Johannes-Waldburger-Stiftung
«Die Zeit, die andere in ihren Nachwuchs investieren, habe ich für Ämter genutzt»: Fredi Züst prägt die Appenzeller Stiftungslandschaft

Nach einem Vierteljahrhundert tritt Fredi Züst aus dem Stiftungsrat der Johannes-Waldburger-Stiftung aus. Der 68-Jährige präsidiert weiterhin andere Stiftungen und Institutionen.

Ramona Koller
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Fredi Züst prägt die Ausserrhoder Stiftungslandschaft.

Fredi Züst prägt die Ausserrhoder Stiftungslandschaft.

Bild: PD

Blickt man auf die Appenzeller Stiftungslandschaft, kommt man um den Namen Fredi Züst nur schwerlich herum. Bereits während seiner Zeit als Marktgebietsleiter der UBS Appenzellerland, hatte Züst diverse Ämter in Stiftungen, Institutionen und Verwaltungsräten inne. «Ich bin seit 44 Jahren verheiratet. Kinder haben wir keine. Die Zeit, die andere in ihren Nachwuchs investieren, habe ich für diese Aufgaben genutzt», erklärt Züst.

Der 68-Jährige ist seit einigen Jahren pensioniert. Seit mehreren Jahrzehnten engagiert er sich in diversen Gremien. Für ihn seien die Ämter immer Ausgleich zum Berufsleben gewesen. «Ich bin froh, dass ich auch nach meiner Pension etwas Nützliches mit meiner Zeit anfangen kann», erklärt Züst. Er wisse aber auch, wann es Zeit ist, ein Amt niederzulegen. Per Ende Jahr tritt Züst als Präsident der Johannes-Waldburger-Stiftung (JWS) zurück. «Neue Leute bringen einen frischen Wind in die Organisationen, das ist wichtig», so Züst. Seine Nachfolge tritt der aktuelle Vizepräsident Fidel Cavelti an. Seit 1996 ist Züst Mitglied und seit 2003 Präsident des Stiftungsrats. Künftig will der Herisauer mehr Zeit in eines seiner Hobbys, das Reisen, investieren, sobald dies die Einschränkungen um Corona wieder zulassen. Obwohl er im vergangenen Jahr einige Ämter niedergelegt habe, werde er aber unter anderem zwei wichtige Funktionen, das Präsidium der Stiftung Sonneblick in Walzenhausen sowie jenes als Präsident der Verwaltung der Wohnbaugenossenschaft Hemetli, weiter bekleiden.

Wichtiger Seiten- und Perspektivenwechsel

Es habe ihn als berufstätigen Bankangestellten gereizt, einmal auf der anderen Seite zu stehen. «Der Seiten- und Perspektivenwechsel hat mir gut getan. Beruflich, aber auch privat», sagt Züst. Er habe schon immer die Meinung vertreten, dass man für das dankbar sein soll, was man hat. «Ich habe vor allem Zeit. Und die habe ich in den vergangenen Jahrzehnten gerne auch in gemeinnützige Arbeit investiert», so Züst.

Fredi Züst hatte und hat zahlreiche Ämter inne. Während 20 Jahren war er beispielsweise Kassier im Wohnheim Kreuzstrasse in Herisau.

Fredi Züst hatte und hat zahlreiche Ämter inne. Während 20 Jahren war er beispielsweise Kassier im Wohnheim Kreuzstrasse in Herisau.

Bild: PD

So beispielsweise während je über 20 Jahren als Kassier im Wohnheim Kreuzstrasse Herisau oder in der Pro Infirmis St.Gallen/Appenzell und eben im Präsidium des Stiftungsrats der JWS. Die Stiftung hat zum Zweck, Projekte, Menschen und Institutionen insbesondere in Herisau und Schwellbrunn zu unterstützen. In diesen beiden Gemeinden hat der vor bald 40 Jahren verstorbene Stifter und Architekt Johannes Waldburger gewohnt. Sein Wirkungsgebiet ging aber darüber hinaus. Auch in Wallisellen im Kanton Zürich realisierte Waldburger eine Überbauung. Diese rund 70 Wohnungen sind unter anderem eine wichtige Einnahmequelle der Stiftung.

Die JWS habe einige Besonderheiten an sich, erklärt Züst. Unter anderen setze man sich als Stiftungsrat nebst den Entscheidungen rund um die vielen Gesuchanfragen vielfach auch mit Themen um eine nachhaltige Entwicklung des Immobilienbestandes der Stiftung auseinander. Diese Arbeit ist Züst als Präsident der Verwaltung der Herisauer Wohnbaugenossenschaft Hemetli bestens vertraut. Auch der Wirkungsbereich der Stiftung sei speziell. So ist dieser sehr breit gefächert und die JWS kann verschiedenste Projekte und Institutionen in wissenschaftlichen, geistigen, kulturellen, sozialen, gemeinnützigen und sportlichen Belangen unterstützen. Jedoch muss ein Bezug zu Herisau oder Schwellbrunn bestehen. Abschliessend erwähnt Züst, dass alle Entscheidungen immer im Team erfolgen und so die übrigen Mitglieder des Stiftungsrates, insbesondere auch Willi Bösch als Geschäftsführer, einen ebenso grossen Anteil an dem für unsere Region wertvollen Wirken haben.

Stiftungen im Appenzellerland

Appenzell Ausserrhoden verfügt über eine vergleichsweise hohe Zahl an potenten Stiftungen. Laut der Website des Kantons gibt es rund 80 klassische Stiftungen, deren Zwecksetzung den Kanton betrifft und die nach ihrer Bestimmung dem Kanton angehören. Sie entwickelten sich grösstenteils in den letzten 30 bis 40 Jahren. Viele seiner wichtigsten Vergabestiftungen verdankt der Kanton kinderlosen Unternehmern und Persönlichkeiten wie zum Beispiel Dr. Heinrich Tanner oder eben Johannes Waldburger. (red) 

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