Jahrbuch zum Kriegsgeschehen

APPENZELLERLAND. Am kommenden Samstag findet im Saal des Hotels Krone, Wolfhalden, die Jahresversammlung der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft (AGG) statt. Im Vorfeld dieser Versammlung ist das Jahrbuch 2014 erschienen.

Hanspeter Spörri
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Ankunft des ersten Wagens mit kurbedürftigen deutschen Kriegsgefangenen am Bahnhof Heiden, 10. Mai 1916. – Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen im Appenzellerland sind Hauptthema des Appenzellischen Jahrbuchs 2014. (Bild: Museum Herisau)

Ankunft des ersten Wagens mit kurbedürftigen deutschen Kriegsgefangenen am Bahnhof Heiden, 10. Mai 1916. – Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen im Appenzellerland sind Hauptthema des Appenzellischen Jahrbuchs 2014. (Bild: Museum Herisau)

Das Appenzellische Jahrbuch 2014 der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft (AGG) stellt diesmal die Jahrhundertkatastrophe des 1. Weltkriegs ins Zentrum. Zeitzeugen leben keine mehr. Aber in den Archiven lagert Material in grosser Fülle. Die Autorinnen und Autoren des Appenzeller Jahrbuchs entwerfen aus zahlreichen Einzelteilen ein Bild der schwierigen Jahre und zeigen, auf welch vielfältige Weise das Appenzellerland vom Kriegsgeschehen betroffen war.

Heidi Eisenhut, Leiterin der Kantonsbibliothek und Jahrbuch-Redaktorin, beschreibt in der Einleitung die wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Dynamik, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch im Appenzellerland zu Neubauten von Spitälern, Kasernen, Zeughäusern, Schulhäusern, Postgebäuden, Bahnhöfen, Kurhäusern und Brücken geführt hatte. Sie prägen noch heute Landschaft und Ortsbilder. Jäh war der Aufschwung vor 100 Jahren allerdings vom Ausbruch des 1. Weltkriegs gestoppt worden.

Umstände der Internierung

Ruedi Früh schildert die Geschichte des deutschen Berufsoffiziers Joachim Götz von Olenhusen, der 1917 in Heiden interniert war. Thomas Fuchs zeigt die Umstände der Internierung deutscher Soldaten hierzulande anhand von Fallbeispielen aus Teufen, Oberegg und Walzenhausen. Martina Walser hat sich in den Nachlass der «Soldatenmutter» Martha Pfenninger vertieft und beschreibt deren Engagement zugunsten der Schweizer Soldaten im Aktivdienst. Hans Toggenburger nutzt das Militär-Album einer Appenzeller Landsturmkompanie, das im Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden lagert, um den Soldatenalltag von 1917 zu beleuchten. Sandro Frefel, Landesarchivar von Appenzell Innerrhoden, schildert mit Hilfe erhaltener Referatstexte und weiterer Dokumente des katholischen Volksvereins Schwende, wie in unsicheren Zeiten die Bevölkerung informiert und welches Bild der Kriegsursachen und der Kriegsfolgen gezeichnet wurde.

Enthält Erfahrungsberichte

Das Jahrbuch enthält auch die schriftliche Fassung der Erlebnisberichte aus dem geteilten Korea: Markus Heller und Kathi Zellweger hatten an der AGG-Jahresversammlung 2013 über ihre Erfahrungen im geteilten Land berichtet, er als Mitglied der ersten Schweizer Militärdelegation (1953), sie als Leiterin des Büros der schweizerischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit in Nordkorea (2006–2011).

Weiter umfasst das Jahrbuch wie immer die ausführlichen Chroniken von Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden mit einem speziellen Rückblick auf das Jubiläumsjahr, zudem Besprechungen von kürzlich erschienenen Publikationen zu appenzellischen Themen, Tätigkeitsberichte sozialer Institutionen unter dem Patronat der AGG und Nachrufe verstorbener appenzellischer Persönlichkeiten.

Bedeutung der Alpwirtschaft

Die Überarbeitung der Alpkataster von Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden ist Anlass für die vertiefte Diskussion an der bevorstehenden Jahresversammlung der AGG. Ihren Widerhall wird diese wiederum im Jahrbuch finden – in der 142. Ausgabe, die im Herbst 2015 erscheint. Über die Bedeutung der Alpwirtschaft für Landwirtschaft, Tourismus und regionale Identität diskutieren am kommenden Samstag alt Landammann Hans Diem und alt Landeshauptmann Josef Inauen, Autor Hans Eugster und Bäuerin Paula Räss.

Jahresversammlung der AGG am kommenden Samstag im Hotel Krone, Wolfhalden: Der statutarische Teil beginnt um 10 Uhr; der öffentliche Teil mit einer Gesprächsrunde zum Thema Alpwirtschaft ist auf 11.30 Uhr angesetzt.