«Jedes zusätzliche Blutkörperchen zählt»

Nachgefragt

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Patrik Noack betreut die Mountainbiker als Teamarzt. Er befürwortet das Höhentraining und sagt, was es bewirkt und welche Sportler am meisten davon profitieren können.

Patrik Noack, was ist und bewirkt Höhentraining?

In der Höhe enthält die Luft weniger Sauerstoff. Um dies auszugleichen, produziert der Körper mehr rote Blutkörperchen. Im Höhentraining, das auf der Höhe oder in einer speziellen Kammer im Tal geschehen kann, geht es darum, das Blutvolumen zu steigern und damit die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren, zu verbessern.

Welche Sportler profitieren vom Höhentraining?

Insbesondere bei den Ausdauersport-arten zählt jedes zusätzliche rote Blutkörperchen. Für die Schweizer Leichtathletik- und andere Sportverbände ist Höhentraining eine anerkannte Trainingsmethode. Im Nationalen Sportzentrum in Magglingen führen wir genaue Messungen der totalen Blutmasse durch. Dabei stellen wir fest, dass es einige Non-Responders gibt, bei denen der erhoffte Leistungsgewinn ausbleibt.

Reicht es für ein positives Resultat, nur auf dem Berg zu schlafen?

Es gibt zwei verschiedene Trainingsmodelle. Was Ramona Forchini betreibt, nennt sich «live high, train low». Das heisst sie trainiert im Tal, was höhere Intensitäten möglich macht. Die Regeneration, die Ruhe- und Schlafphase findet in der Höhe statt. Der Sportler sollte pro Tag 12 bis 16 Stunden in der Höhe verbringen und der Gesamtaufenthalt sollte insgesamt mindestens 400 Stunden dauern. Es gibt aber auch Sportler, die für mehrere Wochen in der Höhe bleiben und dort trainieren und regenerieren. Vor allem Triathleten und Leichtathleten machen dies für ihr Grundlagentraining. Diese Trainingsform hat aber auch einige Nachteile.

Welche sind das?

In der Höhe ist die Luft trockener und die Athleten haben ein verringertes Trinkbedürfnis. Das kann zu einer Austrocknung der Schleimhäute in den Atmungsorganen führen. Der Sportler wird dadurch anfälliger für Infekte. Findet auch das Training in der Höhenluft statt, kann man vor allem zu Beginn, in der so genannten Adaptationsphase, weniger intensiv trainieren. (ker)