Italienerverein Appenzell
Der erste Italienerverein im Appenzellerland – eine Erfolgsgeschichte der Integration

Marino Paggiola kam 1960 aus Italien in die Schweiz. Innerhalb weniger Jahren war in Appenzell gut integriert. Er schaffte dies durch seine aktive Teilnahme am Dorfleben.

Elia Fagetti
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Hier steht Marino Paggiola in seinem Treppenhaus, wo die Trophäen seiner Schiedsrichterkarriere hängen.

Hier steht Marino Paggiola in seinem Treppenhaus, wo die Trophäen seiner Schiedsrichterkarriere hängen.

Archiv

Beim Besuch bei Marino Paggiola zu Hause erzählt er von seinem erlebnisreichen Leben. Früh lernte er seine Schweizer Frau kennen. Eine herzliche Geschichte, die er mit viel Freude erzählt. Zu dieser Zeit, den 1960er-Jahren, gab es ein Kino in Appenzell, welches immer Sonntags und Dienstags italienische Kinofilme zeigte. Mit einer grossen italienischen Diaspora lohnte es sich auch. Bei einer Vorstellung habe er die Tochter des Kinobesitzers kennen gelernt.

Bruder in Appenzell besuchen

Marino Paggiola kam 1960 aus Italien in die Schweiz, genauer nach Appenzell. Denn sein Bruder war schon hier und der Militärdienst in der Heimat schien nicht sehr verlockend. Nach einer Eingewöhnungszeit gründete er 1963 zusammen mit seinem Bruder die Associazione Emigranti Italiane Appenzell, kurz AEIA. Dieser Verein half bis zu seiner Auslösung im Jahr 1997 den zugewanderten Italienern mit der Bürokratie in der Schweiz.

Durch den Verein bildete sich ein Netzwerk, von dem alle Mitglieder profitieren konnten. Zu den Spitzenzeiten betrug die Mitgliederschaft etwa 350. Von 800 ansässigen Italienern in Appenzell war das ein grosser Teil. Da meist nur die Männer der Familien Mitglied waren, wurden auch die Frauen und Kinder indirekt Teil dieser Gemeinschaft.

Zu den Aufgaben des Vereins zählte nicht nur die Hilfe bei bürokratischen Angelegenheiten, sondern auch das Veranstalten von unterhaltsamen Abenden. Dazu zählte unter anderem ein Tanzanlass, der drei bis vier Mal pro Jahr abgehalten wurde, eine Weihnachtsfeier, ein Kinderfest und der Muttertag, um nur einige Beispiele zu nennen.

Hinzu kam Hilfe für die sogenannten Saisonniers, also Gastarbeiter, welche nur über den Sommer für Arbeit in die Schweiz kamen. Das war hauptsächlich in den 1970er-Jahren. Wenn ein Mitglied des Vereins ins Krankenhaus kam, dann organisierte Paggiola Besuche. Er meint dazu:

«Wir wollten nicht, dass sie sich vergessen fühlten.»

Früh traf man sich auch in einer lokalen Beiz, wo das Bier billig war und das Essen Italienisch. Das zog nicht nur die Italiener an, sondern auch die Einheimischen. So entstanden schnell Freundschaften zwischen den Immigranten und dem Appenzeller Urgestein.

Das Logo des Vereins symbolisiert die zwei Welten der Immigranten.

Das Logo des Vereins symbolisiert die zwei Welten der Immigranten.

PD

Für Paggiola war das Engagement im Verein nicht genug. Zu seiner Position als Sekretär im Verein AEIA kommt auch eine lange Karriere als Schiedsrichter, die er heute noch als ältester in der Schweiz ausübt.

Mit der Zeit nahm die Einwanderung aus Italien ab. Gerade nach der Schwarzenbach-Initiative nahm sie stark ab, wie Paggiola erzählt:

«Schnell kamen nicht mehr viele Italiener in die Schweiz. Das spürte man auch in Appenzell.»

Viele Einwanderer der ersten Generation gingen zurück nach Italien und die zweite Generation habe laut Paggiola kein Interesse an dem Verein gehabt. Feindseligkeit sei ihm nie entgegengebracht worden. Die Italiener seien nämlich sehr beliebt gewesen. Als er nach Appenzell gekommen war, trug noch fast niemand Jeans.

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