Jodel im Wilden Westen

Die Jodlerabende des Jodlerklubs Wattwil gefielen den Gästen. Am Freitag war der Jodelclub Säntisgruess Unterwasser die Gastformation, am Samstag der Jodlerklub Bärgsee Lungern.

Cecilia Hess-Lombriser
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Ein Teil des Jodlerklubs Wattwil erzählt bei der Einlage, die zum Programm gehört, vom «Wilden Westen» in der Westschweiz. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Ein Teil des Jodlerklubs Wattwil erzählt bei der Einlage, die zum Programm gehört, vom «Wilden Westen» in der Westschweiz. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

WATTWIL. Über 800 Personen drängten sich insgesamt am Freitag und Samstag in den Saal des «Thurpark». Die Identifikation mit den Auftretenden war offensichtlich. Es gab Trachten, Hosenträger mit und ohne Messingbeschlägen und Edelweiss-Stoffe. Die vielen Delegationen aus der Region und darüber hinaus zeugten vom Zusammenhalt bei der Pflege des Brauchtums Jodeln oder «Johlen», wie es der Toggenburger sagt. Der Besuch dieser Zeitung erfolgte am Freitagabend.

Uraufführung «De Wiesler»

Schlagartig war es ruhig, als der Jodlerklub Wattwil unter der Leitung von Ruedi Roth zum Zäuerli von Werner Roth ansetzte. Und ganz bei der Sache und heruntergeholt von der Alltagshektik waren die Zuhörenden, als der Verein «Tränezyte» sang. Das Jodellied, komponiert vom Hauskomponisten Ruedi Roth, erzählt von traurigen und freudigen Ereignissen im Leben, und bei beiden können die Tränen fliessen. Eine Uraufführung war im Programm angesagt: «De Wiesler», ebenfalls von Ruedi Roth. Die Uraufführungen an den Jodlerabenden sind zur Gewohnheit geworden, so dass niemand darüber spricht oder etwas dazu erklärt.

In der Pause verriet der Dirigent, dass er den Titel Mitjodler Lukas Wohlgensinger gewidmet habe, der in Wiesen bei Dreien wohnt. Auch andere Jodler des Vereins haben bereits ihren eigenen Naturjodel. So, wie ein Ländler entstehe, komponiere er auch einen Naturjodel. «Ich fange an zu jodeln, entwickle die Melodie weiter, wechsle zwischen den Stimmen und ändere die Tonart. Dazwischen kommen auch herausfordernde Teile, dafür bin ich bekannt», erklärte der Komponist. Er, der zurzeit intensiv für das Jodelmusical «Stilli Zärtlichkeite» arbeitet, das ab 1. Oktober auf Tournée geht.

Qualität ist ein Anliegen

Der Gastgeberverein lief immer mehr zur Hochform auf. Als er «S' Blüemli» von Emil Herzog sang, schienen die Stimmen geölt und der Brustkorb frei zu sein. Bei 16 Jodlern – Ruedi Roth findet diese Grösse ideal, wenn auch anfällig, wenn jemand ausfällt – kommt es auf jede einzelne Stimme an.

Die Jodler boten in der Folge viel Abwechslung mit älteren und neueren Kompositionen, mit raffinierten Wendungen und Tempi. Einen melancholischen Charakter weist das Jodellied «Hoffnig» auf, das zur Jodlerkantate «Glaube, Hoffnig, Liebi» gehört, die Ehrendirigent Willi Valotti geschrieben hat. Es war zu spüren, dass die Jodler das Lied mögen.

Die Einlage vor der Pause schaffte die nötige Plauder- und Konsumationsstimmung. Eine Kleinformation erzählte singend vom Ausflug in den «Wilden Westen» der Schweiz. Dabei begegneten sie angeblich Indianern. Als solche verkleidet boten sie ein unterhaltsames Jodellied.

«Säntisgruess» aus Unterwasser

Ein grosser Moment war die ausgezeichnete Präsentation des neuen Jodelliedes «Der Moment», wiederum aus der Feder von Ruedi Roth. «Wir wollen Qualität», sagte der Dirigent im Pausengespräch, und das gelte auch für die Gastformationen. Qualität präsentierten die Obertoggenburger unter der Leitung von Hans-Jakob Scherrer dann tatsächlich. Auch sie sangen in den Zweierblöcken je einen Naturjodel und ein Jodellied. Und damit trafen sie die Besuchenden zwischen Bauch und Kopf. Im Bauch wurde der Atem tiefer und der Kopf blieb angeregt und wach und beides verband sich. Sie erzählten etwa vom Alpaufzug auf die Sellamatt und wie der Toggenburger Traditionen pflegt und lebt. «Sie sind zfriedni Lüt.» Die Gäste zeigten, wie vielseitig der Naturjodel sein kann, wie mit den Stimmen, dem Tempo und der Dynamik gespielt werden kann.

Der Dirigent bewies auch seinen feinen Humor, als er den «Säntisgruess» vorstellte. Zum ersten Mal sang der Jodelclub aus Unterwasser die Komposition «Oberwässer», das ihnen Ruedi Roth auf den Leib geschrieben hat. Die Kapelle Hirzegg-Gruess rundete den Abend stimmig ab.

Am Samstag war es dann das Ländlertrio Echo vom Druosbärg.

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