Jakob Näf-Bleiker, alt Käsermeister, 1929–2017

Zum Gedenken

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Zusammen mit drei Brüdern und einer Schwester erlebte Jakob eine glückliche Jugendzeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern Ernst und Katharina Näf-Preisig ob der Post Schönengrund. Bereits in der Primarschule, die er im ehemaligen Schulhaus Stafel besuchte, oder dann während der drei Jahre Sekundarschule in St. Peterzell, gehörte die Mitarbeit auf dem elterlichen Hof zur Selbstverständlichkeit. Dies vor allem deshalb, weil der Vater als Aktivdienstleistender immer wieder abwesend war. Nach der Schulzeit erlernte der tüchtige Junge den Beruf des Käsers, der ihm viel Freude bereitete. In den Käsereien in St. Peterzell, Krummenau und Nassen genoss er eine vielseitige Ausbildung. Im Jahre 1953 besuchte er die Molkereischule in Zollikofen bei Bern. Inzwischen in der Käserei Guntershausen tätig, legte er mit Erfolg die praktische Meisterprüfung ab. Im Jahre 1955 berief ihn Johannes Alder von der Käserei Schönenbühl in St. Peterzell zum Meisterkäser.

An der Landesausstellung Gold gewonnen

Am 1. Mai 1957 konnte er die Käserei Schönenbühl käuflich über-nehmen. Im gleichen Monat folgte auch die Hochzeit mit Rösli Bleiker aus dem Nachbardorf ­Dicken, wobei beide den Traupfarrer Thüring bereits aus dem Konfirmandenunterricht kannten. Der glücklichen Ehe entsprossen sechs Söhne, wobei zwei Söhne heute bereits erfolgreich eine Käserei führen oder bereits geführt haben. Die Käserei Schönenbühl wurde mehr und mehr erfolgreich. Dank dem guten Einvernehmen mit den Milchbauern konnte die Milchmenge gesteigert werden und als Krönung erhielt die Käserei Näf 1964 an der Landesausstellung die Goldmedaille für den Appenzeller Käse.Dank seiner intakten Familienverhältnisse, seiner tatkräftig mitarbeitenden Gattin, war es ihm auch möglich, öffentliche Ämter zu übernehmen. Die Ausbildung seiner Söhne war ihm sehr wichtig. Grund genug für die Mitarbeit im Schulrat. Damit verbunden war auch das Schulpflegeramt, das er mit grosser Sachkenntnis ausführte. Auch die weiteren öffentlichen Tätigkeiten in der evangelischen Kirchenvorsteherschaft St. Peterzell wie auch die Richtertätigkeit im Bezirksgericht Neutoggenburg erfüllte er mit Freude und grossem Engagement.

Die Bank geführt, wie wenn sie ihm gehört hätte

Nur wenige Jahre nach seinem 50. Altersjahr machten sich Hüftprobleme bemerkbar. Dank seinem vielseitigen Wissen und seiner Bereitschaft, Neues zu lernen, übernahm er zusammen mit seiner Frau am 1. Mai 1983 die Führung der Raiffeisenbank St. Peterzell-Schönengrund. Die Käserei konnte er gleichzeitig seinem ältesten Sohn Ernst übergeben, der bereits das erforderliche Rüstzeug erworben hatte. Volle zwölf Jahre verwaltete er diese Bank. Mit den Worten «Er hätt d’Bank gführt, wie wenn sie em ghört hett» wurden die Eheleute Näf an der Generalversammlung im März 1995 ehrenvoll verabschiedet.

Jetzt waren endlich Ferien und Reisen angesagt. Reisen mit Klassenkameraden von der Molkereischule oder die Reise zur Familie des Sohnes Hanspeter nach Amerika waren für ihn unvergesslich. Als Ausgleich zu seinem Alltag war er während Jahrzehnten aktives Mitglied im Jodelchörli Schönengrund und erlebte auch viel Kameradschaft, vor ­allem auch nach erfolgreichen Jodlerfesten. Sehr erfreut haben ihn auch immer wieder seine 17 Gross- und 8 Urgrosskinder. Zur Freude der grossen ­Familie durfte das Ehepaar Näf-Bleiker am 25. Mai 2017 das Fest der diamantenen Hochzeit feiern. Doch bald darnach nahmen die Altersbeschwerden erneut zu und am 1. Juli 2017 durfte er friedlich einschlafen.

Kurt Nüssli