«Jedes Dorf braucht einen Kiosk»

TROGEN. Seit zwei Wochen ist der Kiosk am Bahnhof Trogen wieder geöffnet. Neuer Besitzer und Betreiber ist Sadik Cuya. Er hat in Zug bereits einen Kebab-Laden und eine Shisha-Bar geführt. Nun freut er sich auf eine neue berufliche Herausforderung.

Marcel Jud
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Sidak Cuya versucht, das Angebot seines Kiosks den Kundenbedürfnissen anzupassen. (Bild: maj)

Sidak Cuya versucht, das Angebot seines Kiosks den Kundenbedürfnissen anzupassen. (Bild: maj)

«In Zukunft kann man hier am Kiosk auch türkische Schokolade und andere Süssigkeiten sowie Getränke wie Uluda Gazoz kaufen», sagt Sadik Cuya. Vor zwei Wochen hat er den Trogener Bahnhofkiosk als «Bahnshop-Trogen-Kiosk» wiedereröffnet.

Kebab, Shisha, Kiosk

Cuya arbeitete in seiner Heimat Türkei als Röntgentechniker, bis er aufgrund seiner Mitgliedschaft in einer sozialistischen Partei und seiner kurdischen Abstammung verhaftet wurde. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis floh er vor acht Jahren in die Schweiz. Hier lebte er zunächst in Zug. Seinen erlernten Beruf konnte er nicht ausüben, da sein Abschluss in der Schweiz nicht anerkannt wird und er eine dreijährige Zusatzausbildung hätte absolvieren müssen. Doch Sadik Cuya liess sich davon nicht entmutigen. Er lernte die deutsche Sprache und eröffnete in Zug zunächst ein Kebab-Restaurant und anschliessend eine Shisha-Bar, welche er bis vor kurzem selbst führte. Die Shisha-Bar wird inzwischen von einem Cousin Cuyas betrieben. Er selbst ist immer noch Teilhaber, suchte aber eine neue Herausforderung. Auf den leerstehenden Kiosk wurde er durch Bekannte aus der Schweizer SP aufmerksam gemacht. Cuya entschied sich, den kleinen Laden zu kaufen und nach Trogen zu ziehen.

Nur positive Rückmeldungen

Seine Entscheidung bereut Sadik Cuya nicht: «Die Leute hier sind sehr offen. Man kommt schnell ins Gespräch und fühlt sich willkommen.» Seine Arbeit im Kiosk erleichtert den Austausch mit der lokalen Bevölkerung zusätzlich. Bisher habe er durchweg positive Rückmeldungen zur Wiedereröffnung des Ladens erhalten, sagt Cuya: «Vor allem ältere Leute sagen, sie seien froh, dass der Kiosk wieder offen ist.» Auch Lernende der nahen Kantonsschule und Pendler zählen zu seinen Kunden. Er ist überzeugt, dass jedes Dorf einen Kiosk braucht, und versucht sein Angebot den Kundenbedürfnissen anzupassen: «Beim Einkauf von Süssigkeiten und Getränken kenne ich mich durch meine vorherige Arbeit bereits aus. Der Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften ist jedoch Neuland für mich. Deshalb frage ich jeweils direkt, was in diesem Bereich gewünscht ist.»