Josef Manser «Mölpis Sepp»: Ein kreativer Tausendsassa

Der Bauernmaler Josef Manser «Mölpis Sepp» wäre am 26. Februar hundert Jahre alt geworden. Ein Rückblick auf ein langes, aktives Leben.

Rosalie Manser-Brülisauer
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Die inzwischen verstorbenen Josef und Lena Manser-Hautle waren 69 Jahre verheiratet. Mit der Gründung einer Stiftung 1993 wollten sie das künstlerische Werk des «Mölpis Sepp» für die Nachwelt erhalten. (Bild: pd)

Die inzwischen verstorbenen Josef und Lena Manser-Hautle waren 69 Jahre verheiratet. Mit der Gründung einer Stiftung 1993 wollten sie das künstlerische Werk des «Mölpis Sepp» für die Nachwelt erhalten. (Bild: pd)

Brülisau/Appenzell. Am 26. Februar hätte der Bauernmaler Josef Manser, besser bekannt als «Mölpis Sepp», seinen hundertsten Geburtstag feiern können. Aus diesem Anlass findet vom 27. Februar bis 27. März 2011 in der Ziegelhütte in Appenzell eine «Mölpi-Ausstellung» statt, und am 26. Februar wird ein Buch vorgestellt, welches das umfassende künstlerische Schaffen von Josef Manser-Hautle aufzeigt (siehe Kasten). Josef Manser war nicht nur Bauernmaler, sondern Land- und Bergwirt, begnadeter Langläufer und nebenbei auch Gebetsheiler.

Immer wieder gezügelt

Geboren wurde Josef Manser am 26. Februar 1911 als drittes Kind des «Mölpis-Sebedöni» und der Marie Theresia Rusch «Zuuseböhlis» auf der Liegenschaft Gross-Himmelberg, Gonten. Eine Schwester starb im Alter von elf Jahren. 1919 zog die Familie erstmals um, ins Gebiet Unterrain in Appenzell, wo die Familie die Liegenschaft «Wilderenbüeblis» kaufen konnte. Da der Betrieb zu klein für eine Existenz war, erwarb Josef Mansers Vater ein Jahr später die Liegenschaft «Himmelisberg» in Herisau.

Durch die Maul- und Klauenseuche wurde dort der ganze Viehbestand weggerafft, was nach zwei Jahren einen erneuten Umzug der Familie notwendig machte. Vater Manser konnte schliesslich die Liegenschaft «Untere Soll-egg», Appenzell, in Pacht nehmen. Als 22-Jähriger kaufte der «Mölpis Sepp» von seinem Vater das Alprecht «Unterer Mesmer» ab. Zwei Jahre danach konnte er den Talbetrieb «Obere Webern», unterhalb des Klosterspitzes in Appenzell, zusätzlich in Pacht nehmen. 1935 heiratete er die Appenzellerin Lena Hautle. Von ihrem Vater konnte Josef Manser 1937 die Liegenschaft «Kollerers» in Kau, Appenzell, übernehmen. Bereits 1966 übergaben Josef und Lena Manser den Betrieb an deren Bruder. Das Paar bezog daraufhin ihr Altershöckli auf der Liegenschaft «Au» in Brülisau und gründete mit dem Besitzer des Hofes, Johann Brander, eine Art Wohngemeinschaft. Hier entstanden denn auch viele von Josef Mansers Bildern.

«Mesmer» dreimal aufgebaut

«De Mölpis Sepp» bewirtschaftete nicht nur einen Talbetrieb, sondern übernahm 1933 von seinem Vater das Alprecht auf dem Mesmer. Die Idee, dort hoch über dem Seealpsee ein Bergrestaurant zu erbauen, liess ihn fortan nicht mehr los. In ungezählten «Bodenen» trug er nach Erhalt der Konzession das Baumaterial von Wasserauen auf die Baustelle auf rund 1600 Metern über Meer. Bereits 1934 eröffnete Sepp Manser das Berggasthaus, doch schon nach einem Betriebsjahr schlug das Schicksal zu: Am 11. Februar 1936 brannte der «Mesmer» vollständig ab. Wiederum mussten mühsam rund 1100 Zentner Material auf den Berg gebracht werden. Josef und Lena Manser lag aber nicht nur die Bewirtung der Alpinisten am Herzen – Josef Manser zeichnete massgeblich für den Ausbau des Wegübergangs über die Aga-thaplatte zum Berggasthaus Meglisalp verantwortlich. 1945 wurde der «Mesmer» erneut zerstört. Dieses Mal demolierte eine Lawine das ganze Untergeschoss, und vom Dachstock wurde ein grosses Stück verschüttet. In der Folge machte sich Josef Manser ein drittes Mal daran, das Gasthaus neu zu erbauen. 1950 verkaufte er es schliesslich an Emil Inauen-Signer aus Appenzell.

Keine Schuhe fürs «Palace»

Während die Sommer klar dem Alp- und Wirteleben gewidmet waren, war Josef Manser während den Wintern oft und gerne auf den Skiern. War es anfangs der alpine Skisport, dem seine Begeisterung galt, wechselte er schon bald auf die Loipe. Josef Manser nahm vor allem während den Kriegsjahren erfolgreich an verschiedenen nationalen und internationalen Anlässen bei Patrouillen teil. So gewann er 1938 in Grindelwald und 1942 in Davos an der schweizerischen Armeemeisterschaft. Ein besonders eindrückliches Erlebnis war für den damals 30-Jährigen die Teilnahme an den Armeeweltmeisterschaften 1941 in Cortina d'Ampezzo. Diesen Einsatz ehrte General Guisan damals mit einer Einladung für die ganze Mannschaft in das Palace-Hotel in St. Moritz. Da die Schuhe von Josef Manser nicht den Anforderungen des noblen Hauses genügten, lieh im der Portier entsprechendes Fusskleid.

Liner als Lehrer

Die Grundbegriffe der Malerei erlernte Josef Manser von keinem Geringeren als von Kunstmaler Carl August Liner sen., der in seinen Jugendjahren ein Nachbar vom «Mölpi» war. Carl August Liner nahm Josef Manser und seinen um drei Jahre jüngeren Sohn Carl Walter Liner unter seine Fittiche, verbesserte deren Zeichentechnik und lehrte sie, Farben harmonisch in ein Bild umzusetzen. Die ersten bekannten Arbeiten vom «Mölpis Sepp» waren Bildtafeln mit Ölfarben gemalt. Vor allem fertigte er aber zahlreiche Eimerbödeli, die von Bauern und Sennen für ihre Fahreimer bei ihm bestellt worden sind. Das Holz für ein «Bödeli» mussten seine Auftraggeber übrigens immer selber auftreiben. Die erste «Mölpi»-Ausstellung fand erst 1986 auf private Initiative statt.

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