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Jahr eins nach Giulianis Antritt

Momentan wird ein Spitalverbundsbetrieb aufgelöst, Stellen sind gestrichen und das Defizit ist halbiert worden. CEO Paola Giuliani ist seit 15 Monaten im Amt und sagt: «Wir machen nur unsere Hausaufgaben.»
Monika Egli
Paola Giuliani: «Mehr Klarheit erleichtert die Arbeit und gibt dem Unternehmen mehr Profil.» (Bild: Monika Egli)

Paola Giuliani: «Mehr Klarheit erleichtert die Arbeit und gibt dem Unternehmen mehr Profil.» (Bild: Monika Egli)

Im letzten Jahr wurden innerhalb des Spitalverbunds AR (Svar) viele, für die Betroffenen auch unangenehme Massnahmen umgesetzt. Der Jahresabschluss präsentiert mit der Halbierung des Defizits dafür Zahlen, die sich sehen lassen können. CEO Paola Giuliani erzählt nach gut einem Jahr des Wirkens an der Spitze des Svar, wie sie den Verbund in die Zukunft führen will, wie die Mitarbeitenden mit den Sanierungsmassnahmen umgehen und weshalb man einen Svar-Betrieb auflöst.

Sie sind seit 15 Monaten im Amt. Was hatte im ersten Jahr Priorität?

Es gab zwei speziell wichtig Punkte. Zum einen war das Personal zu Beginn sehr verunsichert, und die grossen Defizite der beiden Vorjahre machten Druck. Es war mir ein Anliegen, die Negativspirale möglichst rasch aufhalten zu können. Es haben viele dazu beigetragen, dass dies möglich wurde.

Unter Ihrer Führung konnte der Svar das Defizit im letzten Jahr halbieren. Wie haben Sie das in nicht einmal zwölf Monaten geschafft?

Ich konnte mit einer guten und motivierten Geschäftsleitung arbeiten. Wir konnten die grössten Kostentreiber rasch ausfindig machen und dort den Hebel ansetzen. Ein wesentlicher Teil betraf das Personal, das man von 2013 bis 2016 massiv aufgebaut hatte. Für uns hiess dies, dass wir leider ebenso massiv «zurückbauen» mussten. In einer ersten Phase traf es vor allem die Verwaltung und Bereiche, die nicht unmittelbar Patienten tangierten. Die Halbierung des Defizits war ein wichtiges Zeichen gegen innen und aussen.

Wie haben die Mitarbeitenden auf den Abbau reagiert?

Es war entscheidend, dass wir mit diesen Massnahmen die verbleibenden Mitarbeiter nicht in eine Angststarre trieben, sondern sie davon überzeugen konnten, dass es sich lohnt, den Gürtel enger zu schnallen. Ich freue mich sehr, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Sinn unseres Handelns einsehen und sehr engagiert mitarbeiten.

Geht der Abbau 2018 weiter?

Ja. Ohne weitere Sanierungsmassnahmen werden wir es nicht schaffen. Daneben müssen wir aber auch die Kostenseite nachhaltig verbessern. In meinem ersten Interview letztes Jahr sagte ich, dass wir die Hausaufgaben machen müssen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Ich bin froh, dass wir im vergangenen Jahr so gut vorangekommen sind.

Demnach machen die Mitarbeitenden auch bei den Sanierungsmassnahmen mit?

Es ist natürlich eine Gratwanderung, wenn Leute entlassen werden müssen und das Personal gleichzeitig motiviert werden muss. Ich glaube aber, dass viele Mitarbeitende erleichtert sind, dass die Vorgaben heute klarer sind als noch vor einigen Jahren. Sie verstehen auch, dass die Zeit des ungebremsten Wachstums vorbei ist, aber dass dies nicht den Untergang bedeutet. Heute bekommen Werte wie Bescheidenheit und ein Sinn für das Machbare wieder Oberwasser. Ich bin überzeugt, dass diese Klarheit die Arbeit für viele im Svar erleichtert und dem Unternehmen mehr Profil gibt.

Welchen Stellenwert geniessen die Mitarbeitenden heute im Spitalverbund?

Die Qualität steht und fällt mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Wenn diese unsere Ziele und Werte mittragen und voranbringen, dann werden wir alle Herausforderungen meistern können.

Die Fallzahlen in den beiden Spitälern haben ab-, im Psychiatrischen Zentrum AR zugenommen. Ist das PZA die Milchkuh des Svar?

Da hätten wir schon einen Goldesel gebraucht! Aber die PZA-Zahlen haben sicher geholfen beim letzten Jahresabschluss. Mehr Probleme machte wegen der Entwicklungen Anfang 2017 die Belegung in Heiden, besonders die Chirurgie und die Geburtenabteilung.

Wie läuft die Geburtenabteilung jetzt?

Sie entwickelt sich gut. Wir hatten eine Durststrecke, auch wegen der Hebammen, die uns fast alle verliessen. Hebammen sind schwierig zu finden. Im laufenden Jahr sind die Pflegedienste der beiden Spitäler zusammen mit den Hebammen aber viel näher zusammengerückt. Das ist gelebter Verbundsgedanke! Es ist gelungen, sehr gute Teams aufzubauen. Darum bin ich da zuversichtlich.

Wie sehen die Zahlen 2018 aus?

Es ist noch zu früh, um dazu etwas zu sagen.

Ist die Gesundheitsregion Ostschweiz ein Thema im Svar?

Diese Frage ist strategisch sehr hoch angesiedelt. Hier müsste man meiner Ansicht nach die Bevölkerung und Politik fragen, welche Gesundheitsversorgung sie im Kanton wollen. Ich persönlich bin offen für neue Szenarien, aber die Weichen dafür müssen anderswo gestellt werden. Kooperationen hingegen sind und bleiben wichtig, und wir haben eine Strategie, die bis 2021 gesetzt ist. Sie sagt im Wesentlichen, dass wir eine Psychiatrie und zwei somatische Spitäler betreiben, die wir weiterentwickeln und optimal aufeinander abstimmen, und dass wir in die schwarzen Zahlen kommen wollen. Übergeordnet bleibt aber stets die Behandlungsqualität.

Wieso gibt der Spitalverbund AR das Wohn- und Pflegezentrum (WPZ) im Krombach auf, das sich bisher um ältere Personen mit Bedarf an psychogeriatrischer Pflege kümmerte?

Der Svar hat aus verschiedenen Gründen entschieden, den Leistungsauftrag für das WPZ zurückzugeben: Das Gebäude entspricht nicht mehr den heutigen Bedürfnissen und Anforderungen und ist sanierungsbedürftig. Gleichzeitig wussten wir, dass verschiedene Institutionen im Kanton nicht ausgelastet sind. Der Svar muss seine Kräfte und Mittel konzentrieren, darum können wir nicht in einen Bereich investieren, der nicht zum Kerngeschäft gehört.

Ein Grossteil der Patienten wird ins Betreuungszentrum Heiden verlegt, das kein Svar-Betrieb ist. Ist diese Institution die beste im Kanton?

Es gibt zwar zunehmend spezialisierte Angebote in den Pflegeheimen, aber das Betreuungszentrum hat vor allen anderen schon sehr früh die Schwerpunkte Demenz und Palliativ Care gesetzt. Für das Betreuungszentrum ist es eine logische Weiterentwicklung, jetzt noch die spezialisierte Betreuung in Verbindung mit der Psychiatrie aufzunehmen. Wir machen weiterhin die psychiatrischen Konsiliardienste für diese Bewohner.

Man kann auch auf die Idee kommen, dass die Auflösung des WPZ auf Druck des Kantons erfolgt. Dieser hat Pläne mit der fraglichen Parzelle.

Für unseren Entscheid gab es mehrere Faktoren, und wir haben verschiedene Optionen geprüft. Auf dem Areal hätten wir während einer Sanierungsphase beispielsweise nicht ausweichen können, und ein Provisorium aufzustellen, wäre viel zu teuer gewesen. Dass der Kanton schon seit Jahren andere Pläne mit der Parzelle hat, hatte beim Abwägen schon auch Relevanz. Aber der Kanton hat uns nicht rausgestellt.

Wie wird sich die Schliessung des WPZ auf Ihre Zahlen auswirken?

2018 gibt es sicher kein Nullsummenspiel. Es ist ja auch keine Sparübung. Die Projektabwicklung wird nicht gratis sein.

Läuft der Umzug nach Plan?

Wir haben im April angefangen. Von den rund 50 Bewohnern sind 16 noch im WPZ, neun sind bereits nach Heiden verlegt worden, acht weitere werden folgen. Dabei handelt es sich um Personen, die eine spezialisierte Betreuung brauchen. Alle anderen konnten wir in verschiedenen Pflegeheimen unterbringen.

Wie verkraften die Patienten und ihre Angehörigen die Verlegung?

Wir haben eine Sozialarbeiterin, die sich intensiv um die Bewohnerinnen, Angehörigen und Beistände kümmert. Das hat sich bewährt. Bis jetzt ist der Grossteil zufrieden, und alle sind an einem guten Ort. Zum Teil konnten wir Bewohner auch zu zweit zügeln, das erleichtert ihnen das Einleben im neuen Haus. Es gibt einzelne, die sich schwerer tun, aber wir haben alles getan, um den Umzug angenehm zu gestalten.

Wie sieht die Situation bei den Mitarbeitenden aus?

Betroffen sind 51 Mitarbeiter. Unsere Personalabteilung hat sie sehr eng unterstützt. 35 Mitarbeiter haben bereits eine neue Stelle gefunden, denn der Bedarf an Pflegepersonal ist sehr hoch. Wir haben auch Weiterbildungen ermöglicht, damit sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Kündigungen mussten wir noch keine aussprechen.

Wie viele Mitarbeitende konnten ins Betreuungszentrum mitgehen?

Eine Person, sie ist aber noch im WPZ. Solange wir dort Patienten haben, muss deren Betreuung gewährleistet sein.

Wann wird der Umzug abgeschlossen sein?

Es gibt keinen Termin. Abgeschlossen ist er, wenn der letzte Bewohner gut untergebracht ist. Das kann Oktober, aber auch Dezember werden.

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