Italianità in der «Sonne»

KRUMMENAU. Salat mit Mostbröckli-Streifen, Hirsch-Geschnetzeltes, Tiramisù und dazwischen italienischen Pop: Ilaria Vitiello sang bei «Sudoku» im Restaurant Sonne in Krummenau im familiären Rahmen. Zu schaffen machte der jungen Frau ihr kleines Glück.

Olivia Hug
Drucken
Teilen
Mit der richtigen Atemtechnik brillierte sie: Ilaria Vitiello im Restaurant. Unterstützt von Vater Giovanni. (Bild: Olivia Hug)

Mit der richtigen Atemtechnik brillierte sie: Ilaria Vitiello im Restaurant. Unterstützt von Vater Giovanni. (Bild: Olivia Hug)

Sie hatte einmal vor einem Millionenpublikum singen wollen, am Donnerstagabend tat sie es im kleinen Rahmen. 14 Menus servierte «Sonne»-Wirt Peter Bösch zum Konzert der «Sudoku»-Reihe, während die Gäste dem Gesang von Ilaria Vitiello lauschten. Die Italienerin aus Lichtensteig, deren Idol Laura Pausini ist, gab italienische Popsongs der vergangenen Jahrzehnte zum besten. Vor zwei Jahren wollte sie für die Schweiz an den Eurovision Song Contest nach Malmö reisen. Ohne Erfolg. Ein Jahr später versuchte sie es mit der Teilnahme für Kopenhagen. Derartige Pläne legt sie bis auf weiteres auf Eis: Die 22-Jährige wird bald in den Mutterschaftsurlaub gehen.

Keine Puste mehr

Ilaria Vitiello überraschte ihre Zuhörerinnen und Zuhörer in Krummenau mit ihrem Sechs-Monate-Babybauch. Dieser sollte es der Sängerin nicht leicht machen, ihr gewohntes Talent an den Tag zu legen. Mitten in einem Song ging ihr die Puste aus. Entschuldigend erklärte sie danach: «Ich bekomme halt nicht so viel Luft wegen dem Baby.» Nach dem Konzert sagte sie auf Anfrage, dass sie ihren Auftritt um ein Haar abgesagt hätte: ihre Stimme wollte nicht so, wie sie es sich gewünscht hätte. «Die Technik, die man sich in den vergangenen zehn Jahren angeeignet hat, kann man vergessen.» Ihr letzter Auftritt sei schon einige Monate her. Sie habe zwar im Laufe des Konzertes erkannt, wie es am besten funktioniere, aber die hundert Prozent von dem, was sie sonst beherrsche, seien nicht machbar gewesen.

Zur Unterstützung half ihr an diesem Abend ihr Vater Giovanni Vitiello. Der 46-Jährige übernimmt für gewöhnlich den Part der Begleitstimme oder er singt bekannte Duette mit seiner Tochter. In der «Sonne» schlüpfte er oft in die Rolle des Solosängers. Zudem machte seine zweite Tochter, die 12jährige Giada, klar, dass ein weiteres Gesangstalent in die Familie geboren wurde.

Fan des italienischen Pop

Zum ersten Mal fand ein «Sudoku»-Konzert nicht im Saal, sondern im Restaurant statt. Mit zwei Mikrophonen, einem Laptop und einem Mischpult brauchte das Vater-Tochter-Duo nicht viel Raum für sein Schaffen. Und die Gäste genossen Salat mit Mostbröckli, Hirsch-Geschnetzeltes und Tiramisù im familiären Rahmen. «Ich hatte noch nie jedem Gast die Hand schütteln können bei einem Konzert», meinte Peter Bösch schmunzelnd. Der Wirt war vor einiger Zeit auf die Sängerin mit der starken, leicht kratzigen Stimme aufmerksam gemacht worden. Gebucht hat er sie, weil er ein grosser Fan der italienischen Popmusik ist.

Davon gab es an diesem Abend reichlich. Ilaria und Giovanni Vitiellos Repertoire reichte von Hits der 50er-Jahre wie «Marina» über 70er-Jahre-Klassiker wie «L'italiano (lasciatemi cantare)» oder die Tozzi-Hymnen «ti amo» und «Gloria» bis hin zu jungen Kompositionen der Geschichte wie «non c'è» von Laura Pausini oder «I belong to you», welches Eros Ramazotti zusammen mit Anastacia singt. Insbesondere im Duett des Schmusesängers gelang Vater Vitiello eine authentische Wiedergabe. Die Tochter blühte derweil in den Songs auf, welche einer starken Frauenstimme bedürfen. Kaum zu atmen wagte das Publikum bei «essere una donna» von Anna Tatangelo, in welchem Ilaria Vitiello aufzugehen schien. Auch im für den Song Contest geschriebenen Eigenstück der Lichtensteigerin, «apri il tuo cuore», konnte die Sängerin brillieren. Bis zu dem Punkt tat sie sich bisweilen etwas schwer, das nebst ihrer Familie anwesende Publikum wahrzunehmen und sich nicht ablenken zu lassen.

Aktuelle Nachrichten