Jetzt lächeln Sie doch endlich

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Weihnachten ist vorbei, aber ein Engel ist immer noch hier. Es ist ein Adventsengel mit einem gebrochenen Flügel. Wie das passieren konnte, weiss er selber nicht mehr ganz genau. Er hat das Gefühl, ihn habe auf dem Weg zur Erde ein Flugzeug gestreift und er sei sogar kurz ohnmächtig gewesen. Nicht, dass er nun Schmerzen hätte, Engelsflügel schmerzen nicht. Aber der Adventsengel hat grossen Kummer: Die Kraft nur eines Flügels reicht nicht, um wieder nach Hause zu fliegen. Er wird deshalb ein ganzes Jahr lang hier bleiben müssen, zumal das Tor, durch das Adventsengel zur Erde fliegen, sowieso nur vom 1. bis 25. De­zember geöffnet ist. Was aber soll er hier ein Jahr lang machen? Und die Wohnsituation ist auch noch nicht geklärt. Im Moment hat er sich in einem verlassenen Schrebergarten in einem Häuschen eingerichtet, es ist ungemütlich, kalt, einsam und ein wenig traurig für einen Engel.

Er hofft, dass man ihn im Himmel vermisst und nächste Weihnachten einen Trupp schickt, der ihm zurück hilft. Aber jetzt braucht er unbedingt eine Aufgabe, denn Engel können nicht einfach nichts tun, das widerspricht ihrer Bestimmung. Es gefällt dem Engel hier nicht besonders, obwohl er es eigentlich gut getroffen hat mit dem Auftrag, in die Schweiz zu fliegen. Nur: Alle sind so mürrisch, entweder starren sie stumm vor sich hin oder in ein kleines Gerät. Freundliche Gesichter hat er bisher noch nicht gesehen. Der Engel nimmt sich vor, jemanden zu suchen, der zufrieden vor sich hinlächelt. Bei diesem Menschen will er dann bis nächsten Dezember bleiben und ihm alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen.

Also: Lächeln Sie endlich!

Monika Egli