Ja zur Umzonung Underdorf

Zur Abstimmung über die Umzonung Underdorf Zur Diskussion um den Standort der Kantonsschule

Ruedi Bannwart Ackerhusweg 26 9642 Ebnat-Kappel
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Ich wundere mich ein bisschen. Ein unadressiertes Couvert wird einem zugeschickt, mit einem gelben Brief drin. Was mich am meisten stört daran ist aber, dass die Initianten nicht einmal die Grösse haben, mit ihrem Namen diesen gelben Zettel zu unterschreiben. Was sind das für Leute, die sich nicht getrauen, für ihre Anliegen mit ihrem Namen geradezustehen. Ich stehe zu meiner Meinung, darum dieser Leserbrief. In diesem gelben Brief wird ein weiteres Mal auf Umstände hingewiesen, die am Informationsabend vom 3. März, so meine ich, klargestellt wurden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Wohnhäuser in der Speerstrasse entwertet werden, nein auch ein wichtiges Naherholungsgebiet abgewertet werde.

Zum ersten: Ich habe schon an der Information darauf hingewiesen, dass Aussicht in der Schweiz nicht als schützenswertes Gut betrachtet wird. Dieser Umstand bewirkt, dass auch andere Wohngebiete durch einen Neubau eventuell ihre Aussicht verlieren könnten. Die Distanz zu meinem Nachbarhaus ist an der engsten Stelle genau 8 Meter. Es nimmt mir sogar an einer Ecke die Aussicht auf die Churfirsten weg. (Muss ich mich jetzt wehren?) Oder gehen Sie mal an die Mitteldorfstrasse im Dorfteil Kappel. Man darf doch nicht, wenn man 40 Jahre und mehr eine Aussicht hatte, plötzlich verlangen, dass diese für ewig bleibt. Wir leben doch im Hier und im Heute.

Zudem unterstelle ich Einzelnen, dass es nicht um Aussicht, sondern um Entschädigung geht. Dieses geplante Gebäude mit 8 Metern Höhe entspricht einem dreistöckigen Haus mit Giebel. Das bestehende Bauernhaus hat in etwa diese Höhe. Die Distanz zu den Wohnhäusern wird am engsten Punkt mindestens 30 Meter betragen, dies scheint mir sehr, sehr viel, im Vergleich zu meinen 8 Metern. Zudem schauen die Fenster nach Süden, also in Richtung alte Fabrik.

Naherholungsgebiet: Bitte entschuldigen Sie mein verschmitztes Lächeln. Das Naherholungsgebiet mitten im Dorf wurde ja ermöglicht, trotz meines Widerstandes. (Habe also einen Initianten von heute unterstützt.) Wo leben wir denn, das ganze Dorf Ebnat-Kappel ist ein Naherholungsgebiet. Von jedem Haus im Dorf laufen Sie nicht 500 Meter, und Sie befinden sich in der Natur. Und es soll mir mal einer sagen, dass die Strasse zur ARA ein Naherholungsgebiet darstellt. Falls ich einmal neben die geteerte Strasse trete, muss ich aufpassen, nicht in Hunde… zu treten. Zudem ist es so, dass auch neben dieser Strasse nach wie vor die Thur fliesst, und auf der gegenüberliegenden Seite nach wie vor mindestens 20 Meter Grünfläche bestehen bleibt. Diese Strasse entlang der Thur bleibt bestehen und ist auch für Rollstuhlgänger nach wie vor problemlos befahrbar. Zudem lässt Alder + Eisenhut AG extra Parkplätze zu diesem Zweck errichten. Und glauben Sie nicht, dass jeder Rollstuhlgänger nur immer in der freien Natur sein will, Gewerbe und Industrie interessieren gerade auch ältere Leute ungemein. Zudem sind gerade auch diese Leute stolz auf die «Turngräti».

Zum dritten Punkt. Es wird von einer etappenweise industriellen Überbauung bis zur ARA gesprochen. Erstens hat die Gemeinde genau erklärt, dass jedes zusätzliche Gebiet erneut einer Umzonung bedarf, das bedeutet, wir werden immer wieder gefragt und zwar bei jedem Quadratmeter, der verplant werden sollte. Und glauben Sie mir, wenn in 20 oder 40 Jahren diese Frage erneut auftaucht, werden die meisten von uns nicht mehr dabei sein, inklusive ich. Was sollen wir also heute bestimmen, was in 20 bis 40 Jahren falsch sein kann. Wenn wir heute aber darauf bestehen, über das Ganze jetzt zu diskutieren, werden wir erstens Arbeitsplätze verlieren, und zweitens werden zukünftige Investoren zum vornherein abgeschreckt. Nur dann hat das ganze Dorf verloren, das bin ich mir sicher.

Als Arbeitgeberpräsident der Region Toggenburg wär es mir eine Freude, wir hätten im Toggenburg diese Nachfrage von Industriegebiet. Wir bringen es nicht fertig, Industrien in unser Tal zu locken. Die IST AG war in Wattwil beheimatet und hat sich nur neu orientiert. Im Toggenburg sind wir darauf angewiesen, dass bestehende Industrien wachsen können. Die Ebnat AG kann das auf eigenen Grundstücken bewerkstelligen, die Alder + Eisenhut AG braucht dazu Bauland, und aus ökologischen wie vor allem auch aus ökonomischen Gründen Bauland in der Nähe des jetzigen Standortes. Wir brauchen im Toggenburg und vor allem in Ebnat-Kappel diese Arbeitsplätze und auch diese Ausbildungsplätze. Wenn wir schon keine neuen Investoren finden, geben wir wenigstens unseren einheimischen Industrien die Möglichkeit zu wachsen. Generationen haben bereits bei Alder + Eisenhut gearbeitet, helfen wir ihnen bei ihrem Bestreben, auch weiteren Generationen Arbeitsplätze anbieten zu können. Wir leben in Ebnat-Kappel nicht von der Landwirtschaft und dem Tourismus, nicht von Sozialeinrichtungen und Naherholungsgebieten, wir leben vor allem auch von einem gesunden Gewerbe und einer prosperierenden Industrie. Bedenken wir das am 30. März und stimmen Ja für die Umzonung im Underdorf. Denn für eine gesunde Entwicklung von Ebnat-Kappel ist dieser Schritt notwendig und auch richtig.

Ja-Argumente überwiegen

Ja oder Nein stimmen? Was spricht für ein Ja, was für ein Nein? Praktisch bei jeder Abstimmung stelle ich mir diese Frage. Wenn sich die Ja-Argumente und die Nein-Argumente die Waage halten, kommt es vor, dass ich nicht abstimme. Als Bauernsohn und Naturliebhaber müsste ich eher Nein stimmen zur Umzonung. Aber da sind noch die anderen Seiten. Ich durfte über 30 Jahre lang einen Arbeitsplatz in Ebnat-Kappel haben. Dies war für mich als Familienvater sehr wertvoll. Einer meiner Söhne durfte bei Alder + Eisenhut die Lehre absolvieren. Auch später, während seines Studiums, fand er in den Semesterferien stets eine offene Tür. Fazit: Meine Ja-Argumente überwiegen. Ich werde ein überzeugtes Ja in die Urne legen, weil ich in Zukunft auch anderen Familien in unserem Dorf eine so hohe Lebensqualität gönnen mag.

Verlegung der Kanti wäre gravierend

Für das Toggenburg steht einiges auf dem Spiel: Die 1970 erbaute Kantonsschule Wattwil ist dringend sanierungsbedürftig. Die St.Galler Regierung sprach sich dabei für einen Neubau aus. Bei der Diskussion um den zukünftigen Standort der Kantonsschule Wattwil fordern verschiedene Politiker und Wirtschaftsvertreter eine Verlegung der Kanti ins Linthgebiet. Dies wäre für das Toggenburg jedoch mit gravierenden Konsequenzen verbunden. Infolge des verschlechterten Bildungsangebots würde das Tal stark an Attraktivität einbüssen. Weniger Neuzuzüger und eine erneute Schwächung der Region wären die Folgen.

Im Rahmen eines Ausgleichs wurde Ende der 1960er-Jahre beschlossen, die Technische Hochschule in Rapperswil und die Kantonsschule in Wattwil zu bauen. Vor diesem Hintergrund mutet die Forderung nach einer Verlegung der Kanti ins Linthgebiet unsolidarisch und eigennützig an. Zumal Wattwil über geeignete Grundstücke für einen Neubau der Kantonsschule verfügt. Ausserdem liegt Wattwil zentral im Einzugsgebiet und ist für Schüler aus dem Linthgebiet und dem Toggenburg gut erreichbar. Eine Kantonsschule im Linthgebiet würde hingegen für viele Schüler aus dem Toggenburg einen unverhältnismässig langen Schulweg bedeuten.

Daher ist es wichtig, dass die Kantonsschule weiterhin in Wattwil bleibt.

Die Kantonsschule gehört nach Wattwil

Die Kantonsschule Toggenburg-Linth gehört nach Wattwil. So lautete die Entscheidung der St. Galler Regierung vor über 40 Jahren. Und so liess sie sich vor einem Jahr vernehmen, als sie offiziell bekanntgab, dass der Kantistandort Wattwil unbestritten sei. Nachvollziehbar und konsequent, wenn man bedenkt, welche Überlegungen diesem Entscheid zugrunde liegen.

Seit jeher setzte die Regierung die verschiedenen kantonalen Angebote auch als Mittel zur Förderung der verschiedenen Regionen ein. So entstanden im Bildungsbereich in den regionalen Zentren die Landmittelschulen, städtische Agglomerationen wurden hingegen durch Hochschulen gestärkt. Dieser regionale Ausgleich entspringt einer wichtigen und in der Geschichte des Kantons St. Gallen bedeutenden Grundhaltung von Regierung, Kantonsrat und Bevölkerung. Der regionale Ausgleich ist ein bedeutender Mosaikstein in der erfolgreichen Entwicklung des Kantons St. Gallen. Die regionale Wirtschaft ist angewiesen auf ein gutes regionales Bildungsangebot. Es ermöglicht den Jugendlichen eine gute Grundlage für ihr späteres Berufsleben und erleichtert die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften und Kadermitarbeitern. Die zentrale Lage von Wattwil ermöglicht es allen Schülerinnen und Schülern des Einzugsgebietes, innert einer zumutbaren Zeit mit geringem Aufwand eine weiterführende Ausbildung zu besuchen. Dabei profitieren die Jugendlichen vom sehr gut ausgebauten öffentlichen Verkehr mit optimalen Verbindungen in alle Richtungen.

Die Kanti Wattwil liegt im Zentrum des Kantons. Dank dieser Lage und der guten Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr können die Angebote und die Klassenplanung zwischen den Kantonsschulen von Wil, Wattwil und St. Gallen ressourcengerecht optimiert werden.

Mit möglichen Standorten in der Nähe des Bahnhofs und in unmittelbarer Nähe zur Berufsschule kann eine Campuslösung geschaffen werden, welche betriebswirtschaftlich optimale Voraussetzungen bietet.

Allein schon aufgrund der oben aufgeführten Argumente gibt es keinen Grund, vom derzeitigen Standort der Kanti Wattwil abzuweichen. Es gibt keinen Grund, eine Bildungsstätte mit aussergewöhnlich gutem Ruf und hervorragendem Ranking zu verlegen oder gar zu zerschlagen. Wir kämpfen um unseren Bildungsstandort mit Kantons- und Berufsschule – im Interesse unserer Region, aber auch im Gesamtinteresse unseres Kantons.

Die Kantonsschule muss in Wattwil bleiben – helfen Sie jetzt mit. Unterstützen Sie bitte die Petition von Bildung Toggenburg. Unter dem Link: www.bildung-toggenburg.ch/ können Sie Ihre Stimme abgeben. Damit erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass die Kanti in Wattwil bleibt.