«Jeder ist selbst verantwortlich»

TOGGENBURG. Das milde und relativ trockene Herbstwetter meinte es gut mit den Landwirten. Sie konnten Gülle und Mist bedenkenlos ausbringen und ihre Lager leeren. Denn sobald der Boden gefroren ist, gilt dafür ein striktes Verbot.

Urs M. Hemm
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Das Ausbringen von Gülle ist während des Winters nur erlaubt, wenn der Boden die Flüssigkeit aufnehmen kann, also weder gefroren noch zu nass ist. (Bild: Keystone)

Das Ausbringen von Gülle ist während des Winters nur erlaubt, wenn der Boden die Flüssigkeit aufnehmen kann, also weder gefroren noch zu nass ist. (Bild: Keystone)

Schnee liegt zumindest in den tieferen Lagen noch keiner in der Luft, dafür allenthalben der süssliche Geruch nach Gülle. «Solange die Böden den Dung noch gut aufnehmen können, ist das Ausbringen von Gülle erlaubt», sagt Fredy Trefny, Leiter Landwirtschaftlicher Umweltschutz beim Amt für Umwelt und Energie des Kantons St. Gallen. Sobald jedoch die Böden schneebedeckt, gefroren oder wassergesättigt sind, sieht die Situation anders aus: Dann gilt im Kanton St. Gallen ein Dünge-Verbot. «Unter diesen Voraussetzungen kann der Boden keine Flüssigkeiten aufnehmen und die Gülle wird entweder in naheliegende Gewässer abgeschwemmt oder ins Grundwasser ausgewaschen, was zu deren Verunreinigung führt», erläutert Trefny. Ebenfalls nicht erlaubt ist das Güllen während der Vegetationsruhe, wenn die mittlere Tagestemperatur unter fünf Grad Celsius liegt und Pflanzen keine Nährstoffe aufnehmen. Was aber können Landwirte tun, wenn diese Konditionen über einen längeren Zeitraum vorherrschen und die Gülle nicht ausbringen können? Für Fredy Trefny ist klar: «Die Landwirte müssen selbst dafür sorgen, dass sie über Lagerkapazitäten für Gülle für einen Zeitraum von etwa fünf bis sechs Monaten verfügen. Sonderbewilligungen für das Ausbringen von Gülle unter den vorgenannten Voraussetzungen gibt es keine.»

Bauern selber verantwortlich

Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbands, kennt die Problematik, relativiert sie aber – zumindest für dieses Jahr – für die Region Toggenburg. «Das Wetter war diesen Herbst bis Ende November sehr gut. Es war warm und es gab keine grossen Niederschläge, so dass die Bauern die Gülle problemlos ausbringen konnten», sagt er. Doch auch wenn dem nicht so gewesen wäre, seien die meisten Landwirte gerüstet. «Speziell im oberen Toggenburg sind sich die Bauern lange Winter gewohnt, so dass sie über genügend Lagerkapazitäten verfügen.» Dem werde bereits bei Neu- respektive Umbauten Rechnung getragen: Es würde nur eine Baubewilligung erteilt, wenn die Lagerkapazität für sechs Monate ausreiche. Auch das untere Toggenburg sei grundsätzlich für den Fall gerüstet, dass die Gülle über längere Zeit gelagert werden müsse. Allgemein seien aber die Landwirte selbst verantwortlich, dafür zu sorgen, dass ihre Lager nicht überlaufen. Sollte es dennoch zu Kapazitätsproblemen kommen, habe es genügend leer stehende Scheunen oder Ställe in der Region, die als Lager angemietet werden könnten, sagt Andreas Widmer.

Die richtige Lagerung von Gülle und Mist überwacht das kantonale Amt für Umwelt. Dieses kann aus der Nährstoffbilanz ersehen, wie viel Gülle und Mist auf einem Betrieb produziert und wie viel verbraucht wurde (siehe Kasten). Laut Andreas Widmer würden sich bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Toggenburger Landwirte an die geltenden Vorschriften und Regeln halten. Auch die Bevölkerung sei auf das Thema Güllen im Winter sensibilisiert, so dass vermutlich keiner ohne Anzeige davon kommen würde.

Thema nicht vom Tisch

Die Problematik, dass Gülle während Zeiten, in denen es verboten ist, ausgebracht wurde, habe sich zwar in den letzten Jahren tatsächlich etwas entschärft, ganz vom Tisch sei das Problem deswegen jedoch noch lange nicht, sagt Fredy Trefny. «Wir haben es trotz unserer regelmässigen Mitteilungen zu diesem Thema jedes Jahr mit mehreren Fällen zu tun, die strafrechtlich relevant sind.» Oft würden dabei die Kosten eine Rolle spielen. Denn das Entsorgen von Gülle auf dem Acker ist billiger als sie bis zum Frühling selbst zu lagern, Lagerraum anzumieten oder sie bis zu einer geeigneten Lagerstätte oder Entsorgungsstelle zu transportieren.

Leider seien sich einige Landwirte immer noch nicht der Auswirkungen bewusst, was Gülle in Flüssen oder im Grundwasser anrichten könne. «Wird Gülle unter normalen Bedingungen ausgebracht, wird vereinfacht gesagt das darin enthaltene Ammoniak in Nitrat umgewandelt, was ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen ist», erläutert Fredy Trefny. Fliesse aber die Gülle und damit das Ammoniak direkt ab und gelange in einen Fluss, wirke es als Gift für Fische und andere Organismen. «Verunreinigt jemand vorsätzlich Flüsse, Seen oder das Grundwasser, also in dem er die Vorschriften zum Güllen im Winter wissentlich missachtet, kann derjenige zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden», sagt Fredy Trefny.

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