Ja zum Wolf, aber mit Herdenschutz

HERISAU. Innerhalb Jahresfrist wurde in Appenzell Ausserrhoden zweimal ein Wolf nachgewiesen. Ein sogenannt «grosser Räuber» kehrt viele Jahre, nachdem er vom Menschen ausgerottet worden ist, zurück.

Yves Noël Balmer
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Yves Noël Balmer, SP-Kantonsrat aus Herisau. (Bild: pd)

Yves Noël Balmer, SP-Kantonsrat aus Herisau. (Bild: pd)

Herisau. Innerhalb Jahresfrist wurde in Appenzell Ausserrhoden zweimal ein Wolf nachgewiesen. Ein sogenannt «grosser Räuber» kehrt viele Jahre, nachdem er vom Menschen ausgerottet worden ist, zurück.

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Dass Emotionen aufkommen bei der Rückkehr von Bär, Wolf und Luchs in der Schweiz, ist teilweise verständlich. Eine sachliche und rationale Betrachtung darf aber dennoch nicht fehlen. Wölfe können innerhalb eines Tages 50 Kilometer und mehr zurücklegen und sind in der aktuellen Dichte des Wolfbestandes in der Schweiz innerhalb weniger Tage wieder in Appenzell Ausserrhoden. Es ist anzunehmen, dass beide auf Appenzeller Boden nachgewiesenen Individuen weiter gezogen sind. Wann der nächste Wolf bei uns auftaucht, kann niemand genau beurteilen. Aber es ist anzunehmen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wieder ein Wolf kommt. Wölfe sind eine einheimische Tierart; sie gehören nach Appenzell Ausserrhoden, um ihrer natürlichen Funktion in der Regulierung von Hirschen und Rehen nachzukommen.

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Aktuell steigt der Bestand an Rothirschen in den beiden Appenzell, dem St. Galler Rheintal und dem Toggenburg nachweislich stark an. Der Wolf ist daher kein Konkurrent der jagdlichen Regulierung des Wildes durch den Menschen, sondern eine willkommene Unterstützung. Der in Urnäsch nachgewiesene Wolf kam mit dem Riss einer Rehgeiss lediglich seiner natürlichen Aufgabe nach. Es liegt an uns Menschen, ob wir den Wolf unterstützen, einerseits durch die Akzeptanz seiner Anwesenheit, anderseits durch einen wirksamen Schutz der Nutztiere auf den Appenzeller Weiden.

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Die Erfahrungen aus dem Wallis und dem Kanton Bern zeigen, dass ein fehlender Herdenschutz einzelne Wölfe prägt, primär Nutztiere zu reissen. Um dies zu verhindern, müssen Ziegen und Schafe besser als in der Vergangenheit geschützt werden. Wölfe unterscheiden sich bei der Nahrungssuche nicht gross von uns Menschen. Wie wir lernen Wölfe die Nahrung mit einem möglichst geringen Aufwand zu beschaffen. Während für uns Menschen das Angebot an Convenience Food in den Läden immer grösser wird und Fastfood-Läden in ihrer Zahl auch im Appenzellerland weiter zunehmen, nutzt ein Wolf eine ihm zu leicht gemachte Beute, statt Wild zu jagen.

Es liegt also an uns, ob wir ihm die Chance geben oder nicht und dabei auch uns die Chance geben, den Bezug zur Natur wieder zu fördern.

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