Johanneum schliesst zwei Betriebe

NEU ST. JOHANN. Ab dem Sommer werden im Johanneum keine Maurer und keine Metallbauer mehr ausgebildet. Die Schliessung der Lehrbetriebe geschieht, weil keine Lernenden gefunden wurden. Für die Zukunft sucht das Johanneum neue Partner, um jungen Berufsleuten neue Chancen zu bieten.

Sabine Schmid
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Das Johanneum schliesst nicht nur zwei Ausbildungsbetriebe, sondern bietet neue Berufsausbildungen an. (Bild: Sabine Schmid)

Das Johanneum schliesst nicht nur zwei Ausbildungsbetriebe, sondern bietet neue Berufsausbildungen an. (Bild: Sabine Schmid)

Die Ausbildungslandschaft in der Schweiz ist in einem grossen Wandel. Dies zwingt das Johanneum zum Handeln. «Wir müssen leider zwei unserer Ausbildungsbetriebe schliessen», bedauert der Ausbildungsverantwortliche Walter Knöpfel. Betroffen sind die Maurerei und der Metallbau. Schon seit längerer Zeit habe sich abgezeichnet, dass etwas gemacht werden müsse, erklärt er weiter, denn das Interesse an Lehrstellen in diesen Branchen war in den vergangenen Jahren gering. Sie hätten sich zwar bei den entsprechenden Branchenverbänden erkundigt, wo der Bedarf bei der Praktischen Ausbildung und bei der Attestausbildung wäre, trotzdem konnten die Betriebe nicht aufrechterhalten werden. Gerade der Beruf des Maurers habe sich in den letzten Jahren auch gewandelt, weiss Walter Knöpfel. Arbeiten, die früher ein weniger gut ausgebildeter Berufsmann ausgeführt habe, seien durch den technischen Fortschritt weggefallen oder werden vom Berufsmann selber ausgeführt.

Lehrzeit abschliessen

Zum mangelnden Interesse an diesen Berufen komme noch ein anderer Grund, fügt der Institutionsleiter des Johanneums, Franz E. Grandits, an: «Unsere Räumlichkeiten lassen keine zeitgemässe Ausbildung in diesen beiden Berufsrichtungen mehr zu.» Hätte man sich für eine Weiterführung entschieden, so hätte man für diese Betriebe einen anderen Werkhof respektive eine andere Werkhalle suchen müssen.

Walter Knöpfel betont, dass die aktuell Lernenden ihre Ausbildung aber wie geplant im Johanneum abschliessen können, nur nehme die Institution für den kommenden Sommer keine Maurer- und Metallbau-Lernenden auf. Für die beiden Mitarbeiter, die von der Schliessung betroffen sind, werden mögliche Anschlusslösungen geklärt, sagt Franz E. Grandits. «Wir bedauern diese Massnahme sehr, dennoch sind wir überzeugt, dass die Entscheidung im Blickwinkel der ganzen Abteilung Ausbildung Betriebe notwendig und richtig ist.»

Neue Berufe anbieten

Das Johanneum müsse vermehrt wie ein Privatunternehmen auftreten und handeln, fügt Walter Knöpfel an. Dies bedeute auch, dass die Lehrbetriebe jene Ausbildungen anbieten müssen, welche den Lernenden den späteren Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen. «Wir haben durchaus eine positive Entwicklung unserer Ausbildungsangebote und bauen diese auf den kommenden Sommer aus», sagt Walter Knöpfel. Neu werden eine Attest- oder EFZ-Ausbildung als Florist, eine Attestausbildung als Gärtner sowie im Garten- und Landschaftsbau, eine EFZ-Ausbildung als Gebäudereiniger oder Schreiner, eine Attestausbildung als Zimmermann, eine Attest- oder EFZ-Ausbildung als Büroassistent sowie eine Attestausbildung als Assistent Gesundheit und Soziales angeboten. Gerade im letztgenannten Bereich bildet das Johanneum seit jeher junge Menschen aus (Fachausbildung Gesundheit), seit diesem Jahr steht die Ausbildung nun auf Stufe Berufsattest auch IV-Lernenden offen, sagt Franz E. Grandits.

Neue Zielgruppen ansprechen

Die Institutionsleitung und die Pädagogische Kommission sind sich aber bewusst, dass dies nicht reicht, um die Zukunft zu sichern. Die seit 2013 geänderte Strategie der IV habe extreme Auswirkungen auf die Sprechung von Ausbildungen im geschützten Rahmen. Hansjörg Huser, Präsident der Pädagogikkommission, ist aber überzeugt, dass es gerade diesen Ausbildungsbereich zwischen der freien Wirtschaft und dem geschützten Rahmen brauche, damit Jugendliche mit einem Defizit nicht zwischen Stuhl und Tisch fallen. «Einige sind vom schnellen Wechsel zwischen Schule und Lehre überfordert», weiss Hansjörg Huser, der ebenfalls Schulratspräsident von Nesslau ist.

Er unterstützt daher die Bestrebungen des Johanneums, sich nebst der IV andere Partner zu suchen, um für Jugendliche, die aus dem System herauszu- fallen drohen, eine Lösung zu bieten. Er könne sich gut vorstellen, mit Integrationsdiensten, dem Schulpsychologischen Dienst oder auch dem RAV zusammenzuarbeiten, sagt Hansjörg Huser. Seine Erfahrung zeigt ihm, dass sich die Klientel verändert hat. War das Johanneum früher für Menschen mit einer geistigen Behinderung da, haben die Jugendlichen heute psychische Erkrankungen, Lernstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten.

Hansjörg Huser betont aber, dass diese Ideen noch Zukunftsmusik sind, denn schliesslich brauche es für solche Massnahmen immer auch eine Stelle, die diese finanziert. «Ich bin aber überzeugt, dass wir den jungen Leuten eine Startchance geben sollten». Institutionsleiter Franz E. Grandits glaubt auch, dass das Johanneum mit seinen Beziehungen in den ersten Arbeitsmarkt und mit seinem betreuten Wohnangebot viel dazu beitragen kann, Jugendlichen, die im ersten Arbeitsmarkt nicht Fuss gefasst haben, eine zweite Chance zu geben. «Aber», betont er, «der Jugendliche muss uns klar signalisieren, dass er willig ist.» Vorgesehen wäre dies als befristete Massnahme.

Walter Knöpfel, Ausbildungsverantwortlicher, Hansjörg Huser, Präsident der Pädagogikkommission, Franz E. Grandits, Institutionsleiter (von links).

Walter Knöpfel, Ausbildungsverantwortlicher, Hansjörg Huser, Präsident der Pädagogikkommission, Franz E. Grandits, Institutionsleiter (von links).