung hat er aber zum 150-jährigen Jubiläum abgegeben. Die fünfte Generation soll weiterführen, was vor allem in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen und in den Folgejahren Konturen annahm.

Nebeneinander von Pferden und Lastwagen

1925 setzte die Motorisierung langsam ein. «Lange Zeit gab es danach aber ein Nebeneinander von Pferd und Motor», erinnert sich Jacques Grob. «Ich kann mich noch an aktive Fuhrmänner im Betrieb erinnern.» 1940 wird der Betrieb auf die drei noch lebenden Söhne von Walter Grob aufgeteilt. Der gleichnamige Sohn übernimmt die Landwirtschaft, Ernst Grob die inzwischen gegründete Niederlassung in Sargans und Jakob Grob den Betrieb in Wattwil, aus dem schlussendlich auch die heutige Grob Kies AG hervorging. «Die Niederlassung in Sargans wurde zu einem separaten Betrieb. Wir hatten ein gutes Verhältnis, aber damals war die Distanz zwischen Wattwil und Sargans noch bedeutender», sagt Jacques Grob. «Wir haben uns gegenseitig geholfen, aber ein Lastwagen blieb dann in der Regel gleich länger am anderen Ort.» Eine Aushilfe für einen einzelnen Tag hätte sich damals nicht gelohnt.

Die Unternehmung beginnt nun auch, eigene Kieswerke zu erstellen. Die ersten entstehen in Wattwil und Lichtensteig. Mit den eigenen Lastwagen wird aber nicht nur der abgebaute Kies transportiert, sondern auch andere Handelswaren, wie zum Beispiel Petrol, damals noch für die Firma Esso. 1960 wird der Kiesabbau entlang der Thur verboten – überraschend, wie Jacques Grob sagt. Die Firma investiert deshalb in ein neues Kieswerk in Bütschwil, das 1964 eröffnet wird. Weil die Investitionen dafür so gross sind, entsteht erstmals in der Firmengeschichte eine Aktiengesellschaft. In der Region entstehen gleichzeitig mehrere solcher Werke. «Man hatte damals etwas Angst voreinander», sagt Jacques Grob heute. Deshalb gründeten acht Unternehmungen die Vereinigte Kieswerke AG Wil. 1985 musste diese aber die marktordnenden Tätigkeiten bereits wieder einstellen, weil das Kartellgesetz verschärft wurde. «Die Lage war ähnlich wie beim besser bekannten Bierkartell», beschreibt Jacques Grob die Situation. Dieser war damals schon selbst am Ruder. Er trat 1970 in das Unternehmen ein und übernahm immer mehr Verantwortung. «Es war eine schleichende Nachfolge», sagt er. «Eigentlich wollte ich ein Studium absolvieren, wurde aber etwas in die Nachfolge gedrängt.» Dafür hätte er aber auch sofort viel Verantwortung erhalten.

Zu dieser Verantwortung gehört auch, die Rohstoffbasis sicherzustellen, die nach dem Ende der Vereinigten Kieswerke verloren ging. Deshalb übernimmt die Firma die Kieswerke in Nassen und in Degersheim. Doch auch hier stösst die Firma bald auf Probleme. «Der Kanton hat lange die Abbaugebiete nicht im Richtplan geregelt», sagt Jacques Grob. «Es kam zu einem Bewilligungsstau und wir erhielten keine Bewilligungsverlängerung.» Heute seien diese Verfahren aber bedeutend schneller.

Versäumnis des Vaters ausmerzen

Ebenfalls in der Verantwortung von Jacques Grob lag es, ein Versäumnis seines Vaters auszumerzen. Bereits beim Bau des Kieswerks in Bütschwil sei dieser damals darauf aufmerksam gemacht worden, er solle eine nachgelagerte Betonproduktion mitplanen. Jacques Grob holte das Ende des letzten Jahrtausends nach. Eine strategische Weichenstellung, wie er sagt. «Das Kieswerk hatte davor nur wenige grosse Kunden. Das war ein Klumpenrisiko.» Zu der operativen Verantwortung gesellte sich 2001 auch die finanzielle. Jacques Grob wurde zum Alleinaktionär der Grob Kies AG. «Meine Geschwister konnte ich nur auszahlen, indem ich mich hoch verschuldet habe», sagt er. «Unser Geschäft ist sehr kapitalintensiv, weil die Laufzeiten an einem Abbauort so lang sind.» Damit die Firma bei einer späteren Erbteilung unter seinen Kindern nicht auseinandergerissen werden kann, wird die AG bereits sechs Jahre später in eine Familienstiftung eingebracht. «Aktien könnte man einzeln verkaufen, in der Stiftung ist Einstimmigkeit zwingend», erklärt Jacques Grob die Gründe.

Das Firmenkonstrukt ist nicht nur deshalb nicht einfach zu verstehen. Weil in der Schweiz das Gefäss der Familienstiftung gar nicht existiert, ist diese auf dem Papier im Fürstentum Liechtenstein beheimatet. Um den steuerlichen Erfordernissen der Behörden zu genügen, liegt die Grob AG selbst aber eigentlich in einer Holding, die in der Schweiz domiziliert ist. Erst diese Holding ist dann im Besitz der Stiftung. Zur komplizierten Struktur beigetragen hat auch, dass die Grob Kies AG über die Jahre verschiedene Firmen aufgekauft hat. In den Bereichen Baustoff und Bauunternehmen sind mittlerweile neun Unternehmen unter dem Dach der Grob Kies AG zuhause. Die operative Leitung dieser AG hat Jacques Grob wie erwähnt zum 150-jährigen Jubiläum abgegeben. In die zweiten 150 Jahre steuert das Unternehmen mit Franziska Sabljo-Grob als Geschäftsführerin, Simon Grob als operativem Leiter und Damir Sabljo als Finanzchef.