Jodelklänge aus dem Bunker

BÜTSCHWIL. Letzten Samstag drang Jodelgesang durch die Gemäuer der Zivilschutzanlage Bütschwil: Das Kinderjodelchörli Mosnang zeichnete einen Teil ihres Repertoires auf. «Der Zivilschutzraum eignet sich sehr gut für diese Art und Grösse der Aufnahme», so Ton-Fachmann Anton Lanz.

Patricia Wichser
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Das Kinderjodelchörli Mosnang zeichnete im Zivilschutzbunker in Bütschwil Tonaufnahmen für eine CD-Produktion auf. (Bilder: Patricia Wichser)

Das Kinderjodelchörli Mosnang zeichnete im Zivilschutzbunker in Bütschwil Tonaufnahmen für eine CD-Produktion auf. (Bilder: Patricia Wichser)

Während die meisten Kinder am Samstag die Ferien genossen, hatten die Mitglieder des Kinderjodelchörlis Mosnang anderes vor: Arbeiten für ihre neue CD. «Es war sehr streng», waren sich die grösseren Mädchen am Nachmittag mit einem Lächeln auf dem Gesicht einig. «Doch wir freuen uns, wenn die CD dann fertig ist.» Es ist schwieriger für Aufnahmen zu singen als für einen Auftritt. Die Stücke müssen perfekt sein, das erfordert, dass Sequenz um Sequenz mehrmals aufgenommen wird. Die Konzentration der Kinder wurde hart auf die Probe gestellt.

Na na na na…

Punkt 9 Uhr trudelten die 46 Mädchen und Knaben im Gruppenraum ein. Jedes nahm seinen Platz ein. Es wurde geplaudert, gelacht und gescherzt. Stefan Segmüller begrüsste die Kinderschar und gab Aufschluss über den Ablauf. Hände schütteln, Füsse bewegen, Nacken dehnen – alles war der Gruppe bekannt und es wird leise weiter geplaudert. Dann die erste Stimmbandübung: summen. Die Knaben mit dem obligaten «Formel-1-Nachahmergeräusch».

Dann die erste Tonabstimmung: «mmmmm». Es ist mucksmäuschenstill. «Jetzt ein bisschen höher», wies Stefan Segmüller an und gab den richtigen Ton an. Dann folgte die Tonleiter rauf und runter. Der Dirigent legt Wert auf ein sorgfältiges Einstimmen. «Die Stimmbänder werden vorbereitet, angewärmt und die Jodler werden weniger stimmmüde», erklärte er.

Nach einer Viertelstunde war Pause und die Kinder stürmten an die Tische im Foyer, wo Rivella, Zopf und «Schoggi-Brügeli» bereitstanden. «Die Kinder hatten teilweise nicht gefrühstückt und einige hatten Durst», erklärte Stefan Segmüller die verfrühte Unterbrechung. Als bei allen der Blutzuckerspiegel wieder stimmte, wurde fortgefahren. «Für den Naturjodel rechnen wir gegen eine Stunde», prognostizierte der Kirchberger.

Mobiles Tonstudio

Zur gleichen Zeit verfolgte Anton Lanz in seinem mobilen Tonstudio das Geschehen in der Zivilschutzanlage. Er war via Ton und Bild mit dem Aufnahmeraum verbunden. Kennengelernt hatte Anton Lanz das Chörli bei den Aufnahmen zu Hopp dä Bäse. «Es ist eine richtige Rasselbande. Aber das ist normal», erklärte er gelassen. Vielleicht ist das der Grund, warum zwischen dem Kinderjodelchörli, Stefan Segmüller und Anton Lanz die Chemie sofort stimmte.

Anton Lanz arbeitet seit 1981 selbständig als Tontechniker und ist auch für Radio rumantsch, Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen unterwegs. Sein Mobil ist mit der neusten Technik ausgerüstet, so kann er in Surround- und Stereomodus aufnehmen. Auch die Nachbearbeitung und das Schneiden erledigt er direkt in seinem mobilen Tonstudio. Kein Wunder strecken ab und zu die Mädchen und Knaben die Nasen rein, um die digitale Wunderwelt des Tons zu bestaunen.

Tonmeister Lanz verwehrte ihnen den Einblick nicht und gab Auskunft: «Man muss den Kindern Vertrauen entgegenbringen und nicht übervorsichtig sein.»

Jetzt gilt's ernst

Doch dann ging's los. Alle waren auf ihren Plätzen. Auf dem Boden klebten die Markierungslinien. Segmüller schlug den Ton für den Naturjodel zuerst auf dem Keyboard an und dann stimmlich.

Dann gab er das Zeichen und die drei Vorjodlerinnen Severine, Katharina und Gisela jodelten kräftig nach alter Toggenburger Manier. Dann stimmten die restlichen Jodlerinnen und Jodler mit ein. Eine Weitung und Vielstimmigkeit des Gesangs drang durchs kleine schwarze Mikrophon hoch oben, durch die dünnen Kabel quer durchs Zimmer, den Gang, das Foyer, den Parkplatz hinein in die technische Maschinerie von Anton Lanz, wo tontechnisch ein wenig gezaubert werden kann, was beispielsweise die Hintergrundgeräusche angeht.

Acht von zwölf

Nachmittags um 14.25 Uhr war Feierabend. Die Türe des Gruppenzimmers ging auf und jubelnde Kinder sprangen hinaus. Sie haben acht von zwölf Liedern aufgezeichnet. Der zweite Aufnahmetag war zu Ende. Ein dritter wird folgen. Doch daran dachten die Nachwuchsjodler noch nicht. Jolanda Segmüller stand mit ihrem Team und Biscuit-Osterhäschen für jeden bereit. Währenddessen nahm Anton Lanz viel Arbeit mit. Schneiden, suchen, vergleichen. Dann wird das Booklet, das Titelblatt, kreiert und gedruckt.

Die CD wird in einer Zürcher Produktionsstätte gebrannt. Und am Samstag, 23. Oktober, ist es dann so weit: Im Mosnanger Oberstufenzentrum geht der feierliche Unterhaltungsabend mit CD-Taufe über die Bühne. Die Jodlerinnen und Jodler präsentieren die neuen Lieder. Nicht im grauen Zivilschutzraum, sondern im grossen geschmückten Saal.

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