«Jeder Hof und jede Alp ist anders»

Das Appenzellische Jahrbuch 2015 hat den Schwerpunkt Landwirtschaft. Dank ausführlicher Interviews mit Bauernfamilien, fundierten Einschätzungen und Fotos in Schwarz-Weiss ist es eine spannende Lektüre geworden.

Chris Gilb
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Die Bauernfamilie Graf aus Rehtobel, die rund 2000 Legehühner in ihrem Betrieb hat. (Bild: Martina Bašista)

Die Bauernfamilie Graf aus Rehtobel, die rund 2000 Legehühner in ihrem Betrieb hat. (Bild: Martina Bašista)

APPENZELLERLAND Das Appenzellische Jahrbuch 2015 ist zu einem Teil auch ein Fotobuch. So viele historische Aufnahmen von Bauernfamilie und Häusern wurden der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft, dem Herausgeber des Buches, zugesandt, dass sie etliche aus Platzgründen nicht einmal im Buch selbst veröffentlichen konnte. Diese sind jetzt auf der Homepage der Kantonsbibliothek aufgeschaltet. «Wenn man die Fotos genau ansieht, tut sich ein grosser Universum auf», schrieb der Innerrhoder Landammann Roland Inauen als Antwort auf den Aufruf der Gesellschaft.

Schollentreue auch in Zukunft

Das Kapitel «Bäuerliche Häuserfotografien als Quelle zur Alltagsgeschichte» behandelt die Fotos und ihre historische Hintergründe. Die Kantonsbibliothekarin Heidi Eisenhut schreibt im Vorwort zu den Porträts aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: «Bei den Bauernporträts, die nachfolgend abgebildet sind, interessiert aber nicht, wer schöner und reicher ist, sondern es interessiert die Vielfalt.» Nach diesem Fototeil folgt ein Beitrag vom ehemaligen Ausserrhoder Regierungsrat Hans Diem mit dem Titel «Landwirtschaft im Fokus». Diem schreibt zur Zukunftsperspektive der Landwirtschaft im Kanton unter anderem folgendes: «Meine Hoffnung bleibt, dass tüchtige, gut ausgebildete Bauern auch in Zukunft mit Freude und Schollentreue, diesen anspruchsvollen Beruf ausüben können.» Der Teufner Journalist und Vorstandsmitglied der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft, Hanspeter Spörri, hat für das Buch, ausführliche Interviews mit verschiedenen Bauernfamilien im Appenzellerland gemacht. Dabei habe er festgestellt, schreibt Spörri im Vorwort zu diesem Kapitel, dass jeder Hof und jede Alp anders sei. Die Bilder zu den Interviews kommen von der Fotografin Martina Bašista.

Neubauten und Obstbäume

Die Fotos zeigen Bauernfamilien in ihrem Balanceakt zwischen Tradition und Moderne, darunter auch Hans Eugster, der Autor des Alpkatasters. Die Interviews, die Spörri geführt hat, handeln von Fragen, warum die Kühe auf dem Hof enthornt sind, wie der Modernisierungsdruck in der Landwirtschaft gespürt wird, wie Obstbäume gepflegt werden, wie viel Mut ein Neubau kostet, aber auch von der Bio-Landwirtschaft und von der Liebe, die auf einen Bauernhof führte. Der ehemalige Leiter des Landwirtschaftsamtes des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Daniel Berger, analysiert in seinem Artikel die Landwirtschaft im Wandel der Zeit und geht dabei auf verschiedene politische Personen ein, die prägenden Einfluss auf die Entwicklung der Landwirtschaft im Appenzellerland hatten, darunter Lorenz Koller und Alfred Stricker. Auch die Landes- und Gemeindechroniken des vergangenen Jahres sind Teil des Buches und im Kapitel Nekrologe wird verdienten Persönlichkeiten, die in letzter Zeit starben, gedacht. Dank aufwendiger Gestaltung und lebendiger Inhalte ist das Appenzellische Jahrbuch 2015 eine gute Möglichkeit, um Spannendes über die Landwirtschaft, die soviel mit der Identität der Region zu tun hat, zu erfahren.

Wohlhabende Bauernfamilie um 1920, das Foto wurde aus Privatbesitz für das Jahrbuch eingesandt. (Bild: pd)

Wohlhabende Bauernfamilie um 1920, das Foto wurde aus Privatbesitz für das Jahrbuch eingesandt. (Bild: pd)