Jeanne Devos denkt literarische Figuren weiter

Beim Theaterspiel kann Jeanne Devos über sich hinauswachsen. Ende 2009 ist sie von der Ausserrhoder Kulturstiftung für ihre leidenschaftlichen und virtuosen Theaterarbeiten ausgezeichnet worden.

Roger Fuchs
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heiden. Sie wisse nicht exakt, wann sie sich entschieden habe, Schauspielerin zu werden, sagt die in Heiden geborene Jeanne Devos. Heute jedenfalls sei das Theater ihre Welt. Hier könne sie, wenn sie an sich selbst oder an der Welt verzweifle, ihr Unbehagen und ihre Wut ausdrücken. «Theater ist ein Ort der Begegnung, der Kommunikation», fasst Devos ihre Begeisterung zusammen.

Eigene Projekte

Derzeit absolviert Jeanne Devos den Master in Schauspiel an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit Beginn des Masterstudiums gestaltet sie auch eigene Projekte: «Profiling Johanna» kontrastiert die dokumentarische Aufarbeitung zur historischen Figur Jeanne d'Arc mit biographischem Eigenmaterial. Ganz aktuell ist ihr Zweipersonenstück «And now go home and change your underpants». In diesem Stück, für das Devos auch einen Werkbeitrag der Kulturstiftung AR bekommen hat, denkt sie literarische Figuren weiter.

Konkret geht es um die Shakespeare-Frauen Ophelia aus der Tragödie «Hamlet» und Desdemona aus «Othello».

«In den jeweiligen Theaterstücken kommen die Frauen kaum zu Wort», erzählt Schauspielerin Jeanne Devos. Sie und ihre Bühnenpartnerin Nina Kohler hätten versucht, die scheinbar zu Ende gedachten Geschichten weiterzuspinnen und den Figuren die Möglichkeit zu geben, ihr Leben neu zu verhandeln.

Da die Frauen aber tatsächlich aus zwei unterschiedlichen Shakespeare-Stücken stammen, müsse man deren Begegnung selber erfinden und auch eigene Texte dazu schreiben. Konkret heisst das gemäss Devos: «Da sich Ophelia im Originalstück das Leben nimmt – und dieser Punkt mich interessiert – habe ich meine Figur Ophelia zur Selbstmordexpertin erklärt.

In der theatralen Umsetzung bedeutet dies, dass ich während der Aufführung einen Vortrag über Selbstmordvarianten halte.»

Weil Devos und ihre Bühnenpartnerin für «And now go home and change your underpants» vorhandene Texte neu zusammengestellt oder teilweise neu erfunden haben, machen sie sich dadurch auch angreifbar.

Doch genau das sei es, was sie reize, sagt die 25-Jährige: «Wenn ich ins Theater gehe, möchte ich nicht sehen, wie Schauspieler Shakespeare gut spielen und sprechen können». Stattdessen interessiere sie, warum für die Beteiligten die Notwendigkeit bestünde, genau dieses Stück zu spielen, oder ein bestimmtes Thema zu verhandeln.

Preis stärkt Selbstvertrauen

Der von der Ausserrhoder Kulturstiftung gesprochene Werkbeitrag bedeutet Jeanne Devos viel: Eine solche Auszeichnung relativiere die Zweifel, die sie immer wieder habe. Der Preis gebe ihr das Gefühl, mit ihrer Arbeit nicht auf komplett falschen Wegen zu wandeln. Auch finde sie toll, dass in einem kleinen Kanton wie Appenzell Ausserrhoden junge Künstler dermassen stark unterstützt und gefördert würden. «Zurzeit muss ich für Vorsprechen und für Castings viel herumreisen», so Devos.

«Das ist teuer. Dieser Preis entlastet mich finanziell.»

Der Traum von Jeanne Devos ist es, nach der Ausbildung erst einmal fest in einem Ensemble an einem Theater zu arbeiten. Was ihr teilweise noch fehle, sei die Kontinuität im Spiel. «Ich würde gerne von älteren Schauspielern mit mehr Erfahrung profitieren», so Devos.