Joël Louis Jent und die Könige

WATTWIL. Der gebürtige Toggenburger Filmproduzent und Regisseur Joël Louis Jent stellt morgen den Dokumentarfilm Kings of the Gambia im Kino Passerelle Wattwil vor. Der Film handelt von einer Konzerttour durch das westafrikanische Land Gambia.

Patricia Wichser
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Morgen ist Filmpremiere des Dokumentarfilms Kings of the Gambia vom gebürtigen Mühlrütner Joël Louis Jent. (Bild: pd)

Morgen ist Filmpremiere des Dokumentarfilms Kings of the Gambia vom gebürtigen Mühlrütner Joël Louis Jent. (Bild: pd)

Wattwil. Joël Louis Jent kennt die Könige. Die Schwingerkönige seiner Toggenburger Heimat und die königlichen Musiker aus Gambia. Sein Kultur-Zerwürfnis hält sich in Grenzen. Er mag seine Heimat Mühlrüti genauso wie die Fremde. Einen weitaus grösseren Kultur-Clash erlebte die Zürcher Band King Kora in Joël Louis Jents Dokumentarfilm Kings of the Gambia, der die Band-Tournee in Gambia festhält.

Afrikanische Tradition belebt

Der Stamm der Griots unterhielt den gambischen König mit seiner Musik und hatte auch eine beratende Funktion. Sie beherrschten das Spiel auf der zwölfsaitigen, westafrikanischen Kora-Harfe. Bandleader Lamin Jorbatehs Familie gehörte diesem angesehenen Stamm an. Mit King Kora wird die afrikanische Tradition weitergelebt. Jedoch anders. «Die traditionelle Madinga-Musik wird mit europäischem Funk, Fusion und Soul gemischt», charakterisiert Joël Louis Jent die Musik der Band. In der Schweiz ist die afro-helvetische Band bekannt und erfolgreich. Doch wie kommt die Musik im anderen Kulturteil Gambia an?

Der Film Kings of the Gambia bringt unterschwellige Gefühle, Meinungen und Haltungen zum Ausbruch. Hatte Joël Louis Jent nie Angst, die Produktion kippe? «Doch das gab es schon», erklärt er. Vor allem die Probleme mit den vielen Protagonisten verlangten dem Produktionsteam einiges ab. So konnte der erste Schnitt nicht verwendet werden. Und auch die Finanzierung stand oft auf der Kippe. «Wir mussten sehr viel an Eigenleistung erbringen», blickt der Produzent zurück. Der Film wurde 2007 in 22 Tagen gedreht. 2010 kam er zum ersten Mal ins Kino. Nach Zürich, St. Gallen, Frauenfeld und Winterthur ist Kings of the Gambia nun auch in Wattwil zu sehen. Bei bisher sechs Filmen verantwortete der Toggenburger Regie und Produktion. Beim aktuellen Film hat er die Produktion von Regisseur David Vogel weitergeführt. Würde er den Film nochmals realisieren? «Ja, ich würde ihn nochmals produzieren, obwohl es nicht einfach war, die behandelten Themen auszuwählen», meint er.

Prominente Begleitung

Tagesanzeiger-Musikjournalist Thomas Wyss und DRS3-Redaktorin Marianne Berna begleiteten die Dreharbeiten. Reichen zwei Telefonate aus, um eine solche Medienpräsenz zu zaubern? «Nein, gar nicht», antwortet der 28-Jährige. Vielfach sei es ein Kampf um das Medieninteresse, schildert er. «Im Fall von Kings of the Gambia hatten wir den Vorteil, dass King Kora eine bekannte Band ist und dass dem DRS3-Team die Musik gefällt», sagt er. Der Dokumentarfilm erhielt viel positive Kritik – ist das für einen Produzenten nicht langweilig? «Nein, überhaupt nicht», stellt der Filmemacher klar. Es gab einen kritischen Artikel in der NZZ, doch dies betraf nicht die Dramaturgie und der Journalist missverstand anscheinend die Grundidee, nämlich die europäische Sichtweise und die afrikanische Realität zu dokumentieren. Die afrikanische Mentalität ist nicht nur manchmal chaotisch und ernüchternd, sie hat auch ihre tiefgründigen, charmanten und vor allem lebensfrohen Seiten. «Ich denke, der Film kommt beim Toggenburger Publikum gut an», meint der gebürtige Mühlrütner.

Premiere in Wattwil

In Wattwil wird der Film Kings of the Gambia morgen, Samstag zum ersten Mal gezeigt. Ab 19.30 Uhr sind die Kinobesucher zu einem Apéro eingeladen. Es besteht auch die Möglichkeit, den Produzenten Joël Louis Jent persönlich kennenzulernen. Auch Regisseur David Vogel und ein Teil der Band King Kora sind anwesend. Letztere werden anlässlich der Premiere einige Lieder vor Ort zum Besten geben. Kings of the Gambia ist zusätzlich noch am Sonntag, um 17 Uhr, sowie am Montag, um 20.15 Uhr, im Kino Passerelle zu sehen.