Jäger müssen Städter aufklären

Rund 100 Mitglieder nahmen am Freitagabend an der Hauptversammlung des Jägervereins Toggenburg in Lichtensteig teil. Sie wählten ein neues Vorstandsmitglied, bestätigten die anderen im Amt, sprachen über Jagdpolitik und blickten auf das vergangene Jahr zurück.

Sabine Schmid
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Lichtensteig. Die Jäger verfolgten die Abstimmung über die Waffen-Initiative mit grossem Interesse. Nach der Ablehnung dürfe die Jägerschaft zwar aufatmen. Jürg Hoby, Präsident des Jägervereins Toggenburg, riet aber, weiterhin auf der Hut zu sein. «Rund um die Themen Jagd, Natur und Wildtiermanagement ist noch vermehrt aufklärende Öffentlichkeitsarbeit für die zunehmend abgehobene und entwurzelte Stadtbevölkerung zu leisten», sagte er. Er wies seine Jägerkollegen darauf hin, dass sie es seien, welche die Interessen der frei lebenden Wildtiere vertreten und ihre Lebensrechte verteidigen. Dabei solle man aber die Gegenspieler auf der Schützerseite nicht provozieren. Jürg Hoby hielt fest, dass die Schweiz von heute nicht mehr über die Lebensräume des 19. Jahrhunderts verfüge. Und dennoch sei der Bestand an wildlebenden Tieren heute weit grösser als damals. «Ein integriertes Wildtiermanagement wird in Zukunft nur erfolgreich sein, wenn alle Akteure ihr Verhalten entsprechend ausrichten», sagte er.

Pachtzins wird sich verringern

In seinem Bericht informierte der Präsident des Jägervereins Toggenburg über den Stand der Teilrevision des Jagdgesetzes. Das Finanzierungskonzept sehe vor, dass die Anteile von Kanton und Gemeinden gestrichen, die Pachtzinse verursachergerecht festgelegt und Lebensraumprojekte vermehrt unterstützt werden sollen. Dies bedeute, dass die Pachtzinsen um 30 Prozent sinken würden. Noch nicht geregelt sei hingegen das Wildschadenverfahren. «Es ist unverständlich, dass eine finanzielle Entlastung der Jägerschaft selbst bei erfülltem Abschuss und bei Schäden durch geschützte und seltene Tierarten ausgeschlossen bleibt», sagte Jürg Hoby. Seiner Meinung nach wäre gerechtfertigt, die Folgekosten der Biodiversität nicht nur den Jägern, sondern dem allgemeinen Staatshaushalt aufzubürden.

Jürg Hoby wies auch darauf hin, dass die Beurteilung der Schadenssituation in vielen Gebieten als übertrieben wahrgenommen werde. «Die Ursachen der Forstschäden werden einseitig den Wildtieren zugeschrieben. Die übrigen Faktoren wie starke Beunruhigungen durch Freizeitnutzung und sportliche Aktivitäten werden nicht oder nur ungenügend berücksichtigt», sagte er. Die Problemlösung wurde oft nur in einer drastischen Erhöhung der Abschussvorgaben gesucht. In der Jagdkommission sei diese Problematik aber thematisiert worden.

Jürg Hoby blickte auch auf die Anlässe des Jägervereins Toggenburg zurück. Die Umstellung beim Jagdschiessen auf die elektronische Trefferanzeige bringe einen zügigeren Schiessbetrieb mit sich. Aus diesem Grund findet das Jagdschiessen 2011 nur mehr am Nachmittag statt.

Neues Vorstandsmitglied

Der Jägerverein konnte vier neue Mitglieder in seinen Reihen aufnehmen. Drei Jäger sind aus dem Verein ausgetreten, von vier Kameraden mussten die Anwesenden für immer Abschied nehmen. Dreizehn Jäger sind als Veteranen geehrt worden, von ihnen waren aber nur fünf anwesend.

Gemäss der Traktandenliste standen Wahlen an. Jürg Hoby wurde als Präsident bestätigt, er stellte aber in Aussicht, dass er an der nächsten Hauptversammlung zurücktreten werde. Wiedergewählt wurden auch Vizepräsident Hugo Annen, Aktuar Niklaus Tarnutzer, Kassier Kai Schüler und Beisitzer Hans Hälg. Der Materialverwalter Heinz Hermann gab seinen Rücktritt bekannt. An seine Stelle wurde der Wildhauser Markus Brändle gewählt.

Rekordabschuss beim Rotwild

Köbi Rutz informierte als Obmann der Hegegemeinschaft 1 über die Abschusszahlen beim Rotwild. 2010 habe die Planung mit 300 Tieren den höchsten Abschuss seit 1996 vorgegeben. Mit 321 erlegten Tieren sei diese Abschusszahl sogar noch übertroffen worden. Im Obertoggenburg hätten die Jäger 80 Tiere abschiessen müssen, sie haben sogar 90 erlegt. Köbi Rutz lobte die Jäger: «Die Jagd hat das Ziel erreicht. Ihr habt eure Hausaufgaben mit Bravour gemeistert.»

Zum Abschluss der Versammlung gab es einen Ausschnitt aus dem Film «Wir und der Wolf» zu sehen.

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